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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 560 -
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Kapitel 8: Friedenssicherung im Reich560 wegen Grumbachs Rückhalt bei den Ernestinern besonders beeindruckt zeig- te323. Für den Meinungsaustausch mit dem Kurfürsten, der durch einen Besuch Maximilians in Dresden im Januar intensiviert wurde, stattete Ferdinand seinen Sohn auch mit Aktenunterlagen aus324; das Ergebnis war nachhaltige Unterstüt- zung der Habsburger durch den Wettiner während des Deputationstages, sogar bei Fragen der Geschäftsordnung325. Diese Kooperation kam zustande, obwohl zur gleichen Zeit die Gefahr eines Zerwürfnisses zwischen Ferdinand und Au- gust bestand, weil der Wettiner gegen den erklärten Willen des Kaisers das Vogtland als ihm verfallenes Pfand in Besitz nahm326. Allerdings war sich Au- gust sicher, daß Ferdinand deswegen „mit mir keynen krick anheben wirtt“, und Maximilian hat ihm bei seinem Besuch offenbar nicht nur Fürsprache zuge- sagt, sondern auch für den Fall des Regierungswechsels Entgegenkommen si- gnalisiert327. Der Kaiser erreichte, daß der Reichserzkanzler am 27. November den De- putationstag für den 4. Februar 1564 ansetzte328. Den Eingeladenen war klar, daß es nicht nur um die im Ausschreiben genannten beiden Friedensbrüche, sondern um Verbesserungen der Exekutionsordnung gehen sollte329. Welche konkreten Vorschläge man aber in Worms zur Diskussion stellen wollte, dar- über bestand am Kaiserhof zu diesem Zeitpunkt noch keine Klarheit, geschwei- ge denn eine Konzeption. Und ebensowenig wußte man, wie die Acht gegen Grumbach und seine Genossen vollstreckt werden sollte. Ein Blick auf ein paar Gutachten aus der Vorbereitungsphase läßt erkennen, wie diffus die Vorstel- lungen zunächst waren. Die Innsbrucker Regierung erklärte sich außerstande zu Vorschlägen, was an den Ordnungen zur Gewährleistung von Frieden und Recht grundsätzlich zu verbessern sei330. Deren Mißachtung sei nicht Schuld des Kaisers, sondern wohl eine Zeiterscheinung, die an anderer Stelle mit dem Zwiespalt in der Religion in Zusammenhang gebracht wurde. Lediglich eine Erweiterung der Kompetenzen der Kreisobersten fiel den Räten ein. Zur Acht gegen Grumbach wurde ange- regt, einen Reichsfürsten, etwa August von Sachsen oder Heinrich den Jünge- ren, mit der Durchführung zu betrauen und jene Fürsten, die der Begünstigung der Geächteten verdächtig wären, an den Kaiserhof zu zitieren und ihnen einen Reinigungseid abzuverlangen. Dieser Gedanke findet sich auch in einem zwei- 323 Ortloff 1, S. 436f; Ritter, August, S. 366f 324 Press, Grumbach, S. 416f. Mit Schreiben vom 19.11.1563 übersandte Ferdinand dem Sohn Kopi- en seiner Korrespondenz mit den Ernestinern und dem Bischof von Würzburg zum Fall Grum- bach (HHStA Wien, RK RTA 45, Konv. 3, fol 56r-69r). 325 Neuhaus, Repräsentationsformen, S. 432 326 So Seld an Herzog Albrecht, 9.11.1563 (BHStA München, KÄA 4308, fol 397r). Zur Sache Falke, bes. S. 269ff. 327 Falke, S. 279f 328 Neuhaus, Repräsentationsformen, S. 466 329 Vgl. die Äußerung des Kurfürsten von der Pfalz bei Kluckhohn 1, S. 489. Auch die Instruktion des Bischofs von Münster für seine Vertreter ging davon aus (NWStA Münster, FML 473/153, fol 25r-32v). 330 HHStA Wien, RK Rig 35, fol 706v-714v: Gutachten v. 7.12.1563, z. T. gedruckt bei Goetz, Beiträge, S. 275f CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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