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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich542
Herbst, als das Ende der Kriegssaison abzusehen war, mit einem modifizierten
Vorschlag an die Kurfürsten und ausgewählte Fürsten. Er forderte sie auf, sich
zur Vorsorge gegen Übergriffe jener Verbände „mit einer solchen stadtlichen
anzahl kriegsvolck, sonderlich zu roß“ gerüstet zu halten und ihm mitzuteilen,
wieviele Reiter und Fußtruppen jeder von ihnen zur Not aufbieten könne; zur
Begründung führte er an, erwiesenermaßen sei die Reichsexekutionsordnung
unwirksam geblieben, und auf diese Weise könne verhindert werden, daß ir-
gendein Fürst die heimkehrenden Soldaten in Dienst nehme und dadurch Un-
ruhe stifte177.
In nuce war das die Idee, im Reich eine Art Polizeitruppe zu schaffen, deren
Einsatz vom Kaiser nach Bedarf zu lenken wäre, ein Gedanke, den Ferdinand
anläßlich der durch die Täuferherrschaft in Münster ausgelösten Beunruhigung
unter den Fürsten im Frühjahr 1535 schon einmal bei Kaiser Karl V. zur Spra-
che gebracht hatte178. Damals hatte er vorgeschlagen, im Reich eine „armée
ordinaire“ von 10000 Fußknechten und 3000 Berittenen aufzustellen zu dem
Zweck, „la continuer ordinaire en l’Empire ou partie d’icelle pour lentretene-
ment de la paix, manutacion de la justice, laquelle en temps de pacification se
pourrait moderer et diminuer a moindre d’espece“179. Und gegenüber Philipp
von Hessen hatte er von einem „gteilt here in teutscher nation“ gesprochen, das
zur Hälfte vom Kaiser und zur Hälfte von den Ständen finanziert werden sollte,
und „wo sich irgent ein ufrur zutruge da solt sollich here wirckken“180. Jedoch
hatte Karl V. den Gedanken wegen fehlender Möglichkeiten zur Finanzierung
abgewiesen.
Im Vergleich zu seinem damaligen Vorstoß könnte man sagen, daß Ferdi-
nands Anregung diesmal eine stärkere „föderalistische“ Komponente inne-
wohnte. Die abweisende Reaktion Christophs von Württemberg, der Kaiser
solle doch die Kreise einschalten181, läßt des Herzogs Argwohn erkennen, Fer-
dinand beabsichtige, die seit 1555 gültige Ordnung auszuhöhlen. Das war eine
Variante der Befürchtung anderer Protestanten, der Kaiser könne seinen gerade
bekannt gewordenen Streit mit dem Papst durch Preisgabe des Religionsfrie-
dens beizulegen suchen182. Beides lag Ferdinand fern. Da Markgraf Hans von
Brandenburg-Küstrin – der zum Empfang seiner Lehen nach Wien gereist war
– es übernahm, die Idee des Kaisers bei den ostdeutschen Kurfürsten, also bei
seinem Bruder Joachim sowie bei August von Sachsen, zu vertreten183, mag
177 HStA Marburg, PA 2809, fol 79r-80v: Werbung des Markgrafen Hans bei Kurfürst August,
10.10.1558, Kopie für den Landgrafen Philipp; vgl. Heidenhain, Beiträge, S. 59f u. S. 133; Ernst,
Bw. 4, S. 560f: Hg. Christoph an Ottheinrich, 4.10.1558. Ferner HHStA Wien, RK Rig 35, fol
338r-341v: Instruktion Ferdinands vom 25.10.1558 für seine Vertreter beim Landsberger Bun-
destag.
178 Vgl. zum Folgenden Laubach, König Ferdinand, S. 147
179 HHStA Wien, Hs. blau 597/1, fol 82v/83r: F. an Karl, Wien, 9.4.1535
180 HStA Marburg PA 2560, fol 39r-42r: Instruktion Philipps v. 12.4.1535 für eine Gesandtschaft
zum Kurfürsten von Sachsen; das Zitat fol 40r
181 Ernst, Bw. 4, S. 561
182 Wolf, Protestanten, S. 140; Heidenhain Unionspolitik, S. 52f; Mollwo, S. 534f
183 Mollwo, S. 534f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien