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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich568
Konnex zwischen König und Reichsrittern zu schaffen, die zwecks Entrichtung
der Steuer in einer losen „Zwangseinung aller Mitglieder“ organisiert wurden,
und damit die Einordnung des Reichsadels in die Reichskreise zu verhindern378.
Und 1561 hatte er eine neue Rittervereinigung in Schwaben als dem Landfrie-
den konform bestätigt379. Der kürzeste Weg zur aktiven Einbindung der
Reichsritterschaft in die Sicherung der Landfriedensordnung lief also über den
Kaiser; sofern es diesem gelang, den Artikel mit Leben zu erfüllen, d.h. sich die
Reichsritter in einer Weise zu verpflichten, daß sie ihm auf Abruf zur Verfü-
gung standen, hätte ihm daraus durchaus ein bedeutsames Potential zuwachsen
können. Die Bestimmung ist auch darum bemerkenswert, weil die süddeut-
schen Fürsten zu Jahresbeginn 1564 mit großem Mißtrauen Bestrebungen von
weiteren Adelsgruppen beobachteten, sich enger zusammenzuschließen380. Seld
hatte Herzog Albrecht auf dessen besorgte Anfrage, wie der Kaiser sich dazu
stelle, beruhigen müssen, der Kaiser wisse, daß er das Reich in erster Linie mit
Rat und Hilfe der Fürsten regieren müsse, andererseits müsse er aber Be-
schwerden von Adligen gegen Fürsten nachgehen, denn er sei „der Vater al-
ler“381. Die venezianischen Gesandten in Wien meinten Mitte März, der Reichs-
adel sei so unzufrieden, daß zu einer Erhebung nur der führende Kopf fehle;
vor allem das Vorgehen Herzog Albrechts gegen den Grafen von Ortenburg
hatte die Unruhe gesteigert382.
Das Endergebnis von Worms ist in Wien und auch im Umkreis des Herzogs
von Bayern durchaus mit Befriedigung registriert worden, wobei gerade das
Verfügungsrecht des Kaisers über die Eingreiftruppe als Positivum hervorgeho-
ben wurde, ohne daß man verkannt hätte, wie zögerlich die Stände an das Pro-
blem ihrer Finanzierung herangegangen waren383. Ferdinand teilte die bewil-
ligten 1500 Reiter dann in zwei ungleiche Teile, den Befehl über den kleineren
erhielt der Herzog von Jülich, für den größeren hatte Kurfürst August schon
frühzeitig seine Bereitschaft zur Übernahme des Kommandos signalisiert384.
Fünf Jahre später baute ein anderer Deputationstag das bisher vereinzelt Prakti-
zierte aus, indem er den Kaiser zur Abwehr einer befürchteten Gefahr zum
Generalobersten des Reiches machte und ihm die Kompetenz zugestand, die
Reichskreise aufzubieten und Truppen zu rekrutieren, nur gelang es dann nicht,
den folgenden Reichstag zur Bestätigung zu bewegen385.
Die Beschlüsse des Deputationstages haben nicht hingereicht, um den Fall
Grumbach einem raschen Ende zuzuführen. Nur wenige Wochen nach seinem
Abschluß beklagte sich der Bischof von Würzburg bei Herzog Albrecht, er
378 Press, Reichsritterschaft, S. 45–47 u. S. 68
379 Press, Grumbach, S. 405 mit Anm. 30: Druck der Urkunde bei Hofmann, Quellen, S. 134ff
380 Zur Sache Press, Grumbach, S. 413
381 Goetz, Beiträge, S. 283: Seld an Albrecht, 5.2.1564
382 VD 3, S. 262; zur Sache Brandi, Gescchichte, S. 334ff
383 Vgl. die Briefe Hans Jacob Fuggers an Granvella (Weiss 7, S. 432) und an Panvinio (Maasen, S.
110); Zasius an Herzog Albrecht (Goetz, Beiträge, S. 294). Lanzinner, Reformversuch, S. 309
spricht – sich zu Recht von der früheren Literatur absetzend – von einer „einschneidenden
Neuerung“.
384 Holtzmann, S. 549 mit Anm. 2; Kaufmann, S. 247
385 Dazu eingehend Lanzinner, Reformversuch, S. 290f u. S. 300ff
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien