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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 447 -
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Das kaiserliche „Reform-Libell“ – eine erfolglose Initiative 447 gesehen noch etwas über den Inhalt gewußt228. Es war ein Symptom für das ungenügende Verständnis der Legaten für die Absichten Ferdinands. Die Vor- lage löste nicht nur wochenlange Debatten aus, sondern führte direkt in die große Krise des Konzils. Während sich diese Ereignisse in Trient anbahnten, dachte man in Rom wei- ter darüber nach, wie man das Konzil schnell zu Ende bringen könne. Jedoch hatte der neue Auftrag Borromeos an Delfino, die Ansicht des Kaisers zu er- kunden – wieder damit begründet, die Ankunft der Franzosen werde den Geist der Versammlung verändern –, angesichts des enger gewordenen Zusammen- spiels der kaiserlichen und der französischen Konzilspolitik keine Chance auf ein positives Echo, obwohl diesmal sogar zwei Gegenleistungen angedeutet wurden: Der Papst werde die Anliegen des Kaisers besser befriedigen als die Synode und ihm auch bei der Konfirmation Maximilians entgegenkommen229. In Frankfurt wurde auf recht gewundenem Pfad ein neuer Versuch unternom- men, Ferdinand für die Schließung des Konzils zu gewinnen, für den sich der Kurfürst von Brandenburg hergab. Während eines Frühstücks beim Kaiser machte Joachim einen Vorschlag230, der große Ähnlichkeit mit dem Sommeran- gebot des Papstes hatte, ein Religionsgespräch anstelle des Konzils abzuhalten: Der Kaiser solle zunächst beim Papst das Ende des Konzils beantragen und ihn auffordern, stattdessen „alle christlichen Könige und Nationen“ einzuladen, zu einem Termin kurz nach Ostern des nächsten Jahres je vier schriftkundige und ausgleichswillige Personen nach Augsburg zu schicken, um sich dort „christlich und friedlich“ über die strittigen Artikel der Religion auszutauschen. Aus dem Reich sollten alle Kurfürsten und fünfzehn namentlich aufgezählte Fürsten231 mit je zwei Theologen eingeladen werden. Den Vorsitz sollte König Maximilian übernehmen, Ferdinand wurde gebeten, sich „zur stelle oder etwa in der nahe“ aufzuhalten, um mit Rat helfen zu können, der Papst möge ebenfalls in die Nä- he kommen, etwa nach Trient, um dort das Ergebnis abzuwarten. Wenige Tage vor dem Wahlakt konnte Ferdinand natürlich nicht anders, als eine Prüfung des erkennbar unausgegorenen Projektes zuzusagen, obwohl er und Seld durchschauten, daß Delfino die Finger im Spiel hatte, der dem Kaiser kurz vorher erzählt hatte, der Kurfürst habe ihm einige nicht ganz abwegige Gedanken vorgetragen232. Völlig zu Recht wies Seld in seinem die Schwächen des Vorschlags schonungslos kennzeichnenden Gutachten darauf hin, die aus- wärtigen Könige würden sich nicht darauf einlassen, gegenüber so vielen deut- schen Teilnehmern auf nur vier Vertreter beschränkt zu werden; außerdem sei nichts über die Modalitäten der Entscheidungsfindung gesagt, mithin fehle der Veranstaltung jede Verbindlichkeit, endlich gebühre das Präsidium, wenn eine 228 Jedin, Konzil 4/1, S. 222 mit Anm. 16 (auf S. 349); Ferdinands Dementi vom 25.11.1562 bei Sickel, Konzil, S. 401 229 NB II 3, S. 120f: Chiffrierter Teil der Weisung v. 19.9.1562 230 Im Auszug gedruckt bei Sickel, Konzil, S. 398ff, nach HHStA Wien, RK RelA 8; vgl. Jedin, Konzil 4/1, S. 236. 231 Sieben geistliche Fürsten, darunter die nicht mehr als katholisch anzusehenden Erzbischöfe von Magdeburg und Bremen, und acht weltliche, davon fünf entschiedene Lutheraner. 232 Das ergibt sich aus dem Gutachten Selds v. 10.11.1562 (NB II 3, S. 139ff) CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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