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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 485 -
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Die Reformerwartungen zerrinnen 485 Die Kay. Mt. helt in disem fall das mittel, dann sie sehe nit gern, das man aini- chen unnotwendigen aufftzug suchen, sondern vilmeeer statlich und schleinig fürfaren soll. Hinwiderumb aber wo man will das Concilium also ungeschaffter ding zerstören, weer viel besser, man het dasselb nie angefangen. Ich trag wol sorg, man werdt uns lassen sagen und rathen, was wir wellen, und nicht desto- weniger thun, was vorhin bei diesen leutten beschlossen ist.“465 Die Antwort Kaiser Ferdinands auf Morones Ansinnen beinhaltete ein klares Nein, und er traf seine Entscheidung ohne Zaudern. Die Grundzüge sind schon im Protokoll der Sitzung des Geheimen Rates festgehalten, in der die Ausfüh- rungen des Bischofs von Czanad besprochen wurden466. Der zwei Tage später eintreffende Brief des Legaten bot dann den Anlaß, die Erwiderung direkt an ihn zu richten467. Da Ferdinand die von Luna beabsichtigte Verschleppung der Konzilsarbeit abgelehnt hatte, konnte er die Beschleunigung bejahen, sofern die Regeln eingehalten und alle anstehenden Fragen zur Entscheidung gebracht würden. Im ausgearbeiteten Brief an Morone468 wurde hinzugefügt, eine über- stürzte Schließung ohne ordnungsgemäße Abwicklung aller Dinge, derentwe- gen das Konzil versammelt worden sei, wäre ein großer Skandal, dann wäre es besser niemals berufen worden. Schärfer konnte die Kritik in einem diplomati- schen Schreiben kaum formuliert werden! Die Ausklammerung eines Teils der Reform durch Überweisung an den Papst verwarf Ferdinand und verlangte die vollständige Erledigung durch das Konzil; ihm war klar, daß sonst gerade we- sentliche Artikel seines Reformlibells eliminiert werden konnten469. Für die endgültige Antwort ersetzte Seld die Hinweise auf das Libell und seine mangel- hafte Berücksichtigung durch eine Erinnerung an die Morone in Innsbruck vorgetragenen kaiserlichen Vorstellungen über die Reform und dessen Zusagen; angeschlossen war die Erwartung, daß Ergänzungen, die nach Prüfung der jetzt angekündigten Vorlage angebracht erschienen, von Morone und seinen Kolle- gen zur Beratung gestellt würden. Den Hinweis auf den Widerstand der italie- nischen und spanischen Bischöfe gegen partikulare Reformen ließ Ferdinand nicht gelten, sie seien sehr wohl Sache des Konzils, das zu berücksichtigen habe, daß verschiedene Krankheiten auch unterschiedliche Heilmittel erforderten. Ob er der Empfehlung folgen würde, den Laienkelch und andere Konzessionen beim Papst zu beantragen, ließ Ferdinand offen. Seine Enttäuschung kam in der im Protokoll festgehaltenen Anmerkung zum Ausdruck, wenn ihm etwas abge- schlagen werde, was er als zum Heil seiner Untertanen erforderlich erachte, werde er die Sache Gott anheimstellen und an den negativen Folgen schuldlos sein; sie wurde ohne Abschwächung in den Brief übernommen. In der Antwort an Guise wurde ebenso entschieden gegen die schnelle Schließung Stellung genommen und Ferdinands Entrüstung sogar noch deutlicher ausgesprochen: 465 BHStA München, KÄA 4308, fol 213r/v (v. 28.7.1563, Or.) 466 HHStA Wien, RHRP 20b: Eintrag zum 26.7.1563 (zitiert NB II 3, S. 384 Anm. 1) 467 Darum wurde das für den Bischof von Czanad als Morones Emissär bestimmte Memoriale (HHStA Wien, RK RelA 11 Konv. Juli, fol 47r-49v) zu einem Brief umgearbeitet. 468 Constant, Légation, S. 210ff: F. an Morone, 31.7.1563 469 Das ergibt sich aus dem Entwurf Singkmosers für die Antwort (die hier bezogene Passage ge- druckt NB II 3, S. 387f). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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