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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 580 -
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Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im Reich580 jahrelang auf seine Erhebung zum Römischen König warten müssen, weil die politische Lage oder die Prioritäten Karls V. dessen Krönung nicht eher zuge- lassen hatten66. In den Familien-Verträgen von 1551 hatte er sich verpflichtet, nach der Übernahme der Kaiserwürde von Karl sich so schnell wie möglich krönen zu lassen, um sodann Philipps Wahl und Krönung voranzutreiben67. Ferner hatte Ferdinand eine undeutliche Erinnerung, daß sein Großvater Ma- ximilian I., als er 1518 die Königswahl Karls hatte herbeiführen wollen, nicht zum Ziel gekommen war, weil ihm die Kaiserkrönung gefehlt hatte68. Zwar hatten die evangelischen Kurfürsten erkennen lassen, daß sie auf die Krönung des Kaisers keinen Wert mehr legten, aber Ferdinand teilte ihre Haltung offen- sichtlich nicht; denn Gúzman, der den Wechsel im Kaiseramt in Rom anzeigen sollte, war beauftragt, wegen der Krönung vorzufühlen69. Erst die Brüskierung durch Paul IV. hatte zur Folge, daß Ferdinand von Seld darüber belehrt wurde, es handele sich bei der Krönung durch den Papst um eine rechtlich bedeu- tungslose Zeremonie70. Ferner gewann er aus der Stellungnahme der Kurfürsten am Ende des Augsburger Reichstages die Gewißheit, in seinem Kaisertum auch ohne päpstliche Krönung von allen Kurfürsten getragen zu sein71, und in Selds großer Denkschrift war ja nachgewiesen, daß etliche Amtsvorgänger ohne päpstliche Krönung als Kaiser gegolten hatten. Diese Erkenntnisse haben es Ferdinand zweifellos erleichtert, die Verhandlungen über die Sukzession ein- zuleiten, als ihm die rechte Zeit gekommen schien, obwohl er nicht gekrönt war. Dem Nachfolger Pauls IV. bekundete Ferdinand anfangs noch einmal sein Interesse an der Krönung72, wie ihm von den geistlichen Kurfürsten in Augs- burg empfohlen worden war; eine Verstimmung der Protestanten fürchtete er anscheinend nicht. Die Düpierung seines Begrüßungsgesandten Scipio Arco durch die Kurie73 nahm er dann offenbar als Warnung, in allen das Verhältnis der beiden höchsten Autoritäten betreffenden Fragen auch gegenüber Pius IV. auf der Hut sein zu müssen. Da war es klüger, die Frage gegenüber Rom ruhen zu lassen. Trotz einiger indirekter Signale der Kurie, der Papst sei für ein Krö- nungsbegehren aufgeschlossen74 und sogar bereit, zwei Kardinäle nach Wien zu schicken, wenn Ferdinand nicht nach Italien kommen könne, hat Ferdinand weder im Frühjahr 1560 noch jemals später darum gebeten. Im September ließ 66 Vgl. Laubach, Karl V., S. 15–22 67 Maurenbrecher, Karl V., S. 138*; vgl. auch das Memorandum des Bischofs von Arras (Druffel 3, S. 182): „... actendu, qu’il ne pourra faire roy des Romains qu’il ne soit coroné empereur“. 68 Als das Problem Anfang 1562 aktuell wurde, befahl er seinem niederösterreichischen Kanzler, „in unsern Schatz Gewölben bey den alten Schriften und Handlungen“ nach Material zu suchen (Moser, Wahlkapitulation, S. 740). Zur Sache: Ranke, Reformation 1, S. 259; DRTA 1, S. 96 69 HHStA Wien, Rom Korr. 15, fol 352v: Instruktion für Gúzman (Konz.) 70 Vgl. Kapitel 4, S. 274f 71 Vgl. Kapitel 5, S. 356f 72 In der Begrüßungsansprache Scipio Arcos hieß es dazu, der Kaiser werde sich bemühen, „ut a sanctitate tue et apostolico sede de more veterum caesarum coronam obtinet atque suscipit“ (Schlecht, S. 24). 73 Vgl. Kapitel 4, S. 315f 74 Sickel, Konzil, S. 45 und S. 77; VD 3, S. 141; CDI 98, S. 136; Stevenson 3, S. 211 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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