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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 443 -
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Das kaiserliche „Reform-Libell“ – eine erfolglose Initiative 443 riskant, denn die zu treffenden Festlegungen müßten die Abgewichenen ab- schrecken. Die Kirchenreform, wie sie im Libell angepackt sei, müsse vorgezo- gen werden und, solange sie behandelt werde und noch auf protestantische Teilnehmer zu hoffen sei – es wurde so getan, als ob noch ernsthafte Chancen bestünden –, seien dogmatische Fragen zu vertagen: „Nam videtur nobis tracta- tionem hanc dogmatum negocio Reformationis non solum non esse preponen- da, verum etiam (si dicere fas est) absque omni incommodo vel periculo tantis- per differri posse, donec Reformationis negocium ad amussim absolvatur“196. Die Botschafter Spaniens und Frankreichs erhielten Abschriften, ebenso Arco, um den Papst zu informieren. Ferdinand wollte seinem Appell dadurch politi- schen Nachdruck verleihen. Seine Oratoren in Trient wurden außerdem ange- wiesen, mit den französischen Gesandten zusammenzuarbeiten und zu versu- chen, die spanischen Bischöfe für die kaiserlichen Reformanliegen zu gewin- nen197. Parallel dazu benutzte Ferdinand im Gespräch mit Delfino sein für Oktober angesetztes Treffen mit den Kurfürsten in Frankfurt als zusätzliches Argu- ment198: Bis dahin müsse – obwohl er dem Konzil keine Vorschriften machen wolle – die Beschlußfassung über die Dekrete zur Messe verschoben werden, denn eine Teilnahme von Protestanten am Konzil dürfe noch nicht ausgeschlos- sen werden199. Der Kaiser sollte alsbald erfahren, daß diese Karte nicht mehr stach. Gerade jetzt erwies es sich als nachteilig, daß Ferdinand keinen politisch ver- sierten Vertreter nach Trient abgeordnet hatte; seine Oratoren dort verloren den Überblick, welche Prioritäten der Kaiser setzen wollte200. Mit Rücksicht auf die angestrebte Konzession des Laienkelches zögerten sie fast drei Wochen lang mit der Übergabe des neuen Briefes an die Legaten201. Ferdinand war der diplomatische Lapsus, daß die Adressaten als letzte seine Antwort in die Hand bekamen, sehr peinlich; die Begründung seiner Gesandten erkannte er nicht an und tadelte sie scharf202. Die Fehlleistung war jedoch nicht mehr zu reparieren; als den Legaten das kaiserliche Schreiben endlich am 11. September überreicht wurde203, lehnten sie es ab, die Verkündung des Meßopferdekrets zu verta- gen204. 196 So in der nicht ausgefertigten Reinschrift für die Oratoren v. 9.8.1562 in HHStA Wien, ebda, fol 24r-27r, das Zitat fol 24r = Le Plat 5, S. 452). 197 NB II 3, S. 109; Sickel,Konzil, S. 368 198 NB II 3, S. 104f: Delfino an Legaten, 10.8.1562 199 Delfino interpretierte diese Fristsetzung, der Kaiser fürchte, die evangelischen Kurfürsten wür- den sonst Maximilian ihre Stimme versagen, und machte damit bei den Legaten großen Eindruck (NB II 3, S. 112f; Šusta 2, S. 337). Da er aber nicht behauptet hat, Ferdinand habe das gesagt, und dieser die Bereiche Wahl und Konzil stets säuberlich getrennt hielt, bezweifle ich, daß der Kaiser mit dieser Sorge argumentiert hat (gegen Constant, Concession 1, S. 262, der das als Faktum dar- stellt). 200 Das belegen ihre Rückfragen vom 1.9.1562 (HHStA Wien, RK RelA 8 Konv. Sept, fol 1r-2v). 201 In der nicht ausgefertigten Weisung hatte gestanden, „volumus, ut adhuc manibus pedibusque elaboretis“, daß die Reformen den Dogmen vorgezogen würden (wie Anm. 196, fol 26v). 202 HHStA Wien, RK RelA 8 Konv. Sept., fol 3r-4v: F. an Oratoren, 4.9.1562; vgl. NB II 3, S. 130 203 Über den Inhalt waren sie bereits aus Rom informiert (Šusta 2, S. 329). 204 NB II 3, S. 123: Legaten an F., 22.9.1562 (Auszug) CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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