Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 472 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 472 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Bild der Seite - 472 -

Bild der Seite - 472 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text der Seite - 472 -

Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums472 rung der Autorität des Heiligen Stuhls unterbinden wollte, die er vor allem von jenem „concerto“ der Mächte befürchtete, glaubte er, sich in drei Fragen ganz unnachgiebig verhalten zu müssen. Die „Reform in capite“ reduzierte er auf die beiden Aspekte: Abstellung der Mißstände während des Konklaves – gemeint war hier die Einflußnahme der weltlichen Mächte und der stadtrömischen Be- völkerung – und bei den Kardinalspromotionen und verlagerte die Kontroverse auf eine pragmatische Ebene mit der Differenzierung, das Konzil sei nur mit Fragen des Glaubens und der Reform der Sitten zu befassen, nicht aber mit den Problemen an der Kurie, weil die meisten Väter davon nichts verstünden; doch unterließ er nicht den Hinweis, das Verlangen nach Beteiligung des Konzils sei riskant, weil damit die Superiorität berührt werde. Ziel der Argumentation Morones war, die konziliaristisch belastete Formel „reformatio in capite et membris“ in der kaiserlichen Antwort durch eine unverfängliche Wendung zu ersetzen, die von Gegnern des Heiligen Stuhls nicht „mißbraucht“ werden könne. Ebenso war Morones Widerstand gegen die Aufwertung der Konzilsna- tionen davon bestimmt, jede Annäherung an die Praxis der Konzilien in Kon- stanz und Basel zu verhindern, zumal das Übergewicht von irgendwie vom Papst abhängigen italienischen Bischöfen in Trient ein sehr wichtiges Len- kungsinstrument der Kurie war391. So mißdeutete Morone – wohl absichtlich – die Anregungen Ferdinands, als ob damit auch die Aufnahme abwesender Prä- laten in die Konzilskommissionen gemeint wäre. Intern räumte er ein, das kai- serliche Anliegen sei berechtigt, den nur schwach vertretenen Nationen durch stärkere Berücksichtigung bei den Kommissionsberatungen das Gefühl zu nehmen, der italienischen Majorität ausgeliefert zu sein392. Den Streit über das Propositionsrecht suchte Morone mit der Behauptung zu erledigen, das, was die Fürsten und besonders der Kaiser vom Konzil behandelt haben wollten, werde von den Legaten vorgelegt werden oder sei proponiert worden, daher bedürfe es keiner Revision des Beschlusses aus der ersten Session. Dagegen signalisierte er hinsichtlich der Bestellung eines zweiten Konzilssekretärs Entgegenkommen. Ferdinand, der bei aller Sympathie für Morone vorsichtig blieb, nahm das Positionspapier, das der Kardinal seinen Ausführungen zugrunde gelegt hatte, als Gedächtnisstütze für Beratungen mit seinen Theologen an sich393. Die Mehrheit der Arbeitsgruppe fand keine Ansatzpunkte, dem Kaiser in den drei verbliebenen Streitpunkten Nachgiebigkeit zu empfehlen394. Die Bemerkungen Morones zum Propositionsrecht wurden als zweideutig und dunkel empfun- den. Hinsichtlich der Partizipation aller Nationen bei der Bildung von Kom- missionen wurde eine Präzisierung empfohlen. Zur Reform wurde klargestellt, die vom Kaiser genannten Aspekte seien als Beispiele, nicht als erschöpfende Aufzählung zu verstehen. Die Ausführungen Morones hierzu wurden scharf- sinnig widerlegt: Braun und seine Kollegen legten dar, „reformatio in capite et 391 Vgl. nur die Weisung Borromeos an die Legaten vom 12.5.1563 bei Šusta 4, S. 5 392 NB II 3, S. 308 (aus Morones Bericht v. 17.5.1563) 393 NB II 3, S. 296 (Aus Morones Bericht v. 13.5.1563) 394 HHStA Wien, RK RelA 10 Konv. April, fol 3r-7r: Undatierte Consultatio, geschrieben von Konrad Braun. Rößner, S. 221f schätzt den Stellenwert nicht richtig ein und geht infolgedessen in der Interpretation teilweise fehl. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
zurück zum  Buch Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser