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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich562
gen335. Aber Ferdinand lehnte es ab, seinerseits für den Reichstag offiziell in-
itiativ zu werden, damit der Deputationstag nicht überflüssig erscheine336. Da-
hinter könnte auch das Kalkül gestanden haben, wenn die Stände wie bei den
letzten Deputationstagen die Entscheidungen wieder einem Reichstag anheim
stellen würden, schneller dessen Zusammentritt erreichen zu können337. Welche
Elemente in den internen Diskussionen von Maximilian durchgesetzt worden
sind, ist hier weniger von Belang, denn das, was dann in Worms vorgeschlagen
worden ist, stand mit früheren Erwägungen Ferdinands in Einklang338.
Für die kaiserlichen Kommissare – die Grafen von Stolberg-Königstein und
von Löwenstein sowie Dr. Timotheus Jung – galt der Grundsatz, sich so zu
verhalten, daß der Deputationstag zu positiven Ergebnissen käme. Darum
durften sie notfalls sogar darauf verzichten, die Proposition vorzutragen – ein
recht weitgehendes Zugeständnis! – und auch von den Vorschlägen Österreichs
abweichende Beschlüsse akzeptieren, wenn sie für Frieden und Ordnung Vor-
teile brächten, weil es sich ja um Probleme handele, die mehr die Verhältnisse
im Reich als den Kaiser persönlich oder seine Partikularinteressen beträfen; nur
dürften die kaiserliche Hoheit oder die Vorrechte des Hauses Österreich da-
durch nicht beeinträchtigt werden339. Daraus geht m.E. deutlich hervor, daß
Ferdinand nicht ein bestimmtes Ergebnis zur unmittelbaren Vermehrung des
kaiserlichen Einflusses im Reich anvisiert hat340.
Die Proposition hatte primär die Aufgabe, die Notwendigkeit dieses Depu-
tationstages, der in seiner Art etwas Neues war341, zu verdeutlichen. Sie war
ganz auf den Dreiklang gestimmt, die Dringlichkeit von Verbesserungen der
Landfriedenswahrung herauszuarbeiten, die Teilnehmer von ihrer Berechti-
gung, darüber nachzudenken, zu überzeugen, und die anstehenden Probleme
weder überzubewerten noch herunterspielen zu lassen342. Dem diente die Ein-
leitung, daß erfreulicherweise seit der Regierungsübernahme Ferdinands das
Mißtrauen im Reich „auffgehebtt“ und das Reich „widerumb zu seiner furigen
reputation und ansehen gepracht“ worden sei. Aber weil verhindert werden
335 Diese Weisung ist in dem Wiener Entwurf der Instruktion (s. Anm. 339) am Rand von Seld
nachgetragen (fol 169v). Ferdinand informierte Maximilian darüber am 23.1.1564 (HHStA
Wien, RK RTA 45/3, fol 99r-103v).
336 So im Schreiben an Maximilian v. 29.12.1563 (wie Anm. 333). Als Aperçu sei angemerkt, daß der
Kaiser dem Sohn abriet, das enge Regensburg als Tagungsort zu akzeptieren, dort müsse man
„schier halb gefangen sitzen“, Augsburg sei besser geeignet, „vil frolicher, anmuetiger, lustiger“,
man wohne dort besser und könne besser jagen und beizen (fol 90v).
337 Hundt hat diesen Vorteil des Kaisers deutlich erkannt (vgl. sein Schreiben an Eck, Worms,
15.2.1564 bei Mayer, S. 293)
338 Dazu Luttenberger, Kurfürsten, S. 326; „verantwortlich“ für die Politik blieb Ferdinand, wie
Neuhaus, Repräsentationsformen, S. 464, zu Recht anmerkt.
339 HHStA Wien, RK RTA 45, fol 153r-170v: undatierter, von Seld korrigierter Entwurf; die über
die Proposition hinausgehenden Weisungen ab fol 167v. Eine Abschrift im BHStA München,
Kasten schwarz 4251, fol 28r-40v, vielleicht das Herzog Albrecht zur Kenntnisnahme über-
sandte Exemplar (Beschluß darüber in HHStA Wien, RHRP 23, fol 5v, zum 8.1.1564).
340 So auch Luttenberger, Kurfürsten, S. 323
341 Das hat Neuhaus, Repräsentationsformen, S. 462ff., eingehend erörtert.
342 Die folgenden Zitate nach der Kopie im NWStA Münster, FML 473/153, fol 38r-46r (fol 38v,
43v, 44r)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien