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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 456 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums456 fassung seiner Eindrücke unter Auswertung etlicher früherer schriftlicher Äu- ßerungen Ferdinands zu dem Ergebnis, man dürfe die ehrerbietigen Formulie- rungen des Kaisers keineswegs überbewerten. Die Ansicht, für den Kaiser und Seld stehe der Papst über dem Konzil, sei nicht zutreffend, vielmehr müsse man mit der festen Überzeugung Ferdinands und seiner einflußreichen Ratgeber Seld und Trautson rechnen, der Zustand der Christenheit verlange nach Refor- men durch ein universales Konzil, von dem sie entsprechende Dekrete erwar- teten; für die Aufhebung oder Suspendierung wären sie nicht zu haben287. Zweifellos hatte Commendone das richtige Gespür288. Nur wenige Tage später beklagte Ferdinand gegenüber Canisius und dem Bischof von Pedena, also indi- rekt an die Adresse der Kurie gerichtet, den mangelhaften Reformeifer Roms: Lieber würden dort Dispense erteilt, und die Christenheit bliebe ohne die er- forderliche Medizin289. Die Gespräche, die Ferdinand mit dem nächsten geistlichen Besucher, dem Kardinal von Lothringen, führte, bestärkten ihn darin, am Konzil festzuhalten. Offiziell sollte der Besuch des französischen Prälaten zwar anderen politischen Themen dienen290, aber natürlich waren sowohl Ferdinand als auch Guise daran interessiert, die Meinung des anderen zu den aktuellen konzilspolitischen Pro- blemen zu erkunden. Der Kardinal fand sich bereit, seine Ansichten in zwei Memoranden schriftlich niederzulegen. In dem einen skizzierte er die religiöse Situation in Frankreich und die Konsequenzen, welche die politische Führung daraus in der letzten Zeit gezogen hatte291. In dem zweiten Exposé nahm er zur Situation in Trient Stellung292. Auch er sah die Freiheit des Konzils durch Rom beeinträchtigt, beklagte das Übergewicht der Italiener, kritisierte das alleinige Propositionsrecht der Legaten und zweifelte die Zuverlässigkeit des Protokoll- führers an. Als „Heilmittel“ empfahl er, sämtliche französischen, spanischen und deutschen Bischöfe und „abbates mitrati“ zum Konzil zu schicken, um das Übergewicht der Italiener zu brechen, außerdem das Antragsrecht der weltli- chen Mächte beim Konzil. Ausdrücklich begrüßte er es, wenn der Kaiser die Mühe auf sich nehmen wolle, sich persönlich nach Trient zu begeben, und den Papst auffordern würde, das Gleiche zu tun; Papst Pius werde eine fromme und berechtigte Mahnung des Kaisers sicher nicht zurückweisen, und damit wäre dann das Problem der vorzeitigen Aufhebung des Konzils gegenstandslos. Zur Priorität der Reformen enthielt das Memorandum keine Aussagen, aber Guise vertrat offen die Meinung, nur vom Konzil ausgehende Reformen würden in Frankreich akzeptiert werden293. Gleichwohl empfahl der Geheime Rat dem 287 NB II 3, S. 198ff 288 Vgl. auch die damals vom venezianischen Botschafter Micheli berichtete Äußerung Maximilians: „non volendo il Papa nè gl’altri suoi esser riformati, l’Imperator non mancarà di proceder à cosa che sìa di mala satisfattione del Papa“ (VD 3, S. 219f). 289 NB II 3, S. 210: Bericht Delfinos v. 20.2.1563 290 Vgl. dazu Jedin, Wendepunkt, S. 71 291 HHStA Wien, RK RelA 9 Konv. Februar, fol 144r-145r: Promemoria de statu religionis in Gallia 292 Gedruckt bei Sickel, Konzil, S. 434f; dessen Zuweisung wird durch die zusammenfassenden Notizen Selds (s. Anm. 275) unter der Sigle „L“ bestätigt. 293 NB II 3, S. 196: Delfino an die Legaten, 18.2.1563 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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