Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 497 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 497 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Bild der Seite - 497 -

Bild der Seite - 497 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text der Seite - 497 -

Zustimmung Ferdinands zur Beendigung des Konzils 497 und die Zukunft der Kirche verderbliche Richtung führte. Bochetel berichtete Ende August, der Kaiser sei so verärgert über die Querschüsse und Tricks, daß er erwäge „de ne s’en rompre plus la teste, voyant que ce seroit peine perdue, et laisser aller les choses comme elles pourront“540. Dazu paßt, daß Ferdinand damals den Anregungen Lunas eine glatte Absage erteilte, gemeinsam dagegen zu protestieren, daß die Schließung des Konzils angestrebt werde, bevor die wichtigsten Reformen auf den Weg gebracht wären; zur Begründung verwies er auf die der Reformvorlage innewohnende Tendenz, ihm – Ferdinand – die Schuld für einen Mißerfolg zuzuschieben; und den Vorschlag, im Falle der Aufhebung seinen Untertanen zu befehlen, zusammen mit den Spaniern in Trient zu bleiben, qualifizierte er als töricht, weil Deutsche gar nicht präsent waren541. Das ursprüngliche Ziel, den Protestanten die Tür zur Rückkehr zu öffnen, war durch die Verwerfung von mehreren ihrer wesentlichen Lehrauffas- sungen längst verfehlt542. Wie sehr die seit langem am Kaiserhof vorhandene Skepsis durch die Reformvorlage angewachsen war, brachte Seld in einem Brief an Luna drastisch zum Ausdruck: Das Konzil sei „apud homines nostros“ so verhaßt, daß es der Beredsamkeit eines Cicero bedürfe, um etwas zu seiner Förderung zu erreichen543. Die argumentative Seite dieser Einstellung bietet ein längeres, etwas später entstandenes Memorandum, in dem eine sehr negative Bilanz des Konzils gezo- gen wurde; der Autor ist bisher nicht ermittelt, doch hat Seld es durchgearbei- tet, und die Aspekte dürften auch dem Kaiser vorgetragen worden sein544. Darin wurden einerseits die Erwartungen Ferdinands, andererseits die Kritik an der Konzilswirklichkeit eindringlich zusammengestellt: (1) Im Blick auf Deutschland ist die Synode ein Fehlschlag, denn sie wurde begonnen, um die Protestanten zurückzugewinnen, aber die haben die Teilnahme verweigert; wären sie gekommen, hätte der Kaiser ihnen in manchen Punkten beipflichten müssen, was ihm Haß von der Gegenseite eingetragen hätte. Ebensowenig ha- ben sich die deutschen Bischöfe zum Besuch bereit gefunden, und die jüngsten Überfälle auf Münster und Würzburg geben ihnen sogar recht545; infolgedessen war niemand da, der den Kaiser bei der Vertretung der deutschen Belange mit gründlicher Sachkenntnis unterstützen konnte. (2) Leider ist die Versammlung auch kein Universalkonzil geworden. Vielmehr wird sie von den Italienern dominiert, die stets der kurialen Ansicht zum Sieg verhelfen. Die Abhängigkeit 540 Le Laboureur 2, S. 444: An Katharina, 26.8.1563 541 HHStA Wien, RK RelA 11 Konv. August, fol 191r-192v: Luna an F., 17.8.1563 (Or.); Sickel, Konzil, S. 591ff: F. an Luna, 31.8.1563; vgl. Chudoba, Relaciones, S. 346f 542 Vgl. dazu F. an Luna, 2.10.1563 (Sickel, Konzil, S. 612f, die ausgelassenen ersten Sätze ergänzt NB II 3, S. 455 Anm. 2) 543 NB II 3, S. 448 Anm. 1 (v. 1.10.1563) 544 HHStA Wien, RK RelA 12 Konv. Sept., fol 95r-100r (Druck bei Sickel, Konzil, S. 625ff). Stein- herz (NB II 3, S. 453 Anm. 3) vermutete den Autor im Beraterkreis Maximilians, die Erwägung Sickels, das Stück könne von einem Mitarbeiter Delfinos stammen, hat er widerlegt; sie verbietet sich auch aus inhaltlichen Gründen. Terminus ante quem non ist der Überfall Grumbachs auf Würzburg (4.10.1563). Insofern hat es den hier erörterten Entscheidungsprozeß nicht beein- flußt, sondern bietet eine Rechtfertigung. 545 Zur Sache vgl. Kap. 8, S. 555f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
zurück zum  Buch Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser