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Erfolgreicher Abschluß: Der Kurfürstentag in Frankfurt 599
Gemahlin bis dahin entbunden haben und an der Feier in Prag teilnehmen kön-
ne191.
Die Krönung in Prag wurde am 20. September 1562 vollzogen192. Die Grün-
de, die Ferdinand dem deshalb einberufenen Landtag vortragen ließ, dienten
weniger der Mitteilung seiner Motive als der Bekräftigung seiner Rechtsauffas-
sung zur Nachfolge in Böhmen, wie er sie 1547 anläßlich der Niederwerfung
der ständischen Opposition nach deren Auflehnung im Schmalkaldischen Krieg
durchgesetzt hatte193: Sein Alter, aber auch die Freiheiten und Privilegien Böh-
mens hätten ihn daran gemahnt, „daß albey eines Künigs zu Behaim eltister
Sohn von Rechtswegen im Regiment succediren und Künig zu Böheim sein
solle“; er hätte die Krönung des 1549 zum König von Böhmen angenommenen
Maximilian früher veranlaßt, wenn ihn nicht sehr wichtige Geschäfte daran
gehindert hätten194. Nun hätte sich die Krönung Maximilians in den verflosse-
nen dreizehn Jahren gewiß schon arrangieren lassen, wenn Ferdinand es als
geboten erachtet hätte. Er selbst hatte ja 1527 den böhmischen Ständen die Be-
stätigung des Rechtes abgerungen, daß ein volljähriger Erbe des Königs zu Leb-
zeiten des Vaters gekrönt werden dürfe195, und den 1547 von der Opposition
vorgenommenen Widerruf jener Konzession besonders diskriminiert196. Indes-
sen hatte er seinen ältesten Sohn von der Verwaltung Böhmens konsequent
ferngehalten und seinen zweiten Sohn mit dieser Aufgabe betraut. Die mut-
maßlichen Gründe wurden schon besprochen. Nun aber, vor der Wahltagung,
ging es darum, Maximilian als vollwertigen König von Böhmen zu präsentieren
und seine Verfügung über die böhmische Kurstimme unanfechtbar zu ma-
chen197. Die Vorteile, am Konklave der Kurfürsten, eventuell schon vorher an
ihren Beratungen teilnehmen zu können, kannte Ferdinand aus eigener Erfah-
rung. Mit der Krönung Maximilians zum König von Böhmen vor seiner Wahl
zum Römischen König legte Ferdinand die Basis für eine Tradition, die zwei
Generationen später schon so verfestigt war, daß sie in den prägnanten Satz
gefaßt wurde: „Die römische Krone gehört auf die böhmische“198.
Erfolgreicher Abschluß: Der Kurfürstentag in Frankfurt
Die Frankfurter Tagung begann am 29. Oktober in Anwesenheit von fünf
Kurfürsten; Johann Gebhard von Köln war schwer erkrankt und mußte sich
durch bevollmächtigte Räte vertreten lassen. Dennoch verlief die gründlich
vorbereitete Konferenz zunächst planmäßig. Schon in ihrer ersten Beratung
beschlossen die Kurfürsten auf Antrag von Sachsen und Brandenburg, das An-
191 Ebda, S. 841ff: Maximilian an F., Linz, 18.5.1562
192 Beschreibung bei Habersack, S. 103ff
193 Dazu Betts, S. 472; Eberhard, Monarchie, S. 483ff
194 Böhmische Landtagsverhandlungen 3, S. 134ff: Proposition v. 9.9.1562
195 Huber, Geschichte 3, S. 547f; Eberhard, Konfessionsbildung, S. 209 u. S. 215
196 Bretholz, Neuere Geschichte, S. 220; Eberhard, Monarchie, S. 445 u. S. 484
197 Vgl. dazu auch das von Kühne, S. 42f zitierte Gutachten von Mordeisen
198 Zur Bedeutung Wostry, passim
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien