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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 482 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums482 ipp um eine Weisung an Luna gebeten, den Streit endlich ruhen zu lassen450. Die vereinten Bemühungen Morones und der kaiserlichen Vertreter führten zum Erfolg, zumal Luna und Guise aufeinander zugingen und damit signali- sierten, daß sie das Konzil nicht sprengen wollten, und Pius IV. seine Anord- nung, deren Befolgung zum Protest der Franzosen geführt hatte, widerrief451. Der Erfolgsnachricht folgte wenige Tage später die nicht minder erfreuliche von der gelungenen Session am 15. Juli samt Angabe des vorgesehenen Termins für die nächste und der Meldung, daß der zum Bischof von Czanad in Ungarn avancierte Dudith die beschlossenen Dekrete sowie wichtige Mitteilungen Mo- rones für den Kaiser überbringen werde452. War das Konzil endlich in das rich- tige Fahrwasser gekommen? Man mag in Wien für einen Moment geglaubt haben, nun nur noch die Spa- nier davon abhalten zu müssen, durch gut gemeinte Forderungen neue Schwie- rigkeiten zu schaffen. Nachdem die Präzedenzkrise überstanden war, hatte Luna ein Aktionsprogramm übermittelt, das am Kaiserhof auf Kritik stieß; denn die zugrundeliegenden Überlegungen Philipps453 waren im Juli, als sie in Wien bekannt wurden, großenteils der Situation nicht mehr angemessen454. Die Translation nach Bologna und das „Gipfeltreffen“ dort – Philipp lehnte beides ab – waren längst vom Tisch. Das Verlangen, die Protestanten abermals zur Teilnahme am Konzil aufzufordern, weil ihre Wiedergewinnung ja der eigentli- che Grund für dessen Berufung gewesen sei, war inzwischen realitätsfern. Des- wegen die Sessionen weit auseinanderzuziehen und anstelle einer großen Re- formvorlage nur einzelne Themen zu behandeln, wie Philipp nun empfahl, lief dem Anliegen Ferdinands zuwider, bei der Kirchenreform endlich den Durch- bruch zu erreichen. Deswegen wollte er ja auch die Entscheidung über das Pro- positionsrecht bis zur letzten Session vertagt wissen, zumal man in Innsbruck einen tragbaren Kompromiß gefunden zu haben meinte. Philipps Ausführun- gen, wie wichtig die Freiheit des Konzils und die allgemeine Reform der Kirche seien, die darum vor der Behandlung der Dogmen stehen sollte, entsprachen zwar den eigenen Ansichten; aber es befremdete, daß er so betonte, die Autori- tät des Heiligen Stuhls dürfe keinesfalls tangiert werden, denn Ferdinand nahm für sich in Anspruch, diese stets verteidigt zu haben, auch wenn er die Fixierung der Superiorität des Papstes über das Konzil ablehnte. Endlich war Philipps Beharren auf seinem grundsätzlichen Nein zum Laienkelch mißlich, weil da- durch die Erlangung dieser Konzession für Teile des Reichs und der Erblande erschwert werden konnte. Die von Luna eingereichten Präzisierungen inten- dierten, für die nächste Session nur das Ehesakrament und ein paar Reform- punkte, nämlich zur Kardinalskreation und zum Konklave, vorzunehmen; au- ßerdem hatte er Ferdinands in Innsbruck erhobene Forderung nach Repräsen- 450 CDI 98, S. 460ff: F. an Philipp, 17.7.1563 (Autor und Empfänger sind in der Überschrift ver- tauscht!) 451 Zur Beilegung Jedin, Konzil 4/2, S. 65f 452 HHStA Wien RHRP 20b, Eintrag zum 22.7.1563 453 CDI 9, S. 925ff: Philipp an F., 9.6.1563; vgl. NB II 3, S. 382 454 Die vorläufige Antwort Ferdinands v. 17.7.1563 (CDI 98, S. 460ff) deutet das an. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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