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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 546 -
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Kapitel 8: Friedenssicherung im Reich546 nichts dabei herausgekommen. Als der Nuntius nach dem Grund fragte, wich der Kurfürst aus, das wisse er nicht. So aufgeschlossen Ferdinand für den Gedanken war, den Landfrieden durch regionale Bünde zu fördern, für seine vorrangige politische Zielsetzung, die Wiederherstellung der Glaubenseinheit – für die jetzt aber nach seiner in Augs- burg verkündeten Auffassung nur noch der Weg des Generalkonzils übrig ge- blieben war –, mußte sich eine konfessionelle Liga kontraproduktiv auswirken. Wie 1552/53 war es ihm zweifellos willkommen, daß der Anstoß zu Gesprä- chen über das Thema von einem Kurfürsten ausging209. Aber die den Bünden zugedachte Funktion ist in seinen Mitteilungen an Philipp II. in bemerkens- werter Weise anders charakterisiert als bei Johann von Trier. Anscheinend hat der Erzbischof zunächst den Beitritt der drei geistlichen Kurfürsten, des Herzogs von Jülich, eventuell auch des Herzogs von Lothrin- gen sowie Philipps II. zum Landsberger Bund vorgeschlagen210. Dadurch wäre nicht nur die konfessionelle Relation innerhalb dieser Einung gravierend verän- dert worden, sie hätte sich auch über das halbe Reich erstreckt. Beides konnte auf die übrigen Reichsstände, zumal die protestantischen, kaum anders als be- drohlich wirken, und Ferdinand hat diese Konsequenzen klar erkannt. Unter Hinweis auf die allzu große Entfernung zwischen den Territorien der Benann- ten einerseits, der Landsberger Mitglieder andererseits erklärte er, es wäre bes- ser, „faire deux ligues, le tout soubs lauctorite de votred. Mte“, neben dem Landsberger Bund in Oberdeutschland („la haulte Germanye“) einen zweiten „du quartier de deca“211. Unter der Leitung des Kaisers – es wird wiederholt! – sollten beide Bünde engen Kontakt halten und einander in Angelegenheiten beistehen, die größere Anstrengungen erforderten. Die Parallelen zu seiner Konzeption von 1552/53 sind unübersehbar. Der neue Bund sollte „se fit sem- blable et aux mesmes conditions de celle avant deja faicte ... aud. Landspergh“. Das aber beinhaltete nicht mehr und nicht weniger als die konfessionelle Neu- tralität und die Anerkennung des Augsburger Religionsfriedens, denn beides war ja in der Landsberger Bundessatzung verankert212, die Ferdinand etwas später der Regentin zur Kenntnisnahme zuschickte213. Daß Ferdinand Bündnisse von Reichsständen nur dann vertretbar erschie- nen, wenn sie zum Spannungsabbau im Reich beizutragen vermochten, erhellt auch aus seinem Verhalten zu der im Frühjahr 1558 von Wilhelm von Oranien überbrachten Ankündigung Philipps II., er strebe ein Bündnis mit etlichen den 209 In einem Schreiben v. 9.4.1560 an den Kurfürsten hat Ferdinand ausdrücklich festgehalten, daß „dein lieb auch erstlich die sachen selbst an uns gelangen lassen“ (HHStA Wien, RK Rig 42a). 210 Basis der folgenden Ausführungen ist ein Schreiben der – soeben ernannten – Statthalterin der Niederlande Margarete von Parma an Ferdinand (Vlissingen, 26.8.1559; Kopie im HHStA Wien, Belgien PA 88, fol 69r-70v), in dem sie die „Instruktion“ referiert, die Luna vom Kaiser mitge- bracht hatte; Maurenbrecher, HZ 50, S. 79 benutzte die „Instruktion“. 211 Die 2. Person pluralis für Ferdinand und die Wendung „auf dieser Seite“ erklären sich durch Absenderin und Empfänger des Schreibens; die Zitate fol 69v/70r. 212 Im Referat Maurenbrechers (wie Anm. 210) ist dieser entscheidende Akzent nicht enthalten. – Die bei Krause, S. 16f vorgetragenen vermeintlichen Gründe Ferdinands beruhen auf Spekulati- on. Im wesentlichen zutreffend ist Ritter, Deutsche Geschichte 1, S. 228f. 213 HHStA Wien, Belgica PA 89, fol 16r/v: F. an Margarete v. Parma, 25.10.1559 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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