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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 438 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums438 undifferenzierte Kritik der Legaten am Libell und führte mehrere historische Beispiele als Belege für das Kaiserrecht an, Reformvorschläge für die gesamte Kirche zu machen157. Die von Seld geleistete eingehende Antikritik wurde – in der erforderlichen Weise umstilisiert – zum Hauptteil der kaiserlichen Erwiderung158. Sie war ausdrücklich als Rechtfertigung der eigenen Initiative gekennzeichnet und hatte zwei Schwerpunkte: Zum einen wurde das Recht des Kaisers, dem Konzil An- träge zur Reform der Kirche vorzulegen, mit den schon erwähnten Argumenten und als kanonistisch fundiert verteidigt und den Legaten vorgehalten, es sei absurd, wenn ausgerechnet allein dem Kaiser dieses Recht abgesprochen werde, nachdem es von anderen Potentaten bereits in Anspruch genommen und den Protestanten im Geleitsbrief zugestanden worden sei159. Die Befürchtung, das Konzil werde von Anträgen überschwemmt werden, wird als Scheinargument entlarvt. Zum anderen wird die – pauschal gebliebene – Kritik am angeblich gefährlichen Inhalt des Libells zurückgewiesen: Die Behauptung, das Libell könne zum Scheitern bzw. zur Auflösung des Konzils führen, wird als beson- ders verletzend und keineswegs überzeugend attackiert; wenn ein so harmloser Anlaß dafür ausreiche, brauche die Christenheit vom Konzil nichts Positives mehr zu erwarten160. Die Notwendigkeit der Reformierung des geistlichen Standes, auf die der Kaiser dränge, sei zumindest für Deutschland längst be- kannt, und soweit die Reform der Kurie berührt werde, sei das keine Kritik am amtierenden Papst, ihre Erwähnung könne nicht als Grund dafür anerkannt werden, das Libell nicht vorzulegen. Der vorgeschobenen Sorge der Legaten um das Prestige des Kaisers wird entgegnet, dieser trachte mit dem Libell nicht nach weltlichem Ruhm, wenn einzelne Artikel nicht gut wären, könne man auf sie verzichten. Da man sich am Kaiserhof aber der Erkenntnis nicht verschloß, die Vorlage des gesamten Libells nicht erzwingen zu können – dazu dürfte Brus’ Bericht wesentlich beigetragen haben –, wird den Legaten zugestanden, daraus auszuwählen, und an sie appelliert, den Vätern jeweils diejenigen Artikel zur Mitberatung vorzulegen, die zu den gerade behandelten Themen gehörten. Das Libell wurde in diesem Schreiben keineswegs zurückgezogen – auch wenn Delfino, die Legaten und die Kurie die kaiserliche Antwort so interpre- tiert haben161. Es handelte sich vielmehr um eine Klarstellung, daß der Kaiser seine Vorlage nicht als in sich geschlossenes Reformkonzept, gleichsam als „Pa- ket“, betrachtete und nicht auf der Behandlung sämtlicher Punkte bestehen 157 Ebda, S. 692ff, bes. S. 696ff 158 Druck bei Le Plat V, S. 351ff (s. Anm. 149) 159 Die erwähnten Passagen wirken nun teilweise ironisch, was von Seld wohl auch beabsichtigt war. 160 Wie aus einem Bericht Bochetels v. 2.7.1562 hervorgeht (Meyenhofer, S. 321), war Ferdinand empört darüber, ihm auf diese Weise den „Schwarzen Peter“ für eine Auflösung des Konzils zu- zustecken, zumal römische Tendenzen bekannt waren, die Synode rasch zu beenden. 161 Die Meldung des venezianischen Gesandten v. 29.6.1562, der Kaiser habe zugesagt, nicht mehr über das Libell zu sprechen (VD 3, S. 211), beruht offensichtlich auf einseitigen Angaben Del- finos; deren Unglaubwürdigkeit hat Steinherz überzeugend dargetan (NB II 3, S. 80). Fehl geht das Urteil von Chudoba, Spain, S. 119: „A démarche of ... Delfino sufficed to persuade the Em- peror to withdraw the memorandum“. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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