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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums432
damit sie künftig besser mit Material für ihre Argumentation ausgestattet wä-
ren.
Die Genesis dieser Denkschrift und der Anteil der zur Mitarbeit herangezo-
genen theologischen und politischen Berater sind unter Einsatz beträchtlicher
philologischer Akribie gründlich untersucht worden109. Einen elementaren Teil
der Vorarbeit leistete Gienger, der mit Unterstützung des Bischofs Urban von
Gurk, damals Hofprediger Maximilians, die Grundlage für den ersten Entwurf
lieferte, den der Kanzleisekretär Singkmoser unter Berücksichtigung von Gut-
achten Selds sowie Sitthards und Franz’ von Cordoba zusammenstellte110. An-
scheinend war es für Ferdinand eine Gewissensfrage, ob das Vorhaben womög-
lich mit seiner Pflicht zum Gehorsam gegen Kirche und Papst kollidiere111,
denn die Hereinnahme seines – theologisch versierten – Beichtvaters in den
Kreis der Gutachter ist ungewöhnlich. Doch war Sitthard ebenso wie Franz von
Cordoba von der Notwendigkeit der Reform überzeugt112. Seld aber wünschte
offenbar neben den beiden Ordensbrüdern noch die Mitwirkung eines anderen
mit den Reform- und Konzilsfragen vertrauten theologischen Sachverständigen,
denn auf sein Ersuchen hin wurde Staphylus eigens aus Ingolstadt nach Prag
zitiert113. Staphylus hatte sich im vergangenen Jahr in Denkschriften an den
Kaiser und an den Papst über Chancen, Aufgaben und Durchführung des Kon-
zils geäußert114, damals jedoch die Konzilspolitik der beiden obersten Häupter
der Christenheit nicht wesentlich beeinflußt115. Eigentlich hatte Ferdinand ihn
als theologischen Berater seiner Oratoren nach Trient schicken wollen, was
jener aber abgelehnt hatte116. Staphylus wurde nun die Überarbeitung des Kon-
zepts von Singkmoser übertragen; dafür wurde ihm eine Expertise über die
letzte Visitation zur Einarbeitung dessen, „was dem Concilio der Reformation
halber weiter furzubringen“, zugestellt117. Natürlich verwertete er manche Ge-
danken aus seinen Memoranden118. Seine Vorlage wiederum wurde von Seld
kritisch überprüft, bei dem die Verantwortung für die Kongruenz mit den In-
tentionen Ferdinands lag119. Selds Änderungsvorschläge wurden am 17. Mai
109 Durch die Arbeiten von Sickel, Reformations-Libell, Loewe und Eder, Reformvorschläge.
110 Zusammenfassung bei Eder, Reformvorschläge, S. 232; ebda., S. 233ff: Edition des Konzepts von
Singkmoser
111 Darauf deutet eine Bemerkung Selds: „videtur mihi Mtem V in hac parte non esse peccaturam“,
wenn er in der von ihm empfohlenen Weise vorgehe (Sickel, Reformations-Libell, S. 50).
112 Sitthards Gutachten in HHStA Wien RK RelA 13, fol 113r-114v; Teile gedruckt bei Sickel,
ebda, S. 46ff; zum Inhalt Eder, Reformvorschläge, S. 155. Die Beteiligung Cordobas war schon
im Beschluß vom 17. März vorgesehen, zu seinem Anteil zuletzt Ganzer, S. 319f.
113 Sickel, Reformations-Libell, S. 46
114 Ediert CT 13, S. 455ff (mit einleuchtender neuer Datierung) und S. 473ff (Inhaltsanalyse bei
Eder, S. 80ff).
115 Das Memorandum für den Kaiser verschwand in den Akten (heute HHStA Wien, RK RelA 13);
zum Gutachten für Pius IV. vgl. Siebert, S. 264.
116 HHStA Wien, RHRP 19, fol 80v: Notiz v. 30.6.1561 für ein Schreiben an Staphylus: „Ir Mt.
gedenk ine selbst auffs Concilium zu geprauchen“. Vgl. ferner NB II 3, S. 65 Anm. 1
117 HHStA Wien, RK RelA 7 Konv. 3, fol 11v: Dorsalvermerk v. 5.5.1562
118 Dazu Sickel, Reformations-Libell, S. 62ff; Eder, Reformvorschläge, S. 163ff u. S. 215ff
119 „Ein Bedengk in materia concilii“ (HHStA Wien, RK RelA 7 Konv. Mai, fol 75–79, gedruckt
bei Sickel, ebda, S. 87ff; dgl. im textkritischen Apparat der Edition des Libells in CT 13)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien