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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums494
dürften519. Die Fronten schienen verhärtet, Ferdinands Brief an Morone machte
auf den Empfänger anscheinend keinen Eindruck520.
Das unnachgiebige Verhalten Morones könnte einen weiteren Grund darin
gehabt haben, daß er glaubte, Frankreich werde die umstrittenen Artikel hin-
nehmen, und sich Hoffnungen machte, auch Luna und damit Spanien zu ge-
winnen521. Das war eine gründliche Täuschung. Am französischen Hof wurden
der für die geistliche Gewalt erhobene Anspruch, königliche Ordonnanzen zu
kassieren, und die Androhung der Exkommunikation als gefährlich für die
inneren Verhältnisse des Landes erachtet und genauso heftig abgelehnt wie in
Wien522. Und Philipp II. wollte ebenfalls keinen Eingriff in seine Kronrechte
zulassen523. Es war die Kurie, die den Legaten in Trient das Zeichen zum Rück-
zug gab. Der Hinweis Borromeos, wenn das Konzil durch diesen – an sich be-
jahten – Teil der Reform verlängert werde und sich herausstelle, daß die Fürsten
sie nicht wollten, solle man sich stillschweigend fügen, wurde wenige Tage
später von Pius IV. in einem eigenhändigen Schreiben bekräftigt524. Aber erst
nach dem spektakulären Auftritt des französischen Konzilsgesandten Ferrier,
der am 22. September vor dem versammelten Konzilsplenum in einer scharfen
Anklagerede insbesondere die „Reformatio principum“ aufs Korn nahm, durch
die die gallikanischen Freiheiten verletzt würden525, sah Morone ein, die
Sprengkraft unterschätzt zu haben, und befürchtete nun sogar, Frankreich kön-
ne sich wie einst Heinrich VIII. von England von Rom lossagen526. Am Morgen
nach dem Vorfall erfuhr er, daß Pius IV. den Habsburgern das von Delfino
empfohlene Tauschgeschäft – Approbation Maximilians ohne die bislang gefor-
derten Zusatzleistungen gegen die Zustimmung des Kaisers zur Beendigung des
Konzils – anbieten wollte und von der Konzilsleitung Unterstützung mit Rat
und Tat erwartete527. Noch am gleichen Tag schrieb Morone einen einlenken-
den Brief an Ferdinand: Zunächst gratulierte er ihm zum Erfolg in jener Ange-
legenheit; im Anschluß daran spielte er ihre Kontroverse herunter, indem er
verharmlosend behauptete, weder der Papst noch das Konzil und schon gar
nicht er selbst wollten in die Verfassung des Reiches eingreifen, denn es solle
nichts anderes beschlossen werden, was nicht schon in mehreren alten Kanones
und kaiserlichen Gesetzen enthalten sei, und keineswegs wolle man alle alten
Bestimmungen erneuern. Insofern würden die weltlichen Fürsten kaum be-
troffen, während bei der Reform des Klerus auch die Kurie in Rom nicht ge-
519 Šusta 4, S. 243f: Legaten an Borromeo, 15.9.1563; Sickel, Konzil, S. 601f: Oratoren an F.,
18.9.1563
520 Morone schickte am 19.9.1563 ohne Kommentar eine Kopie mit der Bitte um Stellungnahme
nach Rom (Šusta 4, S. 254).
521 Vgl. seinen Brief an Borromeo v.12./13.9.1563 (Constant, Légation, S. 258ff).
522 Le Plat 6, S. 195ff: Instruktion Karls IX. v. 28.8.1563
523 CDI 98, S. 502f u. S. 511 (aus den Weisungen an Luna v. 22.9. u. v. 10.10.1563)
524 Constant, Légation, S. 250f (= Šusta 4, S. 245): Borromeo an Morone, 8.9.1563; dieses Schreiben
war am 15. September den Legaten bereits zugegangen. Der Papstbrief (v. 11.9.) bei Šusta 4, S.
249f.
525 Le Plat 6, S. 233ff; Jedin, Konzil 4/2, S. 129f
526 Constant, Légation, S. 273ff (= Šusta 4, S. 271f): Morone an Borromeo, 23.9.1563
527 NB II 3, S. 435f: Borromeo an Morone, 19.9.1563
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien