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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 499 -
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Zustimmung Ferdinands zur Beendigung des Konzils 499 deten die Legaten die Vertreter Ferdinands, bis zum Eintreffen der von ihnen binnen weniger Tage erwarteten nächsten Postsendung vom Kaiserhof stillzu- halten552. Intern aber trafen sie nun angesichts der nahezu einhelligen Ableh- nung des problematischen Kapitels durch die weltlichen Mächte – auch von italienischen Fürsten kamen Einwände553 – die von Rom im voraus gebilligte Entscheidung, den Punkt von der Tagesordnung abzusetzen554. Am 8. Oktober stimmte die Mehrheit des Konzils dem von Morone selbst eingebrachten und begründeten Antrag zu555. So konnte sich Kaiser Ferdinand in dieser Einzelfra- ge durchsetzen, einerseits dank seiner Hartnäckigkeit sowie der Unterstützung durch mehrere führende weltliche Mächte, andererseits infolge der Prioritätset- zung des Papstes, alles wegzuräumen, was das Konzil zu verlängern drohte. Zwei Tage später erhielt Morone die Erfolgsmeldung Delfinos einschließlich der von jenem konzipierten Ergänzungen zur Instruktion für die kaiserlichen Oratoren. Befriedigt konnte er in einer Lagebeurteilung konstatieren, daß Fer- dinand, obwohl er mehr erwartet hatte, das Gros der Reformvorlage passieren lassen und keine Einwände erheben wollte, wenn das Konzil schon in der näch- sten, für den 11. November angesetzten Session abgeschlossen würde. Die in Preßburg als „via media“ gefundene Lösung, wie die „Fürstenreform“ zu ent- schärfen sei, fand seinen Beifall, obwohl ihm das Risiko einer Rechtsverwah- rung seitens des Kaisers noch nicht ganz ausgeräumt erschien556. Ferdinands Gesandte stießen daher auf offene Ohren bei Morone, als sie ein paar Tage spä- ter streng vertraulich den Vorschlag machten, eine von ihnen verfaßte Überar- beitung der Anregung Delfinos als päpstliche Vorlage einzubringen557. Ange- sichts der scharfen Kritik, die von mehreren Parteigängern der Kurie in Trient an der Intervention Ferdinands geübt worden war, war dieser Kunstgriff das beste Verfahren, um den Kaiser aus der Schußlinie zu bringen. In Rom war man froh, die für die angestrebte Schließung gefährliche Klippe so elegant umschif- fen zu können558. Der den Konzilsvätern schließlich zur Abstimmung vorge- legte Text beruhte auf dem Entwurf der kaiserlichen Oratoren559, von dem umfangreichen Kapitel war nur noch ein geringer Rest geblieben. Morone war sich darüber klar, daß es doch noch einer weiteren Session be- durfte, um alle in Angriff genommenen Themen ordnungsgemäß abzuschließen. Ebenso wie Delfino machte er sich Sorgen, Ferdinand könne durch Luna wie- 552 Legaten an Borromeo, 4.10.1563 (Šusta 4, S. 289ff); Oratoren an F., 3.10. (Sickel, Konzil, S. 614ff) u. 11.10. (HHStA Wien, RK RelA 12 Konv. Okt., fol 71r/v) 553 Ganzer, Konzil, S. 41f; Jedin, Politica, S. 491ff 554 Šusta 4, S. 294: Legaten an Borromeo, 7.10.1563 555 Morones Ansprache CT 9, S. 880f; vgl. Lecler, S. 514f 556 Constant, Légation, S. 304ff (= Šusta 4, S. 307ff): Morone an Borromeo, 10.10.1563; Jedin, Kon- zil 4/2, S. 136 557 Šusta 4, S. 326f: Morone an Borromeo, 18.10.1563; der Text des Kompromißvorschlags bei Prosdocimi, S. 62ff 558 Šusta 4, S. 350ff: Borromeo an Legaten, 23.10.1563. Der Nepot nannte es ein „verwünschtes Kapitel (benedetto capo)“ (S. 351). 559 CT 9, S. 1013f; einige Unterschiede zum Entwurf der Oratoren notiert bei Šusta 4, S. 327 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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