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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 498 -
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums498 von Rom ist nicht abgestellt worden. (3) Die Arbeitsweise war ineffektiv, wie vor allem die Residenzdebatte gezeigt hat. Besser wäre die Bildung von Depu- tationen nach Nationen gewesen, aber da hat der Kaiser tauben Ohren gepre- digt546. Bei den Beratungen über den Laienkelch hat sich überdies die Manipu- lierbarkeit der Väter erwiesen, als die Konzession gegen die Empfehlungen der Mehrzahl der Theologen abgelehnt wurde. Daß die Frage, ob dem Papst oder dem Konzil die Superiorität zukommt, nicht ausgeklammert werden konnte, birgt gefährlichen Zündstoff. (4) Zu seinen beiden Hauptaufgaben hat das Kon- zil wenig geleistet: Auf dem Felde des Glaubens sind die erzielten Ergebnisse glanzlos, aber die Mahnung des Kaisers, bei Abwesenheit der Protestanten loh- ne sich die Erörterung dogmatischer Fragen nicht, wurde mißachtet. Die Re- form aber hat Blei an den Füßen; die des Klerus wäre erwünscht, doch fehlt es an Leuten, die sie umsetzen; der Artikel zur Fürstenreform wärmt jahrhunder- tealte Streitfragen wieder auf. Die Quintessenz lautete, selbst wenn das Konzil noch hundert Jahre dauere, werde es nichts bessern, und Widerstand gegen seine Auflösung sei sinnlos, da mit dem Papst auch die meisten beteiligten Na- tionen kein Interesse mehr daran hätten. Darum sei es vernünftiger, wenn der Kaiser „cum bona gratia“ des Papstes das mitmache, was sonst gegen seinen Willen geschehen würde. Das bedeutete, unter Mitnahme der angebotenen Ge- genleistungen die Schließung zu akzeptieren. Die kaiserlichen Oratoren hatten von dieser wichtigen Kursänderung noch keine Kenntnis, als in Trient am 2. Oktober die Beratungen über den ersten Teil der Reformvorlage abgeschlossen wurden. Sie handelten durchaus im Rahmen ihrer Instruktionen, als sie abermals von der Konzilsleitung verlangten, die „Fürstenreform“ noch nicht zur Debatte zu stellen547. Das letzte Schreiben, das ihnen vom Kaiserhof zugegangen war, hatte neue Instruktionen für unnötig erklärt und das Befremden des Kaisers über die grundlosen Verdächtigungen, er wolle eine „Reformatio principum saecularum“ verhindern, ausgedrückt548. Draskovich, der in seiner Eigenschaft als Bischof bei seinem Votum zum ersten Teil der Reformvorlage vorab erklärt hatte, jenes Kapitel werde die Kirche nördlich der Alpen ruinieren549, durfte sich dadurch bestätigt fühlen. Als Reak- tion auf die dilatorische Antwort der Legaten legten die Gesandten tags darauf eine schriftliche Verwahrung vor, die sie in Anlehnung an die Weisung vom 3. September formuliert hatten550. Sie wußten zudem, daß Luna eine Erklärung vorbereitet hatte, mit der er ihren Einspruch unterstützen wollte551, und die Gesandten der Republik Venedig hatten ebenfalls Vertagung beantragt. Um einen zweiten offenen Protest nach dem der Franzosen zu vermeiden, überre- 546 Es werden also mehrere von Ferdinand in Innsbruck und vorher vorgebrachte Kritikpunkte aufgegriffen. 547 Šusta 4, S. 288f: Legaten an Borromeo, 3.10.1563 548 HHStA Wien, RK RelA 12 Konv. Sept., fol 84r/v: F. an Oratoren, 26.9.1563; Beschluß darüber ebda, RHRP 20b: Eintrag zum 21.9. 549 CT 9, S. 850; Jedin, Konzil 4/2, S. 149 550 Ein Exemplar in HHStA Wien, RK RelA 12, fol 75r/v; Druck bei Le Plat 6, S. 254 551 HHStA Wien, ebda, fol 91r/v, von Luna am 5.10.1563 übersandt, von den Oratoren bereits am 28.9. erwähnt (Sickel, Konzil, S. 617 bzw. S. 607). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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