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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 529 -
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Ferdinands Erfahrungen mit Landfriedenseinungen bis 1556 529 hatte80. Gerade sein wichtigster Zusatzpunkt für die Gründungsverhandlungen in Zeitz, daß die Verteidigung seiner Gebiete gegen den Markgrafen eine Bun- desaufgabe sein sollte, stieß bei August auf Abwehr. Außerdem hatte der Kai- ser, nachdem das Scheitern des süddeutschen Bundes in Brüssel zu einer grund- sätzlichen Korrektur des bisher skeptischen Urteils über das sächsische Projekt geführt hatte, seit Anfang Juli deutlich seine Zielsetzung erkennen lassen, durch die Einbeziehung sowohl niederdeutscher als auch rheinischer und süddeut- scher Reichstände den mitteldeutschen Kern zu einem umfassenden Reichs- bund zu erweitern81. Anders als Ferdinand, der in allen Einzelheiten die Ab- stimmung mit Moritz gesucht hatte, hatte Karl ohne vorherige Ankündigung Einladungen an führende süddeutsche Reichsstände zur Teilnahme an der Zeit- zer Versammlung ergehen lassen82. Obwohl das seiner eigenen Konzeption zuwiderlief, blieb Ferdinand nur übrig, die Initiative des Kaisers, von der er erst nach der Sievershausener Schlacht erfuhr, zu begrüßen und zu versprechen, die Sache nach Kräften zu fördern83. In einer zweiten Werbung bestätigte Karl dem württembergischen Herzog, daß „beide pundnus zusammengezogen werden“, und noch mehr „ansehnliche“ Reichsstände hinzugezogen werden sollten, also die Verschmelzung zum „Reichsbund“ intendiert war84. An den Gründen für Ferdinands Interesse an der sächsischen Einung hatte sich gleichwohl nichts geändert, und so blieben auch die wesentlichen Passagen seiner Instruktion für die Fortsetzung der Gründungskonferenz unverändert, als die Zeitzer Tagung im Herbst nachgeholt wurde85. Primär ging es dort ja darum, den mitteldeutschen Bund überhaupt ins Leben zu rufen. Da der kai- serliche Kommissar Lazarus von Schwendi sich von der starken Verstimmung seines Herrn über die eigenständige Politik des Römischen Königs86 nicht an- stecken ließ, funktionierte in Zeitz die von Ferdinand angeordnete Zusammen- arbeit der habsburgischen Vertreter recht gut. Schwendi hatte erkannt, daß die deutschen Fürsten ein tiefes Mißtrauen gegen Karl V. erfaßt hatte – „toutes les tractations que Sa Mte Emperialle met en avant pour le bien public sont par eux abhorries“ –, während er Ferdinand zutraute, dem entgegenwirken zu können: „Et si votre Mte, selon son tres saincte intentions, y pourront en cela faire quel- 80 Trefftz, S. 107; Chr. Bauer, S. 448ff 81 Zu Karls Absichten Salomies, S. 200; Lutz, Christianitas, S. 213; Laubach, König Ferdinand, S. 176 (mit Nachweisen). 82 Ernst, Bw. 2, S. 199f: Instruktion Karls v. 26.6.1553 für die Werbung bei Herzog Christoph 83 HHStA Wien, Belgica PA 9/2 (neu), fol 52r/v: F. an Karl, 26.7.1553 (zu kurzer Auszug bei Druffel 4, S. 221). Die von Salomies, S. 202, und Lutz, Christianitas, S. 213, vorgetragenen Ar- gumente, Ferdinand habe den kaiserlichen Bundesplan insgeheim boykottiert, sind nicht stich- haltig (vgl. Laubach, König Ferdinand, S. 177 Anm. 293). 84 Ernst, Bw. 2, S. 272: Instruktion v. 10.8.1553 85 HHStA Wien, RK Rig 19, fol 41r-46v: Konzept der Instruktion v. 10.9.1553; Grundlage war die Instruktion vom 17. Juni (s. oben Anm. 55). Trotz vieler – teilweise wieder gestrichener – Kor- rekturen blieb das Wesentliche erhalten. Verworfen wurde diesmal der Hinweis, daß man even- tuell für die vorderösterreichischen Gebiete Hilfe gegen Frankreich beanspruchen könnte (fol 44r/v). 86 Sehr herbe Kritik übte Karl in seinem Brief vom 26.8.1553 (Lanz, Corr. 3, S. 584ff) CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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