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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 496 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums496 angeboten hatte534. Zum anderen eine Verstümmelung des Kapitels über die „Fürstenreform“, um zu verhindern, daß diese offene Streitfrage vom Grafen Luna als Hebel benutzt werden könnte, die Synode doch noch in die Länge zu ziehen. Der Erlös, den Ferdinand für sein Placet zur Beendigung des Konzils bekam, wurde mithin erhöht. Delfino ventilierte den Gedanken einer Kurzfas- sung als „via media“, die nicht mehr enthalten sollte als eine Einschärfung älte- rer Bestimmungen über die Immunitäten des Klerus535. Ein von ihm einge- reichter Entwurf wurde als Nachschrift der neuen Instruktion für die Oratoren hinzugefügt mit der Weisung, vom Eingehen der Konzilsleitung auf diese Re- duzierung sowie der Weglassung oder Abmilderung der bisher vorgesehenen Sanktionsdrohungen die Schärfe und den Ort des kaiserlichen Protestes – vor dem Konzilsplenum oder nur vor den Legaten – abhängig zu machen536. Bisher hatte Ferdinand die Verquickung von Konzilsproblemen mit anderen politischen Fragen abgelehnt und darauf bestanden, die Synode müsse erst ihre wichtigsten Aufgaben angemessen erledigen. Warum ließ er sich jetzt auf das Tauschgeschäft mit Rom ein? Gewichtig, nach Ansicht seines Rates Zasius so- gar ausschlaggebend, war offenbar das Votum Maximilians, der „durch visierli- che persuasiones et impressiones“ den Kaiser dazu gebracht haben soll, die Oratoren in Trient anzuweisen, „auf alle fuegliche mitl gedenken und stracks ins werk richten helfen, durch welche das concilium quam ocissime sauber und gar zue beschliessen“537. Die am 3. Oktober 1563 von Maximilian herbeigeführte Entscheidung schlug sich in Ergänzungen zu den bereits fertiggestellten In- struktionen nieder: Sie sollten Überlegungen, wie das Konzil zu Ende zu brin- gen sei, im Namen des Kaisers nach Kräften fördern und bei der Ausführung der Anweisungen in der Hauptinstruktion darauf achten, dadurch keine Verzö- gerung zu verursachen538. Jedoch kann die Intervention Maximilians als alleinige Erklärung nicht be- friedigen. Ferdinand selbst erwartete vom Konzil nichts Positives mehr. Es war zweifellos eine ernüchternde und bittere Erfahrung für ihn, immer wieder regi- strieren zu müssen, wieviel mehr man in Rom an der Liquidierung des Konzils als an der Reform interessiert war539, wie der von ihm als Befürworter der Re- form eingeschätzte und persönlich hochgeachtete Morone als Präsident des Konzils diese Politik mitmachte und wie der schließlich vorgelegte Reforment- wurf sich mit dem Kapitel über die Fürstenreform auf einem falschen Gleis bewegte, das nach Einschätzung Ferdinands in eine für den Frieden im Reich 534 s. oben S. 483f, sowie unten S. 507 535 Dazu NB II 3, S. 440ff: Delfinos Berichte v. 4./5.10.1563; Prosdocimi, S. 18f 536 NB II 3, S. 451 Anm. 2 (Delfinos Skizze) ist zu vergleichen mit Sickel, Konzil, S. 624 ab: „Et quoniam...“ (Postscriptum zur Weisung an die Oratoren) und NB II 3, S. 442 (Bericht Delfinos v. 4.10.1563). 537 Goetz, Beiträge, S. 267f: Zasius an Herzog Albrecht, 5.10.1563; vgl. NB II 3, S. 454: Maximilian an Arco, 5.10.1563 538 Sickel, Konzil, S. 623ff; die ausgelassene Passage bei Raynaldus 34, S. 443. Vor Delfino machte man von dieser Stellungnahme kein Geheimnis. Zu dessen Anteil an den Nachinstruktionen NB II 3, S. 449ff; seine Vorschläge in HHStA Wien, RK RelA 12 Konv. Okt., fol 41r-42r + fol 47r/v. 539 Zahlreiche Berichte Arcos meldeten entsprechende Äußerungen (z.B. Sickel, Konzil, S. 560f, 578, 579, sämtlich aus dem Sommer 1563). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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