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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 535 -
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Gründung und erste Erweiterung des Landsberger Bundes 535 hauptmann die Leitung hatte haben sollen, dessen Ernennung dem Kaiser oder König überlassen war, wurde hier eine Doppelspitze von zwei Obersten gebil- det, die sich in der Geschäftsführung abwechseln sollten. Da von den vier Gründungsmitgliedern nur Albrecht von Bayern und Ferdinand selbst dafür in Frage kamen – durch einen „Nebenabschied“120 wurden beide zu Bundesober- sten berufen –, bestand der Sinn der Bestimmung zweifellos in der Außenwir- kung, daß es kein vom König dominierter Bund werden könne. Mit seiner Wei- gerung, selbst das Amt zu übernehmen oder es einem seiner Söhne zu übertra- gen, könnte Ferdinand beabsichtigt haben, diesen Eindruck zu bekräftigen, denn seine Argumente, mit denen er Herzog Albrecht die Geschäftsführung zuschob, waren wenig überzeugend: Er selbst sei zu sehr von anderen Dingen beansprucht und seine Söhne seien „zu weit entsessen“, Maximilian überdies zur Zeit verreist121. Als Zweck des Bundes wurde die Gewährleistung des Landfriedens, „doch allain defensive“ proklamiert. Im ersten Artikel wurde in Anlehnung an Formeln des Augsburger Reichstagsabschieds und unter aus- drücklicher Nennung des Religionsfriedens die jeweilige Religion der Bundes- mitglieder respektiert122. Des Kaisers wurde nur durch die übliche Ausneh- mungsklausel gedacht; ob Ferdinand den seine Abreise nach Spanien vorberei- tenden Bruder von dem Projekt informiert hat, geht aus der erhaltenen Korre- spondenz nicht hervor. Die vereinbarte Geltungsdauer von sieben Jahren war kürzer als die früherer Einungen, aber mehr als doppelt so lang als die des Hei- delberger Fürstenvereins. So war der Landsberger Bund zunächst nichts anderes als ein Nachbar- schaftsbündnis mit wesentlich geringerer Reichweite als die früheren Landfrie- denseinungen. Trotz des in der Gründungsphase gezeigten Interesses hat es den Anschein, daß die neue Liga in den politischen Überlegungen Ferdinands zu- nächst nur einen nachgeordneten Stellenwert hatte, denn von seiner Seite ge- schah recht wenig, um den Ausbau voranzutreiben. Die angestrebte Einbezie- hung des Adels und der Reichsstädte in Schwaben kam nicht voran123. Vorder- gründig lag es daran, daß Zasius, der die Werbungen hatte durchführen sollen, wegen Überarbeitung eines Erholungsurlaubs bedurfte124 und danach am Reichstag in Regensburg teilnehmen mußte. Eine tiefere Ursache könnte die zu dieser Zeit erfolgte Konsolidierung der schwäbischen Kreisorganisation gewe- sen sein125, eine andere ein Prestigeverlust der Habsburger bzw. Ferdinands im schwäbischen Raum als Folge der Mediatisierung der Reichsstadt Konstanz nach dem Schmalkaldischen Krieg: Eine deswegen vom Schwäbischen Kreis vorgetragene Beschwerde wies Ferdinand im April 1556 mit dem Argument zurück, es müsse zum Besten des Reiches wie seiner Erblande verhindert wer- den, daß der König von Frankreich diese strategisch wichtige Stadt in seine 120 Druck bei Häberlin 17, S. LI-LVII 121 HHStA Wien, RK Rig 34, fol 257r-258v: F. an Albrecht, Wien, 23.6.1556 122 Häberlin 17, S. XIIf 123 Auf der Gründungskonferenz war diese Absicht bekräftigt worden (Goetz, Beiträge, S. 34). 124 Nach seinem Brief an Ilsung bei Hopfen, S. 179f 125 Laufs, S. 308f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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