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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums444
Der nunmehr unternommene Versuch der kaiserlichen Oratoren, alle beim
Konzil akkreditierten Gesandten der weltlichen Mächte zu einer gemeinsamen
Intervention beim Konzilspräsidium zu vereinen, daß für die folgende Session
nur über die Kirchenreform beraten und alle dogmatischen Fragen vertagt wer-
den sollten, mißglückte, denn nur die Franzosen stimmten dem Vorschlag zu205.
Die Legaten aber bestanden darauf, weiterhin parallel über Dogmen und Re-
formen zu beraten, wobei ersteres jeweils Vorrang haben müsse, weil bei den
Reformen die dogmatischen Entscheidungen berücksichtigt werden müßten.
Mit seinem Beharren, das Libell des Kaisers als Grundlage der Reformüberle-
gungen zu wählen, weil es alle dringlichen Reformen aufliste, sowie der These,
eigentlich müsse nach Nationen statt nach Köpfen abgestimmt werden, schoß
der Bischof von Fünfkirchen über das Ziel hinaus, denn er provozierte dadurch
Ausführungen der Legaten über „Mängel“ des kaiserlichen Libells, von denen
einige für den Ruf des Kaisers abträglich seien206. Ferdinand bedauerte den
Fehlschlag und ordnete vorsichtigeres Taktieren bis zur Ankunft der französi-
schen Prälaten an, damit die Kurie keinen Vorwand erhalte, das Konzil aufzulö-
sen207. –
Zuvor war schon ein anderes Teilziel verfehlt worden. Die im Juli in Trient
gefundene Notlösung, die Erörterung über die Bedingungen für die Gewährung
des Laienkelches zunächst zu vertagen, hatte nicht Ferdinands Beifall gefunden.
Vielmehr drängte er wegen der schlimmen kirchlichen Zustände in allen seinen
Erblanden auf eine baldige Entscheidung und beauftragte seine Oratoren, den
die Konzession ablehnenden spanischen Bischöfen vorzuhalten, wenn bei ihnen
die Verhältnisse noch gesund seien, sollten sie doch anderen Regionen die be-
nötigten Heilmittel nicht verwehren208. Zugleich machte er deutlich, daß er eine
Entscheidung durch das Konzil wünschte und nicht eine Anheimstellung an
den Papst. Der letztere Weg wurde angesichts der wenig günstigen Stimmung
bei der Konzilsmehrheit von Delfino propagiert, von den Legaten erwogen209,
und Pius IV., dessen positive Einstellung dem Kaiserhof länger bekannt war,
gab Arco mehrmals zu verstehen, er werde einen entsprechenden Antrag des
Kaisers wohlwollend prüfen210. Aber Ferdinand sah in dem Gedanken, den
Papst um eine Verlautbarung zu einem schon zur Beratung gestellten Problem
zu bitten, einen gefährlichen Präzedenzfall zur Beeinträchtigung der Libertät
des Konzils. Darum argumentierte er – und ebenso Draskovich in Trient, da ein
205 Sickel, Konzil, S. 383: Oratoren an F., 18.9.1562; vgl. Jedin, Konzil 4/1, S. 203f; Kassowitz, S.
125f
206 HHStA Wien, RK RelA 8, Konv. Sept., fol 49r-50r: Nachschrift der Oratoren zu ihrem Bericht
v. 22.9.1562 (der Hauptbericht gedruckt bei Sickel, Konzil, S. 385ff); Šusta 3, S. 2f: Legaten an
Borromeo, 21.9.1562; vgl. NB II 3, S. 130f; Helle, S. 39
207 Sickel, Konzil, S. 374 u. S. 387f: Weisungen v. 20. und 30.9.1562. Indizien dafür glaubten damals
auch Katharina von Medici und Arco zu erkennen (Ferrière 1, S. 392f; Sickel, Konzil, S. 377).
208 Sickel, Konzil, S. 358f: F. an Oratoren, 16.7.1562
209 Zu Delfino: NB II 3, S. 114 u. S. 91; Constant, Concession 1, S. 256f; Legaten: ebda, S. 317ff,
Jedin, Konzil 4/1, S. 193
210 Sickel, Konzil, S. 339f u. S. 367f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien