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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 441 -
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Das kaiserliche „Reform-Libell“ – eine erfolglose Initiative 441 handlung von Dogmen und Reformen179, bekräftigte also den Beschluß von 1546. Von den mancherlei Gründen, die an der Kurie das baldige Ende des Konzils wünschenswert erscheinen ließen, sei hier nur die Sorge erwähnt, daß die kriti- schen und reformfreudigen „Ultramontanen“ demnächst Verstärkung erhalten sollten durch die französischen – „gallikanisch“ geprägten – Bischöfe. Denn die seit dem Frühjahr in Frankreich ausgebrochenen Kämpfe zwischen Hugenotten und militanten Katholiken flauten ab, ein Friedensschluß schien Ende Juni in greifbarer Nähe180. Nachdem die Verhandlungen wieder gescheitert waren, rechnete Pius IV. mit dem Ausbruch europaweiter Religionskämpfe und leitete daraus die Notwendigkeit ab, das Konzil schnellstens zu beenden181. Ferdinand dagegen bewertete den Zusammenbruch des französischen Waffenstillstandes nicht als triftigen Grund für die Auflösung182. Die Mitte August in Rom, Trient und Wien bekannte verbindliche Ankündigung, daß 40 bis 60 französische Prälaten, an ihrer Spitze der Kardinal von Lothringen, spätestens Ende Oktober in Trient eintreffen würden183, bedeutete de facto das Ende für die Absicht der vorzeitigen Schließung, auch wenn man in Rom sich das nicht sogleich einge- stehen mochte. – Wie erwähnt hatten die Legaten am Tage der Übergabe des kaiserlichen Re- formlibells die Beratungen über die Eucharistie eingeleitet. Die von den Kon- zilstheologen in ermüdender Weitläufigkeit geführte Debatte lief auf eine Ver- urteilung der evangelischen Lehre hinaus, nur das Abendmahl unter beiden Gestalten entspreche dem Willen Christi, wie ihn die Einsetzungsworte doku- mentieren, sowie auf die Bekräftigung, die Erteilung unter einer Gestalt sei vollwertig184. Am Kaiserhof hielt man die ganze theologische Diskussion für überflüssig185. Um über die dogmatische Engführung hinauszukommen und die Konzilsväter auf die kritische Lage im Herrschaftsgebiet Ferdinands aufmerk- sam zu machen, reichten seine Oratoren eine Denkschrift ein, in der sie die pragmatischen, vor allem aus den böhmischen Erfahrungen erwachsenen Ar- gumente für die Gewährung vortrugen186. Die Legaten ließen die Eingabe vor den Konzilsvätern verlesen; sie gewann an Gewicht, weil danach sowohl ein bayerischer Abgesandter im Namen Herzog Albrechts als auch die französi- schen Gesandten ebenfalls Anträge auf Gewährung des Laienkelches stellten187. Der weitere Verlauf der Aussprache deutete indessen auf ein ungünstiges Vo- tum der Mehrheit188. Darum wurde die Frage, unter welchen Bedingungen 179 Ebda: Bericht Arcos v. 1.8.1562 180 Meyenhofer, S. 183f; Jedin, Konzil 4/1, S. 175f 181 Sickel, Röm. Berichte 2, S. 125: Pius IV. an Mantua, 15.8.1562 182 HHStA Wien, RK RelA 8 Konv. Juli, fol 66r-68v: F. an Oratoren, 26.7.1562 (hier fol 68v) 183 Šusta 2, S. 326 (Rom) und S. 330 (Trient); Ferrière 1, S. 382f: Katharina an Bochetel, 17.8.1562 (Wien) 184 Zu Verlauf und Argumentation Jedin, Konzil 4/1, S. 160ff; Lecler, S. 321ff 185 So Seld zu Herzog Albrecht (BHStA München, KÄA 4307, fol 460v: Brief v. 9.7.1562). 186 CT 8, S. 627ff: Eingabe der kaiserlichen Oratoren v. 27.6.1562; vgl. Constant, Concession 1, S. 246ff 187 Constant, Concession 1, S. 243f u. S. 248 f; Jedin, Konzil 4/1, S. 165ff 188 Sickel, Konzil, S. 347ff: Oratoren an F., 7.7.1562 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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