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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 521 -
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Ferdinands Erfahrungen mit Landfriedenseinungen bis 1556 521 keit der beiden Initiativen, um darauf eine eigene „weitausgreifende Befrie- dungskonzeption“ aufzubauen25. In seiner „amtlichen“ Antwort an den Kaiser berührte er jedoch mit keinem Wort die Offerte des Wettiners, deren Verfäng- lichkeit ihm zweifellos bewußt war26. Um so mehr bemühte er sich in einem parallel verfaßten persönlichen Brief an den Bruder, dessen wohlwollendes Interesse dafür zu wecken27. Besonders vorteilhaft erschien Ferdinand daran, daß das Bündnis sogar zur Verteidigung Böhmens und der österreichischen Erblande gegen die Türken verpflichtet sein sollte, was von früheren Einungen nicht zu erlangen gewesen war, und daß Moritz weitere Stände aus dem mittel- deutschen Raum („de son quartier“) zur Teilnahme auffordern wollte. Der König meinte, es gäbe dort viele Fürsten, die Frieden und Ruhe wünschten und gern in einer Einung mit dem Kaiser und „notre maison“ verbunden wären, den Eintritt in den oberländischen Bund aber wegen der großen Entfernung ab- lehnten. Außerdem könne man sie – insbesondere Moritz – auf diese Weise daran hindern, Bündnisse zum Nachteil von Kaiser und Reich, etwa mit Frank- reich, einzugehen. Das Weiterführende in Ferdinands Plan war der Gedanke, anstatt nur einen vom Kaiser zu leitenden Bund anzustreben, dessen Aufgabenbestimmung größte Schwierigkeiten bereiten mußte, beide Projekte zunächst gleichermaßen als regionale Bünde zu realisieren, die in ihren Bereichen, dem mitteldeutschen bzw. dem mit solchen Einungen länger vertrauten oberdeutschen, die Sicherung des Friedens übernehmen könnten. Weil aber sowohl der Kaiser als auch er selbst beiden Bünden angehören und mithin gewichtigen Einfluß haben würden – „votre maieste demeure le chief de toutes deux“28 –, würde die Möglichkeit zur Kooperation der beiden Organisationen im Interesse von Kaiser und Reich gewährleistet sein. Ferdinand schwebte also vor, beide Bünde durch seine eige- ne und des Kaisers Beteiligung miteinander zu verklammern. Das war gleich- sam die überregionale Komponente in seiner Überlegung. Von der Notwendigkeit, eine funktionierende Organisation zur Sicherung des Landfriedens und damit verbunden zur Befestigung der habsburgischen Macht im Reich zu haben, war Ferdinand grundsätzlich überzeugt29. In den Verhandlungen über die Regelung der Nachfolge im Frühjahr 1551 hatte er den Kaiser zu einer neuen Initiative aufgefordert, war von Karl aber ausweichend beschieden worden30. Für eine eigene Aktion hatte er damals, da das Verhältnis zum Bruder sehr strapaziert war, keinen Spielraum. Doch jetzt nahm er sich nicht nur die Freiheit, dem Kaiser zu sagen, wenn man sich früher um eine neue Einung gekümmert hätte, wäre es kaum zum Aufstand der Fürsten gekom- 25 Luttenberger, Landfriedensbund, Teil 1, S. 13. 26 Am 10.12.1552 hatte er seinen Geschäftsträger am Kaiserhof angewiesen, dortige Gerüchte zu dementieren, daß Maximilian ein Bündnis mit Moritz habe (Druffel 2, Nr. 1849, S. 830f). 27 F. an Karl, Graz, 16.12.1552 (franz.), bei Lanz, Corr, 3, S. 525–528 28 Ebda, S. 526. 29 Vgl. Lutz, Christianitas, S. 115 30 Druffel 3, S. 178 (Punkt 7 einer Reihe von Anregungen des Königs) und S. 183 (Karls Antwort); dazu Salomies, S. 149 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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