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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 458 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums458 ökumenischen Konzils habe verhindern wollen. Die Warnung vor einem weite- ren Zerfall konnte kaum deutlicher sein. Stattdessen solle der Papst Maßnahmen ergreifen, um dem Konzil zu einem erfolgreichen Verlauf zu verhelfen. Dazu müsse zuerst dem Konzil seine alte und gewohnte Freiheit garantiert werden, wozu auch das Propositionsrecht sowohl für die Väter als auch für die Oratoren der Könige und Fürsten gehöre. Und wenn der Heilige Geist auf dem Konzil zugegen sei, sei es nicht nötig, wegen der dort zu entscheidenden Dinge anderswo Rückfrage zu halten – diese Spitze gegen Rom wurde erst in der abschließenden Beratung als einzige Ände- rung eingefügt298. Die Versicherung, mit diesen Ausführungen dem Papst keine Vorschriften machen zu wollen, bildet die Überleitung zum abschließenden Höhepunkt. Gerade weil er die Autorität des Papstes immer verteidigt habe, schreibt Ferdi- nand, müsse er als erstgeborener Sohn der Kirche dem Papst die gefährliche Entwicklung des Konzils ans Herz legen. Und da die Geschichte lehre, daß die gemeinsame Anwesenheit von Papst und Kaiser bei Konzilien für die Christen- heit von größtem Nutzen gewesen sei, schlage er vor, daß sie beide sich unge- achtet aller Schwierigkeiten persönlich zum Konzil aufmachten. Da mit diesem Brief durch seine Bekanntgabe an die wichtigsten katholi- schen Herrscher Öffentlichkeitsarbeit betrieben worden ist, hat er politisch ein größeres Gewicht als die parallel dazu an Pius IV. persönlich gerichteten, von der Forschung stärker beachteten „litterae secretiores“ Ferdinands. Der Außer- gewöhnlichkeit dieser „formellen Ermahnung des Kaisers an den Papst“299 war sich Ferdinand wohl bewußt. In einem Brief an Philipp II. begründete er seinen Schritt, er habe es für richtig gehalten, ungeschminkt über die Dinge, die den Dienst Gottes beträfen, zu reden, um der Gefahr eines Schismas vorzubeugen, denn eigentlich habe man zwei Konzilien, eines in Trient und eines in Rom300. Die Legaten in Trient erhielten neben einer Kopie des „offenen“ Briefes das Ersuchen, beim Papst für die Umsetzung der kaiserlichen Vorstellungen einzu- treten und – eine ziemlich deutliche Kritik an ihrer bisherigen Leistung – sich selbst daran zu orientieren; dann würden sie mit Sicherheit die Unterstützung aller katholischen Herrscher „in omnibus quae ad restaurationem collapsae religionis Catholicae spei dant“ bekommen. „Ita namque futurum speramus, ut concilium recte procedat“301. Den Entschluß Ferdinands, gleichzeitig ein zweites, „privates“ und geheim zu haltendes Schreiben an Pius IV. zu schicken, dürfte einerseits die Absicht bestimmt haben, die Wucht des Vorstoßes für den Papst persönlich etwas zu mildern. Andererseits konnte er, da er noch mehr Kritik vorbringen wollte, auf diese Weise verdeutlichen, daß er das Ansehen des Heiligen Stuhls durchaus berücksichtigte, indem er nicht alles vor der Öffentlichkeit ausbreitete. Die delikate Aufgabe bedurfte dreimaliger Erörterung im Geheimen Rat; Ferdinand 298 wie Anm. 296 299 Jedin, Konzil 4/1, S. 262 300 „hablar sin mascara en las cosas del servicio de dios“ (CDI 98, S. 403ff: F. an Philipp, 9.3.1563; das Zitat S. 405). 301 HHStA Wien, RK RelA 9, fol 32r-33r: F. an Legaten, 3.3.1563 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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Ferdinand I. als Kaiser