Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 453 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 453 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Bild der Seite - 453 -

Bild der Seite - 453 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text der Seite - 453 -

Der Kaiser in Innsbruck: Priorität für die Konzilspolitik 453 Die Zusammensetzung läßt das Interesse des Kaisers und seiner politischen Berater erkennen, ein breites Meinungsspektrum zu erhalten, bevor sie ihre Entscheidungen trafen. Berufen wurden neben dem Bischof von Fünfkirchen der spanische Franziskaner Franz von Cordoba, Staphylus, der aber nicht schnell genug anreiste267, Canisius und Daniele Barboli, der theologische Bera- ter des Nuntius Delfino268. Aus der Einbeziehung des zuletzt Genannten, die Delfino betrieben hatte, läßt sich ableiten, daß man keineswegs verheimlichen wollte, zu welchen Aspekten der Kirchenreform der Kaiser erneut Überlegun- gen anstellen ließ269; es kam Ferdinand nicht darauf an, Rom oder Trient mit Anträgen zu überraschen. Denkbar ist auch das Kalkül, es könnte von Vorteil sein, wenn durch Barbolis Antworten mögliche kuriale Gegenpositionen in die Abwägung eingebracht würden. Bei Fragen, in denen er und Canisius mit den anderen übereinstimmten, brauchte man überhaupt keine Bedenken zu haben. Mit welchem Mißtrauen man diese Theologenkommission in Rom betrachtete, belegt die Weisung an Delfino, die Mitglieder durch Geschenke zu papst- freundlichen Voten zu veranlassen270. Selbstverständlich lag es Ferdinand völlig fern, mit dieser Kommission ein „Nebenkonzil“ zu installieren271. Die Kommission hatte weder über dogmati- sche Fragen noch über Reforminhalte zu gutachten. Vielmehr wurden durch den Katalog von 17 Fragen, den Seld nach Auswertung des schriftlichen Be- richts von Draskovich unter Berücksichtigung der bisher gemachten Erfahrun- gen zusammengestellt hatte, mehrere Aspekte der kaiserlichen Konzilspolitik einer Überprüfung unterzogen272; sie lassen sich in fünf Gruppen ordnen. Nach einer Woche Bedenkzeit lagen die Stellungnahmen am 22. Februar vor273. Daß die Mitglieder der Kommission miteinander debattiert hätten, ist nicht ersicht- lich274. 267 Er wurde am 15.2.1563 ein zweites Mal aufgefordert, nach Innsbruck zu kommen (NB II 3, S. 190). 268 Der Dominikaner Barboli besaß die Achtung Maximilians und Ferdinands, die ihn im Vorjahr für das Amt des Bischofs von Pedena präsentiert hatten (NB II 3, S. 190f). 269 Die Behauptung Delfinos, Canisius und Barboli hätten ihm die streng geheimen Fragen wegen ihrer Gehorsamspflicht gegenüber dem Heiligen Stuhl mitgeteilt (NB II 3, S. 209: Bericht v. 20.2.1563), verdient keinen Glauben. 270 NB II 3, S. 221: Weisung v. 28.2.1563 271 Diese verfehlte, von Pastor, Päpste 7, S. 237, geprägte Formel ist von mehreren Autoren kritiklos übernommen worden (Seppelt 5, S. 103; Hassinger, S. 266; Wojtyska, Hosius, S. 177). 272 Konzept Selds (v. 15.2.1563) mit dem Kanzleibefehl, unverzüglich vier Exemplare herzustellen, in HHStA Wien, RK RelA 9, Konv. Februar, fol 93r-94v. Zwei zunächst vorgesehene Punkte politischen Charakters hat Seld wieder gestrichen: Wie man den Präzedenzstreit zwischen Spa- nien und Frankreich schlichten könne? Ob man Philipp II. drängen solle, einen Geistlichen zu seinem Orator beim Konzil zu ernennen? (Beide Fragen hatte Draskovich aufgeworfen). Die 17 Fragen gedruckt bei Sickel, Konzil, S. 431f, einzeln referiert bei Kassowitz, S. 164ff. 273 Das Votum Draskovichs gedruckt bei Sickel, Konzil, S. 442ff, das von Canisius bei Braunsberger 5, S. 75ff (Inhaltsreferat bei Brodrick 2, S. 162ff, vgl. ferner Schatz, S. 76f); die Voten von Barboli und Cordoba in HHStA Wien, RK RelA 9 Konv. Februar, fol 120r-122v bzw fol 125r-129v; zu letzterem Ganzer, Reformer, S. 323ff. 274 Für tägliche Beratungen „in Gegenwart Ferdinands, Selds und anderer hervorragender Persön- lichkeiten“ (so Brodrick 2, S. 160) gibt es keine Indizien. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
zurück zum  Buch Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser