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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums474
ser herzustellen, und appellierte an Ferdinand, zum Wohl der Kirche in allen
Punkten mit dem Papst an einem Strang zu ziehen. Sein Kalkül war, Ferdinand
vor der Verantwortung, das Scheitern des Konzils verursacht zu haben, zurück-
schrecken zu lassen.
Ferdinand berichtete über sein letztes Gespräch mit Morone im Geheimen
Rat400, und dieser Filter minderte wohl die Wirkung von Morones Schreiben.
Der Antwortbrief des Kaisers ist bemerkenswert gelassen401. Er erläuterte
nochmals, warum er die stärkere Berücksichtigung der Nationen angeregt und
wie er sie gemeint hatte; mit der Bemerkung, er habe niemandem Vorschriften
machen wollen, ließ er diese Sache dann auf sich beruhen. Seine Erklärung zum
Propositionsstreit, ihm genüge die Auslegung Morones, daß durch jenes Kon-
zilsdekret die Antragstellung der Fürsten nicht ausgeschlossen sei, und er wolle
nur dann davon Gebrauch machen, wenn wider Erwarten nach Konsultierung
der Legaten keine Einigung über das Reich und seine Erblande betreffende
Probleme erreicht werde, bedeutete gleichwohl die Aufrechterhaltung seines
Anspruchs auf ein außerordentliches Propositionsrecht. Der Konklavebulle
zollte er mehr Lob als bisher und reduzierte sein Begehren nach Mitwirkung
des Konzils auf die Festlegung der Strafbestimmungen bei Mißachtung durch
die Gesandten der weltlichen Mächte und die Bevölkerung Roms402. Mündlich
hatte er Morone zugesagt, im Falle eines plötzlichen Ablebens des Papstes keine
Infragestellung des Wahlrechts der Kardinäle durch das Konzil dulden zu wol-
len, womit die Kurie einer großen Sorge ledig wurde403. Im Gespräch mit Del-
fino gab Seld ebenfalls nur mündlich die ergänzende Zusicherung, der Kaiser
werde nicht weiter auf den drei strittigen Punkten insistieren. Morone hielt sie
für so bedeutsam, daß er dem Papst empfahl, umgehend Arco seine Freude über
das erzielte Einvernehmen auszudrücken und die Absicht, weitere Reformen zu
verfügen und durchzusetzen, zu bestätigen404. Ferdinand schloß das Schreiben
mit der Versicherung, die bei ihm keine leere Formel war, er habe nichts ande-
res intendiert und wünsche nichts heißer als die Einmütigkeit der beiden
Häupter der Christenheit in diesen das Wohl der Kirche betreffenden Angele-
genheiten.
Ferdinands Einschätzung der Verhandlungsergebnisse wurde außerdem in
einem – die Reihenfolge der zehn Punkte in der ausführlichen Antwort beibe-
haltenden – „Summarium“ niedergelegt, dessen Anfertigung vom Geheimen
Rat zur Informierung der Konzilsoratoren beschlossen wurde405, das aber auch
400 HHStA Wien, RHRP 20b: Eintrag zum 12.5.1563
401 Constant, Légation, S. 122ff: F. an Morone, 13.5.1563 (vorher schon bei Sickel, Konzil, S. 500ff)
402 Sie fehlten in der Bulle vom Oktober 1562 (vgl. Šusta 4, S. 44). Pius IV. lobte Ferdinand dafür in
höchsten Tönen (Sickel, Konzil, S. 542: Arco an F., 12.6.1563).
403 NB II 3, S. 310 (aus Morones Bericht v. 17.5.1563)
404 NB II 3, S. 300 (Aus dem Bericht v. 13.5.1563)
405 HHStA Wien, RK RelA 10 Konv. Mai, fol 163–170: „Ultima resolutio illorum quae inter
Caesarem Majestatem et Rum. D. legatum Moronum transacta fuerunt“ (Konzept und zwei
Reinschriften, deren eine von Singkmoser mit den zitierten Worten betitelt ist). Gedruckt bei
Bucholtz 9, S. 686ff und (besser) bei Constant, Légation, S. 128ff. Pastor, Päpste 7, S. 247, er-
weckt den irrigen Eindruck, es handele sich um ein mit Morone besprochenes Dokument.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien