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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 492 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums492 Protest schreiten müßten510: Es sei unfair, das Verlangen nach angemessener Anhörung der weltlichen Fürsten als Verhinderung der Reform zu diskreditie- ren; während die Legaten seine Vorschläge zur Reform des geistlichen Standes ein Jahr lang hätten erwägen können, werde ihm zugemutet, sich binnen weni- ger Tage über so neue und problematische Artikel schlüssig zu werden; er brau- che Zeit, um Informationen einzuholen, welche Rechte in seinen verschiedenen Herrschaften davon berührt würden511; er könne nicht etwas akzeptieren und die Durchführung versprechen, wenn er das später gar nicht leisten könne. Einstweilen sah er keinen sachlichen Grund, seinen Einspruch zurückzuneh- men. Seld hatte bei der Überprüfung der von den Oratoren am 20. August übermittelten revidierten Fassung zu Recht keine substantiellen Verbesserun- gen feststellen können, denn nur beim Verbot der Besteuerung der Geistlichen war dem Einwand der kaiserlichen Oratoren insofern Rechnung getragen wor- den, als ein Beitrag zur Türkenabwehr zugelassen wurde512. Darüber hinaus erteilte der Kaiser Morone persönlich eine – von Seld konzi- pierte und mit Ironie gewürzte – seinen Standpunkt voll wahrende Antwort513. Höflich nannte er Morones Entschuldigung überflüssig, versagte sich aber nicht die Bemerkung, sein Widerspruch entspringe nicht einer Laune, sondern sei wohlerwogen. Im Mittelpunkt stand sein Urteil, durch die „Reformatio princi- pum“ sollten Probleme, die schon vor mehr als hundert Jahren, als noch alle Welt katholisch war, zwischen dem geistlichen und dem weltlichen Stand strit- tig gewesen und bis jetzt geblieben seien, innerhalb eines Monats „gleichsam durch einen Axthieb“ entschieden werden, wobei überdies die Geistlichen allein Richter sein wollten und die Weltlichen nur unzureichend angehört werden sollten. An den beiden Beispielen Besteuerung und Gerichtsstand der Geistli- chen wurde erläutert, wie tief die Eingriffe in „seit unvordenklichen Zeiten“ bestehende Regelungen im Reich wären, was jeder mittelmäßige Kenner der Verhältnisse sehen könne – eine Spitze gegen den guten Deutschlandkenner Morone, die dieser auch gespürt hat. Nähere Ausführungen zur Doppelfunkti- on der Bischöfe im Reich als geistliche Oberhirten einerseits, als Inhaber von Regalien, Lehen und weltlichen Ämtern andererseits hielt Ferdinand für unnö- tig, auf die übrigen Einzelheiten ging er nicht ein, weil er die Auswirkungen in seinen Erblanden noch nicht übersehen könne. Sein Fazit war, er könne das streitige Kapitel nicht annehmen, weil die Artikel viel zu allgemein und unprä- 510 Sickel, Konzil, S. 595ff: F. an Oratoren, 5.9.1563. Die Instruktion enthielt außerdem die Stel- lungnahme zur revidierten Reformvorlage (HHStA Wien, RK RelA 12 Konv. Sept, fol 2r-4v, Konz.); die Kritik betraf einige Artikel, die den Verhältnissen im Reich nicht gerecht wurden; vgl. dazu Kassowitz, S. 260. 511 Die nieder- und die oberösterreichische Regierung wurden durch Dekret v. 2.9.1563 angewiesen, dazu Gutachten abzugeben (Sickel, Konzil, S. 297). Sie wurden zu spät vorgelegt, um noch Ein- fluß auszuüben. Das Memorandum der ersteren bei Bucholtz 9, S. 705ff 512 Diese zweite Fassung gedruckt bei Le Plat 6, S. 227ff in Kleindruck; zu den Änderungen Alberi- go, S. 171f 513 HHStA Wien, RK RelA 12 Konv. Sept., fol 33r-37v: F. an Morone, 12.9.1563 (Konz.); Selds Entwurf ebda, fol 26r-30v; Druck bei Constant, Légation, S. 252ff; ausführliche Wiedergabe bei Bucholtz 8, S. 612ff. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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