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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 532 -
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Kapitel 8: Friedenssicherung im Reich532 Als sich im März abzeichnete, daß der neue Pfälzer Kurfürst Ottheinrich die Verlängerung seinerseits ablehnte99, stimmte Ferdinand mit seinen Räten und mit Bayern überein, daß die Fortsetzung des Heidelberger Vereins ohne die beiden protestantischen Mitglieder untunlich sei100, weil das „anders nichts als ain neuen starken und offentlichen contrapunt bei dem tail der anderen religion verursachen“ und das Mißtrauen in der Region vergrößern würde101. Doch bedeutete sein Zweifel am Nutzen dieser Allianz keine Abwendung vom Bun- desgedanken an sich. Vielmehr ging Ferdinand ohne Zögern gleich danach auf die Anregung Herzog Albrechts ein, einen neuen Bund zu gründen, bevor noch die Auflösung des Heidelberger Vereins beim Wormser Bundestag im April durch den Austritt Ottheinrichs und danach auch Christophs von Württemberg besiegelt worden war102. Von besonderem Interesse an dem bayerischen Vorschlag ist die anvisierte Zusammensetzung der neuen Einung. Sie lief eindeutig auf eine Wiederbele- bung des Schwäbischen Bundes hinaus, denn die traditionelle habsburgische Klientel im schwäbischen Raum sollte ausnahmslos zum Beitritt aufgefordert werden: Die Bischöfe von Augsburg und Konstanz, alle Prälaten, Grafen und Herren in Schwaben, die Städte Augsburg und Ulm sowie die anderen kleinen „oberländischen“ Reichsstädte, außerdem der Erzbischof von Salzburg mit seinen Suffraganen „in und an Baiern gelegen“. Allerdings wollte Herzog Al- brecht den Einfluß der Städte beschneiden, denn sie sollten – anders als im Schwäbischen Bund – keine besondere Bank erhalten; das Gewicht ihrer Stim- men sollte also vermindert werden. Später sollte auch Christoph von Württem- berg zur Teilnahme eingeladen werden, aber von der Gründung wollte Al- brecht den fürstlichen Verwandten fernhalten103. Der König beauftragte umge- hend die Innsbrucker Regierung, die Verhandlungen mit Bayern zu führen, ordnete an, die Gesandten sollten „die sachen so vil ymer muglich“ fördern und keine Schwierigkeiten machen, weil ihm „nach gestalt und gelegenhait jetziger schwerer leuff an furderung sölcher nachparlichen verstendnuß zu schutz und schirm unserer getrewen oberösterreichischen landen und leuthen trefflich vill gelegen“104. Sinn dieser Beratungen konnte nur sein, sich mit Bayern als wich- tigstem Partner so weit wie möglich über den Mitgliederkreis und die Einzel- heiten der Satzung zu verständigen. In der Folgezeit drängte Ferdinand ener- gisch auf rasche Verwirklichung des Projektes und ließ sich weder von Beden- ken seiner Innsbrucker Räte noch von Albrechts Zaudern bremsen. Dabei be- jahte er ausdrücklich den durch die Aufnahme der protestantischen Städte pro- grammierten überkonfessionellen Charakter des Bundes, dagegen vorgebrachte Einwände aus Innsbruck schob er mit der Bemerkung beiseite, Herzog Al- 99 Goetz, Beiträge, S. 7 Anm. 2; Kurze, S. 38 100 Am 23.3.1556 stimmte Ferdinand diesen Erwägungen seiner Innsbrucker Regierung ausdrück- lich zu (HHStA Wien RK Rig 31 = Antwort auf Goetz, Beiträge, S. 9f). 101 Zasius an F., 24.3.1556 (Goetz, Beiträge, S. 12) 102 HHStA Wien, ebda: Abschied des Wormser Bundestages v. 15.4.1556 103 Goetz, Beiträge, S. 16f: Zasius an F., 4.4.1556 104 HHStA Wien, RK Rig 34, fol 19r-20v: F. an Regierung in Innsbruck, 10.4.1556; vgl. Goetz, Beiträge S. 18 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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