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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums472
rung der Autorität des Heiligen Stuhls unterbinden wollte, die er vor allem von
jenem „concerto“ der Mächte befürchtete, glaubte er, sich in drei Fragen ganz
unnachgiebig verhalten zu müssen. Die „Reform in capite“ reduzierte er auf die
beiden Aspekte: Abstellung der Mißstände während des Konklaves – gemeint
war hier die Einflußnahme der weltlichen Mächte und der stadtrömischen Be-
völkerung – und bei den Kardinalspromotionen und verlagerte die Kontroverse
auf eine pragmatische Ebene mit der Differenzierung, das Konzil sei nur mit
Fragen des Glaubens und der Reform der Sitten zu befassen, nicht aber mit den
Problemen an der Kurie, weil die meisten Väter davon nichts verstünden; doch
unterließ er nicht den Hinweis, das Verlangen nach Beteiligung des Konzils sei
riskant, weil damit die Superiorität berührt werde. Ziel der Argumentation
Morones war, die konziliaristisch belastete Formel „reformatio in capite et
membris“ in der kaiserlichen Antwort durch eine unverfängliche Wendung zu
ersetzen, die von Gegnern des Heiligen Stuhls nicht „mißbraucht“ werden
könne. Ebenso war Morones Widerstand gegen die Aufwertung der Konzilsna-
tionen davon bestimmt, jede Annäherung an die Praxis der Konzilien in Kon-
stanz und Basel zu verhindern, zumal das Übergewicht von irgendwie vom
Papst abhängigen italienischen Bischöfen in Trient ein sehr wichtiges Len-
kungsinstrument der Kurie war391. So mißdeutete Morone – wohl absichtlich –
die Anregungen Ferdinands, als ob damit auch die Aufnahme abwesender Prä-
laten in die Konzilskommissionen gemeint wäre. Intern räumte er ein, das kai-
serliche Anliegen sei berechtigt, den nur schwach vertretenen Nationen durch
stärkere Berücksichtigung bei den Kommissionsberatungen das Gefühl zu
nehmen, der italienischen Majorität ausgeliefert zu sein392. Den Streit über das
Propositionsrecht suchte Morone mit der Behauptung zu erledigen, das, was die
Fürsten und besonders der Kaiser vom Konzil behandelt haben wollten, werde
von den Legaten vorgelegt werden oder sei proponiert worden, daher bedürfe
es keiner Revision des Beschlusses aus der ersten Session. Dagegen signalisierte
er hinsichtlich der Bestellung eines zweiten Konzilssekretärs Entgegenkommen.
Ferdinand, der bei aller Sympathie für Morone vorsichtig blieb, nahm das
Positionspapier, das der Kardinal seinen Ausführungen zugrunde gelegt hatte,
als Gedächtnisstütze für Beratungen mit seinen Theologen an sich393. Die
Mehrheit der Arbeitsgruppe fand keine Ansatzpunkte, dem Kaiser in den drei
verbliebenen Streitpunkten Nachgiebigkeit zu empfehlen394. Die Bemerkungen
Morones zum Propositionsrecht wurden als zweideutig und dunkel empfun-
den. Hinsichtlich der Partizipation aller Nationen bei der Bildung von Kom-
missionen wurde eine Präzisierung empfohlen. Zur Reform wurde klargestellt,
die vom Kaiser genannten Aspekte seien als Beispiele, nicht als erschöpfende
Aufzählung zu verstehen. Die Ausführungen Morones hierzu wurden scharf-
sinnig widerlegt: Braun und seine Kollegen legten dar, „reformatio in capite et
391 Vgl. nur die Weisung Borromeos an die Legaten vom 12.5.1563 bei Šusta 4, S. 5
392 NB II 3, S. 308 (aus Morones Bericht v. 17.5.1563)
393 NB II 3, S. 296 (Aus Morones Bericht v. 13.5.1563)
394 HHStA Wien, RK RelA 10 Konv. April, fol 3r-7r: Undatierte Consultatio, geschrieben von
Konrad Braun. Rößner, S. 221f schätzt den Stellenwert nicht richtig ein und geht infolgedessen
in der Interpretation teilweise fehl.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien