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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 454 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums454 Die erste Frage, ob der Kaiser auf Fortsetzung oder Schließung bzw. Sus- pendierung des Konzils hinarbeiten solle, war durch die jüngste Entwicklung naheliegend. Indessen waren die Voten hierzu einhellig: Alle Gutachter plä- dierten für die Fortsetzung275. Zu erörtern war zweitens die Gewährleistung der „Freiheit“ des Konzils, womit zum einen die Unabhängigkeit der Konzils- leitung von Weisungen aus Rom gemeint war, zum anderen das Antragsrecht der weltlichen Mächte. Die Voten fielen auseinander, Canisius und Barboli hielten die gegenwärtige Praxis für angemessen, Draskovich und Franz von Cordoba, der schon im Mai des Vorjahres gegenüber Philipp II. die Unfreiheit des Konzils beklagt hatte276, plädierten für Änderungen und hielten deutliche Warnungen an die Adresse des Papstes für angebracht, wenn nichts geschehen sollte277. Drittens sollte differenziert behandelt werden, ob weiter auf Priorität für die Reform zu drängen sei – das wurde bejaht –, welche Artikel am wichtig- sten seien und ob auf alle Punkte verzichtet werden solle, welche den Papst und die Kurie betrafen. Zwar hatte Pius IV. schon etliche Reformen von sich aus verfügt und im Januar mehrmals erkärt, er wolle noch strengere vornehmen278; dennoch zweifelten Ferdinand und andere wegen der Diskrepanz zwischen den Reden des Papstes und dem Widerstand der Legaten gegen die Reformvorlagen der weltlichen Mächte an der Ernsthaftigkeit des päpstlichen Reformwillens279. Zudem hatte Pius trotz deutlichen Einspruchs von Arco Anfang Januar zwei italienische Prinzen zu Kardinälen promoviert, von denen der eine noch min- derjährig war, und durch seine Behauptung, der Kaiser habe diese Ernennung gewünscht, war der Affront noch ärger geworden280. Ferdinand gab seine Ver- stimmung sehr deutlich zu erkennen281, und seine Forderungen nach Reduzie- rung der Zahl der Kardinäle und Einhaltung der kanonischen Kriterien waren danach nur allzu verständlich. Dennoch riet die Mehrheit der Gutachter (außer Cordoba), die Kurienreform lieber mit dem Papst direkt zu besprechen. Vier- tens sollten die erwogenen Konzessionen nochmals unter mehreren Aspekten – z.B. mögliche Folgen der unterschiedlichen Handhabung in verschiedenen Ländern, Regelung in der alten Kirche – begutachtet werden; indessen war die- ser Themenbereich, zu dem die Voten uneinheitlich ausfielen, in den nächsten Wochen von geringerer Bedeutung. Fünftens waren einige Vorschläge zur He- 275 Das ergibt sich aus der von Seld angefertigten Übersicht, in der er die Tendenzen der Antworten auf die 17 Fragen notiert hat – zweifellos zum Vortrag im Geheimen Rat (HHStA Wien, RK RelA 9, fol 97a und b; früher RelA 6, Konv. Okt.-Dez. 1561, fol 95–96). 276 Cordoba argumentierte, deswegen kämen die Häretiker nicht dorthin, und bat den König, sich vordringlich für Reformen einzusetzen (Döllinger 1, S. 426f: Brief v. 22.5.1562). 277 Nachdem Kardinal Guise in Trient mit einer Sonderversammlung der französischen Bischöfe unter Beteiligung der Engländer und Deutschen gedroht hatte, ließ Ferdinand seine Oratoren wissen, wenn der Verwirrung in der Religion nicht anders abzuhelfen sei, könne er sich für Deutschland zu einem ähnlichen Schritt genötigt sehen; sie sollten diese Perspektive aber noch geheim halten (M.I.Schmidt 3, S. 273f; Bucholtz 8, S. 518f; der lat. Text z.T. bei Sickel, Konzil, S. 424f). 278 Meldungen Arcos v. 13., 23. und 30.1. 1563 über Pius’ Reden notiert bei Kassowitz, S. XXXI; zu den Reformen vgl. Pastor, Päpste 7, S. 333ff 279 Vgl. die Äußerung des Kardinals Guise über Ferdinands Ansicht bei Constant, Légation, S. XLI 280 Zur Sache NB II 3, S. 178f, Šusta 3, S. 158f 281 NB II 3, S. 179 Anm 2 u. S. 212 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
MĂĽnster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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