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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums508
se“618. Morone erklärte den kaiserlichen Konzilsoratoren ausdrücklich, der
Papst werde alles tun, was der Kaiser in diesen Angelegenheiten wünsche und
er selbst durch Dudith zugesagt habe, wenn jetzt das Konzil sein Ende finde619,
und bestätigte dem Kaiser schriftlich, er habe dem Papst die Erfüllung der kai-
serlichen Wünsche nahegelegt620. In der Tat hatte er in einem Schreiben an Bor-
romeo geraten, insbesondere dem Begehren nach Gewährung des Kelches in
des Kaisers Ländern zu willfahren621. Bessere Bürgschaften für den von Delfino
ausgestellten Wechsel waren nicht denkbar. In seiner Antwort an Morone
machte Ferdinand deutlich, daß er die Einlösung jener Versprechen erwarte-
te622.
In Kenntnis der päpstlichen Zusage erneuerte Ferdinand das Ansinnen an die
rheinischen Erzbischöfe, eine gemeinsame Gesandtschaft nach Rom zu schik-
ken623, und er wiederholte die Aufforderung, nachdem die Nachricht vom Ende
des Konzils am Hofe eingetroffen war624. Aber die deutschen Oberhirten zö-
gerten weiter. So verzichtete Ferdinand Anfang 1564 auf ihre Beteiligung mit
der Maßgabe, daß sie die erzielten Ergebnisse akzeptieren und gemeinsam mit
dem Kaiser umsetzen würden. Mithin blieb nur Bayern als sicherer Partner,
außerdem wollte Ferdinand die Bedeutung der Aktion durch Einbeziehung
eines von Maximilian in seiner Eigenschaft als Römischer König zu benennen-
den Delegierten erhöhen625. Als Leiter der Gesandtschaft wurde Dudith auser-
sehen, eine plausible Wahl, denn der Bischof war in Trient wacker für die Ge-
währung des Kelches eingetreten und wußte überdies am besten, was Morone
im Sommer 1563 angeboten hatte. Sein gutes Verhältnis zu dem Kardinal, auf
dessen Unterstützung des Gesuchs man am Kaiserhof baute, war sicher ein
weiterer Grund für seine Berufung626.
Indessen wurde Dudiths Sendung kurzfristig abgeblasen, weil Delfino plötz-
lich intervenierte und Ferdinand davon überzeugte, es sei für sein Anliegen
vorteilhafter, die Verhandlungen statt durch eine Aufsehen erregende Sonderge-
sandtschaft diskret durch Arco führen zu lassen627. Ferdinand, der annahm, der
Nuntius handele aufgrund eines geheimen päpstlichen Auftrages, beschloß, die
Empfehlungen Delfinos zu befolgen628. Sie leuchteten auch darum ein, weil der
618 Sickel, Konzil, S. 610: Arco an F., 15.10.1563; der Brief wurde am 29.10.1563 im Geheimen Rat
besprochen (HHStA Wien, RHRP 20b).
619 Constant, Concession 1, S. 481f (nach dem Bericht der Oratoren v. 2.11.1563 in HHStA Wien,
RK RelA 12)
620 HHStA Wien, RK RelA 12 Konv. Nov., fol 4r/v: Morone an F., 2.11.1563; Teildruck NB II 3, S.
472
621 Constant, Légation, S. 304ff: Morone an Borromeo, 10.10.1563 (bes. S. 309f)
622 Constant, Légation, S. 391f: F. an Morone, 20.11.1563
623 Bucholtz 8, S. 675; Constant, Concession 1, S. 455
624 NB II 4, S. 45 Anm. 2
625 HHStA Wien, RHRP 23, fol 1r: Eintrag zum 3.1.1564
626 Vgl. dazu den Brief Maximilians an F. v. 22.12.1563 (Hopfen, S. 207)
627 Delfinos Argumente sind referiert im Brief Ferdinands an Maximilian v. 27.1.1564 (Chmel, Zwei
Briefe, S. 29ff).
628 HHStA Wien, RHRP 23, fol 16v/17r: „Darauf ir Mt. ir bedencken verendert und sich entschlos-
sen nit zu schicken“.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien