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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich526
Die Zuspitzung der Kriegslage durch den Zug des Markgrafen Albrecht Al-
kibiades nach Niedersachsen nötigte kurzfristig zur Verschiebung der Zeitzer
Folgekonferenz in den Herbst, und der Schlachtentod des Kurfürsten Moritz
beraubte Ferdinand des Partners, auf dessen Mitwirkung das Egerer Bundes-
projekt aufgebaut war. Dennoch hielt er an den Grundzügen seiner Konzeption
fest56; das beweisen die umgehende Kontaktaufnahme zu dem neuen sächsi-
schen Kurfürsten August, damit dieser die Bundespolitik seines Bruders fort-
setze57, und der jetzt gefaßte Entschluß, doch auf das ihm seit Mitte Mai vorlie-
gende Angebot Herzog Albrechts von Bayern einzugehen und über einen Bei-
tritt zum Heidelberger Bund zu verhandeln, obwohl diese pure Fürstenliga ein
anderer Bundestyp war als die früheren Einungen.
Der Bayernherzog hatte den Gedanken an zwei miteinander kooperierende
Bünde ja selbst dem Kaiser nahegelegt, ehe er sich von Christoph von Würt-
temberg für den Heidelberger Verein gewinnen ließ. Bei dessen Gründung hatte
er bereits angeregt, Ferdinand als Herrn der österreichischen Vorlande zum
Beitritt einzuladen, was aber am Einspruch Württembergs gescheitert war58.
Dennoch trat er schon im Mai mit diesem Vorschlag an seinen Schwiegervater
heran. Er begründete seinen Schritt mit der Voraussage, die noch bevorstehende
zweite Memminger Konferenz werde ergebnislos bleiben, und entwickelte die
Perspektive, der durch weitere Fürsten zu verstärkende Heidelberger Bund
könne dann mit der sächsischen Einung zusammenarbeiten59. Der Unterschied
zu Ferdinands Konzeption lag darin, daß nach Albrechts Vorstellung der König
allein, nicht aber auch der Kaiser, in beiden Vereinigungen Mitglied wäre60.
Solange indessen die Entscheidung über den süddeutschen Bund des Kaisers
nicht gefallen war, konnte Ferdinand nicht auf diese Einladung eingehen, denn
das hätte Karl als Affront auffassen müssen61.
Nach Moritz’ Tod wirkten Fortschritte und Stagnation bei dem einen Pro-
jekt in der Regel auf Ferdinands Schritte bei dem anderen zurück. Zasius erhielt
Anfang August den Auftrag, mit Herzog Albrecht Vorgespräche zu führen62,
denn eine Ablehnung des königlichen Aufnahmegesuchs durch die anderen
Mitglieder mußte natürlich vermieden werden. Ferdinand legte Wert darauf zu
betonen, er werde nur mit Einverständnis des Kaisers beitreten, worüber sich
Albrecht verwundert zeigte63. Doch scheint der König den Bruder erst relativ
kurz vor der Vereinstagung in Heilbronn, die für den 12. September angesetzt
war, informiert zu haben. Karls Mitteilungen über seine Sondierungen bei Chri-
stoph von Württemberg wegen eines Beitritts sämtlicher Mitglieder des Heidel-
56 Völlig verzeichnet ist Ferdinands Politik im Jahr 1553 bei Hartung, Karl V., S. 134f.
57 Druffel 4, S. 228; vgl. Luttenberger, Landfriedensbund, Teil 1, S. 30
58 Sicken, Verein, S. 340
59 Druffel 4, S. 156f: Instruktion Albrechts für Hundt zum Vortrag bei Ferdinand. Die Billigung
Herzog Christophs holte Albrecht erst im Nachhinein ein (Ernst, Bw. 2, S. 134).
60 Luttenberger, Landfriedensbund, Teil 1, S. 24 Anm. 77 bringt dafür einen weiteren Quellenbeleg.
61 Dagegen befürwortete Maximilian den Vorschlag; vgl. seine Briefe an Albrecht (Druffel 4, S.
157f und S. 201 Anm. 2); den zweiten Brief teilte Albrecht wörtlich Herzog Christoph mit
(Ernst, Bw. 2, S. 219).
62 Instruktion für Zasius v. 2.8.1553 (Druffel 4, S. 232f)
63 Zasius’ Bericht v. 15.8.1553 über seine Audienz bei Albrecht (Druffel 4, S. 240ff)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien