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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 465 -
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Die Verhandlung mit Morone 465 Briefen vom 3. März enthaltene Kritik zu akzeptieren. Für alle von Ferdinand angesprochenen Mängel war entweder ein anderer Verursacher gefunden – mehrmals wurde die Verantwortung den weltlichen Fürsten bzw. ihren Ge- sandten zugeschoben –, oder die beanstandete Praxis wurde als üblich oder zur Wahrung der päpstlichen Autorität erforderlich gerechtfertigt346. Zwar betonte Morone mehrmals, der Papst sei zu energischen Reformen entschlossen und auch bereit, einzelne die Kurie betreffende Anregungen des Kaisers in Erwä- gung zu ziehen; zum Beweis führte er die von Pius IV. verfügte Neuordnung für das Konklave an und stellte der kaiserlichen Kanzlei ein Exemplar dieser Bulle zu347. Das Konzil jedoch dürfe auf keinen Fall damit befaßt werden, viel- mehr müsse der Kaiser als Vogt und Verteidiger der Kirche den Papst schützen, anstatt die direkten oder indirekten Gegner zu unterstützen348. Gegenüber dem jene Verpflichtung sehr ernst nehmenden Ferdinand war das eine scharfe Klin- ge. Dieser hat indessen bei mehreren Punkten eingehakt, über die die beiden Herren in der Sache hart und – nach Ferdinands Urteil – mit großem Engage- ment diskutiert haben349. So bezeichnete der Kaiser die Verweigerung des Pro- positionsrechtes als Verletzung seiner eigenen wie auch der Würde der anderen Fürsten und ließ sich durch Morones ausführliche Erläuterungen nicht „beru- higen“. Anscheinend hat er in diesem Zusammenhang auf Übereinstimmungen mit den Königen von Spanien und Frankreich verwiesen, denn Morone kam zu dem Ergebnis, es habe sich bereits ein „concerto“ der Mächte gebildet. Ferner beharrte Ferdinand darauf, es müßten strengere Richtlinien für die Dispensge- walt des Papstes wegen der bekannten skandalösen Handhabung festgelegt werden. Endlich machte er deutlich, daß er nicht eine Änderung des Wahlrech- tes für die Reichsbistümer intendierte, um pastoral besser qualifizierte Bischöfe zu bekommen, sondern eine Stufe tiefer ansetzen wollte durch schärfere An- sprüche an die Eignung der Mitglieder der Domkapitel – ein Problem, dessen Beratungswürdigkeit Morone in seinem Bericht anerkannte. Die Aufforderung des Kaisers, sich nach Trient zu begeben, ließ Pius IV. durch Morone ablehnen und stattdessen seine Einladung an Ferdinand wieder- holen, nach Bologna zu kommen, wo man nicht nur die Kaiserkrönung nach- holen, sondern auch durch Verlegung des Konzils dorthin den Gedanken der Präsenz von Papst und Kaiser am Konzilsort verwirklichen könne. Indessen mußte der Papst wissen, daß dieser Vorschlag für Ferdinand ebenso unan- nehmbar war, wie im Jahr 1547 die Translation in diese Stadt des Kirchenstaates für Kaiser Karl V. Morone gab sich große Mühe, die Vorteile des Treffens mit dem Papst in Bologna auszumalen. Ferdinand war erfahren genug, die Offerte 346 NB II 3, S. 270ff: Anlage zum Bericht Morones v. 23.4.1563, nur seine Argumente enthaltend. Eingehend referiert von Kassowitz, S. 189ff. 347 HHStA Wien, RK RelA 10 Konv. April fol 155v: Aktennotiz Selds (zitiert bei Constant, Léga- tion, S. 45 Anm. 2). Zum Inhalt der Bulle vgl. Pastor, Päpste 7, S. 336f; Herre, S. 71 348 „Che S. Mtà, che è advocata et defensor della chiesa, deve proteggere il capo suo, e non conveni- re in alcun modo con chi gli è contra direttamente o indirettamente“ (NB II 3, S. 274). 349 Sickel, Konzil, S. 517ff: F. an Maximilian, 2.6.1563 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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