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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 466 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums466 nicht sofort abzulehnen, aber politische Risiken anzudeuten. Morone leitete daraus ab, der Kaiser sei nicht gänzlich abgeneigt350. Ferdinands endgültiger Bescheid in dieser Sache sei hier vorweggenommen. Seld, der die Absicht sehr skeptisch beurteilte, hatte zunächst geglaubt, dies sei der wichtigste Auftrag Morones351. Obwohl der Vorschlag ja an sich nicht mehr überraschen konnte, scheint die Verknüpfung von Konzilsverlegung und Einla- dung nach Bologna, wie sie von Morone präsentiert wurde, Ferdinand irritiert zu haben; vermutlich spürte er, daß ihm die Verantwortung für das Nichtzu- standekommen zugeschoben werden sollte; denn er schickte Seld ein paar Tage später zu Morone, um die Absichten des Papstes genauer auszuloten352. Eine von Seld angelegte Liste von vier Seiten, in der mehr als vierzig Einwände gegen die Translation nach Bologna und gegen die Reise des Kaisers dorthin zusam- mengestellt sind353, dürfte aus Beratungen Ferdinands mit seinem Vizekanzler herrühren. Sie wurde die Basis für den das letzte Viertel beanspruchenden „po- litischen“ Abschnitt in der offiziellen Entgegnung Ferdinands auf Morones Ausführungen354. Grundlinie der Argumentation war eine wohldurchdachte Ablehnung: So erstrebenswert die Krönung sei, der Kaiser könne das Reich wegen der vom Argwohn der Protestanten belasteten Situation nicht für längere Zeit verlassen; der Religionskrieg in Frankreich diente als warnendes Beispiel. Das Konzil werde in zwei bis drei Monaten seine Arbeit keinesfalls abschließen können, nachdem es bisher in viel mehr Monaten kaum die Fundamente gelegt habe, abgesehen davon, daß die Überführung nach Bologna Zeit koste und Mißtrauen erregen werde; außerdem sei immer Wert darauf gelegt worden, das Konzil auf Reichsboden abzuhalten. Den Gedanken, Philipp II. könne dann ebenfalls an dem Treffen teilnehmen, bekämpfte Ferdinand als untunlich, weil das den Gegnern Nahrung für mißtrauische Spekulationen geben werde355. Die Bemerkung, in Bologna könne der Papst so gut für des Kaisers Sicherheit sor- gen, daß er mit kleinem Gefolge anreisen (und Kosten sparen) könne, wies Fer- dinand als unvereinbar mit der kaiserlichen Würde und dem Herkommen zu- rück. 350 NB II 3, S. 269 351 BHStA München, KÄA 4308, fol 114r/v: Seld an Herzog Albrecht, Innsbruck, 24.4.1563 (eigh.): „So soll er der Cardinal in bevelch haben, irer Mt. ainen fürschlag zu tun, das concilium gen Bologna zu transferiern ... Welches wa dem also, wirdt es fürwar meines erachtens ainer gutten starcken consultation, fürnemlich bey disen gegenwärtigen leuffen wol bedürffen“. 352 NB II 3, S. 279ff: Bericht Morones v. 2.5.1563, hier S. 280 353 HHStA Wien, RK RelA 13, fol 115r-116v: „Caes. Mtas quoad translationem concilii“ (unda- tiert) 354 HHStA Wien, RHRP 20b, 5.5.1563: Beschluß, die Antwort zur Translation (= Constant, Léga- tion, S. 95ff: „Decimo...“) an die konzilspolitische Stellungnahme anzuhängen. 355 Er ist auch Philipp II. unterbreitet worden (Döllinger 1, S. 501f). Dieser sprach sich nur wenig später ebenfalls gegen die Verlegung des Konzils und den „Dreiergipfel“ in Bologna aus (Mau- renbrecher, Archivalische Beiträge, S. 30). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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