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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich552
sächsische Rat Karlowitz unaufgefordert nach Wien, eine protestantische
Einung werde von Brandenburg und Kursachsen abgelehnt258, und Kurfürst
August selbst versicherte Hassenstein, er denke nicht daran, sich in ein gegen
den Kaiser gerichtetes Bündnis zu begeben259.
Es wurde schon erwähnt, wie ungelegen Ferdinand in dieser Situation die
Verleihung des geweihten Schwertes durch den Papst kam und welchen Wert er
darauf legte, deshalb jedes Aufsehen zu vermeiden260. Die Berechtigung seines
Mißbehagens zeigt die vom Pfälzer Kurfürsten Friedrich kurz nach dem
Naumburger Tag ohne jeden kritischen Vorbehalt weitergegebene Meldung,
der Kaiser habe sich kürzlich vom Papst krönen lassen, und das „sey doch also
still und gehaym zugangen, das auch vil vom hofgesindt darvon nit gewust ha-
ben, biß es geschehen“261. Sie ist ein Beispiel, wie verkehrt Ferdinand von man-
chen Protestanten eingeschätzt wurde.
Es lag auf der Linie, ja keine Anlässe zur Steigerung des Mißtrauens zu ge-
ben, wenn Ferdinand im Sommer 1561 die von Herzog Albrecht dringend ge-
wünschte vorzeitige Verlängerung des Landsberger Bundes nicht unterstütz-
te262, obwohl er den Nutzen der Vereinigung ebenso positiv beurteilte wie der
Bayer; Zasius brachte das Kunststück fertig, die bayerischen Vertreter so weit
umzustimmen, daß sie beim ersten Einwand – der von Salzburg vorgetragen
wurde – den Plan fallen ließen263.
Um die Jahreswende 1561/62, als die Eröffnung des Konzils unmittelbar be-
vorstand, gingen am Kaiserhof wiederum Berichte über protestantische Be-
fürchtungen ein, ein untrügliches Zeichen für eine neue Eskalation des wechsel-
seitigen Argwohns: Ein großes katholisches Bündnis zwischen dem Papst,
Philipp von Spanien und anderen „papistischen“ Potentaten stehe bevor, dem
auch der Kaiser zugestimmt haben sollte, und zwar mit dem Ziel, zur Vollstrek-
kung des Konzils sollten die Lutheraner sowohl in Deutschland wie in Frank-
reich „überzogen, vervolget und außgereutt werden“, wofür schon Truppen
geworben würden264. Aufgrund solcher Gerüchte machte der Schwäbische
Kreis dem neuen Bischof von Konstanz, einem Verwandten des neuen Papstes,
und auch dem Kaiser den Vorwurf, päpstliche Truppenwerbungen zu unter-
stützen, und erteilte dem Kreisobersten die Vollmacht, zur Abwehr die dop-
pelte bis dreifache Kreishilfe anzufordern265. Auch der Landsberger Bund blieb
von Beargwöhnung nicht verschont, es war davon die Rede, er solle in das an-
geblich geplante, vielleicht schon existierende große katholische Bündnis zwi-
schen Papst, Kaiser und König von Spanien einbezogen werden266.
258 Sickel, Beiträge, S. 519
259 Sickel, Beiträge, S. 549f; vgl. Goetz, Beiträge, S. 200 Anm. 1
260 Kapitel 6, S. 410
261 Kluckhohn, Briefe 1, S. 169: Friedrich an Herzog Christoph, 20.3.1561
262 HHStA Wien, Rig 35, fol 503r/v: Instruktion v. 26.6.1561
263 Goetz, Beiträge, S. 224 mit Anm. 2
264 HHStA Wien, RK Berichte aus dem Reich 6b: Zasius an F., Rheinhausen, 4.1.1562; ebda 6d, fol
158r-161v: Karlowitz an F., 25. 1.1562 (eigh.)
265 Heidenhain, Unionspolitik, S. 381f; NB II 3, S. 7 Anm. 3
266 Kluckhohn, Briefe 1, S. 211 Anm. 1
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien