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Das kaiserliche „Reform-Libell“ – eine erfolglose Initiative 445
Konzil seinerzeit den Laienkelch verboten habe, müsse auch die Aufhebung des
Verbots durch eine Synode erfolgen211.
In den daraufhin mit den Legaten geführten Verhandlungen212 setzte Dras-
kovich als zusätzliches Argument ein, soeben hätten die österreichischen Stände
die Bewilligung von Geldern für die Türkenwabwehr von der Gewährung jener
Konzession abhängig gemacht213. Der zurückgekehrte Brus beeindruckte die
Legaten während eines Frühstücks zu ihren Ehren mit der Schilderung, wäh-
rend der letzten pestartigen Seuche in Wien hätte allenfalls einer von hundert
Sterbenden die Kommunion nach katholischem Ritus begehrt214. Und regelmä-
ßig verwiesen die Oratoren auf die im Reformlibell vorgetragenen Gründe. Sie
erreichten die Zusage, daß das Thema nach Erledigung der Kanones über das
Meßopfer zur Debatte gestellt werden sollte215, und verständigten sich mit den
Legaten über den Text der Vorlage, in der gefragt wurde, unter welchen Kon-
ditionen der Laienkelch im Reich und in „ganz Deutschland“, Ungarn, Böhmen
und den Erblanden des Kaisers gewährt werden könne216. Von anderen euro-
päischen Ländern war nicht die Rede217. Die zwischendurch erörterte Anre-
gung, den Antrag nur für Böhmen zu stellen, weil es dagegen weniger Wider-
stand geben werde, wurde nicht befolgt, angesichts der bisherigen Argumenta-
tion des Kaisers wäre das auch inkonsequent gewesen.
Die Vorlage wurde am 22. August vom Konzilspräsidenten mit Hinweisen
auf die Verdienste Ferdinands für die Kirche eingebracht218, und in der nächsten
Sitzung erhielt der Bischof von Fünfkirchen als Orator Ferdinands das Wort,
um sie zu begründen – Brus war wieder nach Prag gereist, um dort die Krönung
Maximilians zum böhmischen König vorzunehmen. In seiner Rede appellierte
Draskovich mit Bibelversen, welche die göttliche Milde mit Schwachen bein-
halten, an die pastorale Gesinnung der Konzilsväter, trug neben den im Libell
niedergelegten theologischen und kirchenrechtlichen Argumenten etliche poli-
tisch-pragmatische vor und erklärte, der Papst wünsche die Genehmigung, habe
aber die Entscheidung dem Konzil übertragen, weil seine Kompetenz dazu von
den Gegnern der Kirche bestritten werde219. Die von den spanischen Bischöfen
angeführte Mehrheit der Gegner ließ sich indessen nicht überzeugen. Obwohl
Draskovich in seinem Votum als stimmberechtigter Bischof und ebenso der
zweite anwesende Bischof aus Ungarn, Dudith (von Knin, später von Czanad)
ihr Bestes gaben, um die Väter für die Bewilligung zu gewinnen und die vorge-
211 Constant, Concession 1, S. 320; Draskovich benutzte das Argument auch in seiner Rede vor
dem Konzil am 25.8.1562 (CT 8, S. 788). Zum Verbot des Laienkelchs durch das Konstanzer
Konzil vgl. Brandmüller 1, S. 369f.
212 Die Entwicklung bis zum 17. September ist in allen Einzelheiten nachgezeichnet bei Constant,
Concession 1, S. 257ff. Ich beschränke mich auf wenige Linien.
213 Šusta 2, S. 293: Legaten an Borromeo, 6.8.1562; zur Sache NB II 3, S. 98
214 Brus’ Bericht bei Constant, Concession 2, S. 801f
215 HHStA Wien, RK RelA 8 Konv. August, fol 48r: Oratoren an F., 18.8.1562
216 Wortlaut bei Wiedemann 1, S. 235f; vgl. Jedin 4/1, S. 193 mit Anm. 27 (auf S. 341)
217 Zur Nichterwähnung Frankreichs vgl. Kuny, S. 27
218 CT 8, S. 774
219 CT 8, S. 788ff; Jedin, Konzil 4/1, S. 194. Am 9.9.1562 meldete Arco, Pius IV. habe die Hoffnung
geäußert, daß des Kaisers Anliegen erfüllt werde (Sickel, Konzil, S. 375).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien