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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 452 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums452 zuerkennen wollten und offen die gallikanische These vertraten, das Konzil stehe über dem Papst259. Brus bemühte sich in diesem Konflikt um Vermitt- lung, sein eleganter Ausweg, die Debatte abzubrechen „ut ad reformationem progressus fieri posset“, wurde aber nicht beschritten, so daß Ferdinands Ver- treter Zweifel bekamen, ob die Legaten zu effizienter Leitung des Konzils in der Lage seien, da sie aufgrund ihrer Abhängigkeit von Weisungen aus Rom wohlgemeinte Ratschläge nicht befolgten und Zusagen nicht einhielten260. Aus Rom berichtete Arco, der Papst wolle wegen der unüberbrückbaren Gegensätze in den Reformfragen einen Legaten nach Innsbruck schicken, der mit dem Kai- ser Einvernehmen über eine Suspension des Konzils herbeiführen solle261. In Trient kursierte schon Ende des Jahres 1562 das Gerücht, der Kaiser habe sich jenem Gedanken genähert; das war zwar unzutreffend, gehörte aber zu den Symptomen der Krise262. Im Gegenteil, zwischen Ferdinand und Philipp II. bestand Einvernehmen, sich einer Suspension zu widersetzen263. Ferdinand verboten sein Verständnis der Aufgaben eines christlichen Kaisers sowie seine Einschätzung des Konzils als einer autonomen kirchenrechtlichen Institution, der Versammlung wegen ihres Versagens bei den Reformen die Unterstützung zu entziehen oder beim Papst die baldige Schließung zu betreiben. Ihm war bewußt, daß er damit zugleich die Superiorität des Papstes über das Konzil anerkannt hätte. Pius IV. kam selbst zu der Einsicht, das Konzil einstweilen noch weitergehen zu lassen264. – Kaum war Ferdinand Ende Januar in Innsbruck eingetroffen, als sich der Bi- schof von Fünfkirchen dort einfand, um den Kaiser umfassend über den Stand der Dinge beim Konzil zu informieren. Auf Wunsch des Kaisers legte Drasko- vich seine Einschätzung auch schriftlich nieder und beendete sie mit einem Appell an Ferdinand, sich persönlich nach Trient zu begeben265. Eine Folge seiner Berichterstattung war die Berufung einer kleinen Kommission von Theologen, die eine Reihe von aktuellen konzilspolitischen Fragen begutachten sollte. Dadurch sollte das Fundament für das weitere Vorgehen des Kaisers geschaffen oder, wie Brus und Thun es formulierten, die Heilmittel für das wankende Konzil sollten erwogen werden266. 259 Ebda, S. 247 u. 250; NB II 3, S. 195 260 Besonders deutlich in ihrem Bericht v. 1.2.1563 (HHStA Wien, ebda, Konv. Februar, fol 2r-6r, das Zitat fol 3v; gedruckt bei Bucholtz 9, S. 681ff, Zitat S. 683). Zu früheren Klagen Sickel, Kon- zil, S. 404: Bericht v. 24.11.1562 261 Arco an F., 3.2.1563 (Auszug bei Sickel, Konzil, S. 433 und – mit einer Korrektur – bei Kasso- witz, S. XXXII); am 15.2. erwähnte Maximilian im Gespräch mit dem Gesandten Venedigs diese Meldung (VD 3, S. 219). 262 Mitteilung der Konzilsoratoren v. 22.12.1562 und Dementi Ferdinands v. 31.12.1562 bei Sickel, Konzil, S. 410 bzw S. 417 263 HHStA Wien, Spanien, Dipl. Korr. 6, fol 250r-253v: Gúzman an F., 24.11.1562 (fol 252v); vgl. Sickel, Konzil, S. 411 264 NB II 3, S. 163 u. S. 165 265 Sickel, Konzil, S. 427ff 266 „rebus remedii inclinatis Concilii adhiberi“ (HHStA Wien, RK Rel-A 9, Konv. Januar, fol 449r/v: Brus und Thun an F., 26.1.1563). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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