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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 553 -
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Aktivitäten zur Friedenssicherung seit 1558 553 Ohne jeden faktischen Kern waren die Gerüchte ja nicht, nur war Ferdinand nach wie vor ein Gegner solcher Pläne267. Wenn die Innsbrucker Regierung Ende 1561 in einem Gutachten über die Zukunft des Landsberger Bundes ernstlich erwog, der Kaiser solle, weil es anscheinend bedrohliche Verhandlun- gen zwischen Frankreich und „etlichen fridhessigen reichsstenden“ gebe, zu- sammen mit den anderen Mitgliedern „mit etlichen christlichen potentaten, sonderlich mit der Kün. Mt. in Hispanien ain verstand“ machen, um gegen alle Überraschungen durch Gegenbündnisse gewappnet zu sein268, verfehlte sie Ferdinands Einschätzung der Lage gründlich. Er wies die Anregung nicht nur mit den Argumenten ab, die Tagung der Protestanten in Naumburg habe kein Bündnis hervorgebracht, sondern ihre Uneinigkeit sei offenkundig geworden; darüber hinausgehend berief er sich vor seinen Räten auf das Vertrauen, das er als Kaiser bei allen Reichsständen genieße, es gäbe keinen, „dem unnser fridlie- bend gemueth unnd das wir zu kainem Krieg, unrhue oder christlich bluets vergiessen lust haben nit zum allerbesten bekhandt“269. Darum hielt Ferdinand auch für die nächste Bundestagung in München im Januar 1562 an der Bedingung fest, mit Rücksicht auf das Konzil müsse alles vermieden werden, was bei den Protestanten Verdacht erregen und Anlaß zu Gegenrüstungen geben könnte270. Die von seinen Räten in Innsbruck ausgear- beitete Instruktion ging indessen noch weiter: Die Vertreter Österreichs sollten empfehlen, der Verein habe sich aus allen fremden Wirren herauszuhalten – damit hätte der Bund jeden Sinn verloren –, und die von Herzog Albrecht er- neut beantragte vorzeitige Verlängerung sei zu vertagen, „dieweil dem gegentail ursach gegeben werden möchte allerhand furzunehmen“271. Weil Österreich diesmal damit allein geblieben war, seine Kommissare aber nicht rechtzeitig eingelenkt hatten, stimmte Ferdinand nachträglich der beschlossenen Verlänge- rung um sieben Jahre ausdrücklich zu; den Beitrag des Bundes zur Friedenssi- cherung wie zur Erhaltung der kaiserlichen Autorität im Reich bewertete er insgesamt so positiv, daß er in den Verein „kain loch oder zertrennung“ machen wollte272. Für die nächste Zeit ließ die Rücksicht auf die in das entscheidende Stadium gelangten Vorbereitungen für die Königswahl Maximilians es geraten erscheinen, alle leicht mißdeutbaren bundespolitischen Aktivitäten zu unterlas- sen. Natürlich trat man den Gerüchten entgegen, der Kaiser sei an katholischen Bündnissen beteiligt oder auch nur interessiert. Auf jener Tagung des Lands- berger Bundes im Januar 1562 trugen die Vertreter Ferdinands eine eingehende Verwahrung gegen die Vorwürfe des Schwäbischen Kreises vor und stellten zur Diskussion, ob man gegen die Verleumdungen vorgehen solle; der damit ver- folgte Zweck war, die protestantischen Mitglieder als Multiplikatoren bei ihren 267 Vgl. dazu Kapitel 10, S. 623f 268 Goetz, Beiträge, S. 227–230, bes. S. 228 269 Chmel, Antwort, S. 142 270 Goetz, Beiträge, S. 227 Anm. 1 271 HHStA Wien, RK Rig 35, fol 533r-539v: Instruktion v. 3.1.1562; die zitierte Begründung aus dem Protokoll des Bundestages bei Goetz, Beiträge, S. 237 272 HHStA Wien, ebda, fol 600r-601v: F. an Albrecht, 14.2.1562 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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