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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 487 -
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Die Reformerwartungen zerrinnen 487 renz zwischen dem Kaiser und den deutschen Erzbischöfen verabredete Anträ- ge nachzureichen. Ihre Bewertung fiel gleichwohl recht positiv aus: Die Kirche wäre nicht schlecht beraten, wenn diese Vorlage beschlossen und umgesetzt würde478. Der Entwurf der Legaten und die Ausstellungen der Oratoren wurden im Geheimen Rat Punkt für Punkt auf der Basis einer von Seld vorgenommenen und dem Gremium vorgetragenen kritischen Überprüfung durchgesprochen479. Daraus erwuchs die maßgebliche Stellungnahme des Kaisers im Rahmen einer Weisung an seine Oratoren480. Wichtiger als die Genehmigung, Modifizierung oder Verwerfung der von jenen schon übergebenen Änderungsanträge sowie ihre Vermehrung, die darin einen breiten Raum einnehmen481, ist indessen das sehr negative Gesamturteil Ferdinands. Dabei ist seine Begründung zu beach- ten, er müsse um seines Gewissens und seiner kaiserlichen Würde willen seine Kritik vorbringen: Der Entwurf erwecke den Eindruck, man habe in Rom – nicht den Legaten in Trient wurde die Verantwortung angelastet! – aus Verdruß über das Drängen auf die vom Klerus und am meisten von der römischen Kurie abgelehnte Reform an Haupt und Gliedern eine Vorlage zusammengefügt, von der man wisse, daß sie als Ganzes für den Kaiser unannehmbar und undurch- führbar sei, um ihm die Schuld am Scheitern jeglicher Reformen aufbürden zu können. Für die Erhaltung der katholischen Religion im Reich sei sie ungeeig- net. Angemessen wäre, mit der Reform beim Haupt, also dem Papst, den Kar- dinälen482 und der Kurie, zu beginnen, die dem nachgeordneten Klerus und den weltlichen Fürsten als Vorbild dienen könne. Zwar wurde eingeräumt, mehrere den geistlichen Stand betreffende Artikel seien gut und gerecht, aber durch den Hinweis, daß die deutschen Oberhirten an der Konzilsteilnahme leider verhin- dert wären, wollte Ferdinand klarstellen, daß ihre Umsetzung im Reich pro- blematisch sei und von ihm nicht garantiert werden konnte483. Der große Stein des Anstoßes war ein Kapitel, das der Wiederherstellung der Immunität der Geistlichkeit dienen sollte. Es wurde alsbald und seither auch in der Forschung als „reformatio principum – Fürstenreform“ bezeichnet484. Eine neue Erfahrung war es für Ferdinand ja nicht, daß seinen Reformwün- schen von klerikaler Seite die Forderung entgegengesetzt wurde, zuerst müßten 478 In ihrem Bericht v. 3.8.1563 (Sickel, Konzil, S. 573), zitiert von Jedin, Konzil 4/2, S. 125; auch gegenüber Arco äußerte Brus sich drei Tage später optimistisch (Steinherz, Briefe, S. 121). 479 HHStA Wien, RHRP 20b: Eintrag zum 16./17.8.1563. Selds Vorarbeit ebda, RK RelA 11 Konv. Aug., fol 90r-97r 480 HHStA Wien, RK RelA 11, fol 201r-210r: F. an Oratoren, 23.8.1563 (Konz.); Sickel, Konzil, S. 585f, bietet nur einen Auszug. 481 Einiges davon referiert Bucholtz 8, S. 608f. In diesen Zusammenhang gehört Ferdinands Eintre- ten für die damals neue Figuralmusik, deren Verbot im Gottesdienst ihn allzu puritanisch dünkte (fol 203v, zitiert bei Pastor, Päpste 7, S. 656; zur Sache ebda, S. 314ff). 482 Ferdinand war mittlerweile auf seine frühere Forderung zurückgekommen, die Zahl der Kardi- näle müsse reduziert und begrenzt werden; er vermißte einen entsprechenden Ansatz, ließ die Sache aber wieder fallen, weil sie von den anderen Nationen nicht unterstützt wurde (Sickel, Konzil, S. 584; Bucholtz 8, S. 636). 483 fol 201v (diese Passage nicht bei Sickel; eine Übersetzung bei M.I. Schmidt 4, S. 10) 484 Zur Genesis und den einzelnen Stufen Prosdocimi, S. 8ff; Alberigo, S. 166ff CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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