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Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im
Reich600
liegen des Kaisers zur Kenntnis zu nehmen199. Dessen „Proposition“ enthielt
für sie nichts Neues, sondern wiederholte nur die Gründe, warum der Kaiser
die Regelung der Nachfolge bei seinen Lebzeiten zur Erwägung gestellt habe,
allenfalls war gegenüber den Vorverhandlungen der Rückgang der körperlichen
Kräfte Ferdinands etwas mehr betont. Mit keinem Wort wurde der Vorschlag
erwähnt, Maximilian zum Römischen König zu erheben, Ferdinand be-
schränkte sich auf die Erwartung, „eine solche ansehenliche und der sachen
allenthalben taugliche Person fürzunehmen, die ihrer Maj. angenehm“200.
Der Hinweis auf die häufigeren Erkrankungen Ferdinands könnte die Kur-
fürsten veranlaßt haben, ihm persönlich die Bitte vorzutragen, er möge die Re-
gierung des Reichs „fuerter vertretten“201. Das war eine Anfrage, ob Ferdinand
etwa nach der Wahl des Nachfolgers abdanken wolle. Ferdinand antwortete
selbst und stellte fest, er sei gewillt, „die Administration des heiligen Reichs nit
von sich zu begeben oder von der Regierung sich außzuziehen, sondern solange
und dieweil der Almechtig Gott gnad verleihen wurdet, solche purdenn treulich
zu tragenn“202. Danach benötigten die Kurfürsten nur eine Umfrage für die
grundsätzliche Entscheidung. Mit Ausnahme des Pfälzers, der die Notwendig-
keit einer Wahl zu Lebzeiten des Kaisers bestritt, aber erklärte, sich nicht „ab-
sondern“ zu wollen, votierten alle dafür, die Wahl vorzunehmen203.
Hauptgrund dafür, daß die Konferenz danach noch fast einen Monat dauer-
te, war der Tod Johann Gebhards von Köln am 2. November. Das Kurkolleg
beschloß, trotzdem an seiner Entscheidung festzuhalten, und forderte das Köl-
ner Domkapitel auf, in kurz bemessener Frist den Nachfolger zu bestimmen.
An dieser Ermahnung war Maximilian in seiner Eigenschaft als Kurfürst betei-
ligt204, Ferdinand als Kaiser unterstützte sie durch die Entsendung des Grafen
Helfenstein nach Köln. Zum etwas hinausgeschobenen Wahltag, dem 24. No-
vember, war der neue Kurfürst, Graf Friedrich von Wied, in Frankfurt zur
Stelle205.
Schon vor dem Eintreffen der Todesnachricht hatte der unberechenbare Jo-
hann von Trier eine erste kleine Turbulenz ausgelöst. Der angeblich überzeugte
Parteigänger der Habsburger interpretierte plötzlich jene Wendung in Ferdi-
nands Proposition, er hoffe auf die Erhebung einer ihm angenehmen Person, als
eine indirekte Richtlinie oder verkappte Beschränkung der freien Wahl206. Ein-
mal in kritischer Stimmung wurde nun auch die Anwesenheit anderer Reichs-
199 Goetz, Wahl, S. 173f. Das Verfahren war zwischen Dresden und dem Kaiserhof abgesprochen
worden (vgl. Kühne, S. 42). Zu den Beratungen der Kurfürsten vgl. Neuhaus, Königswahl, S.
16f.
200 HHStA Wien, MEA WuKA 5/1, fol 38v-42r: „Kayserlicher Mt. weiterer schrifftlicher vortrag“
v. 30.10.1562; gedruckt bei J. W. Hoffmann 2, S. 322–324. Das Zitat fol 41v bzw. S. 324.
201 HHStA Wien, ebda, fol 44v
202 Ebda, fol 44v-46r: „Kay. Mt. selbst rede“; das Zitat fol 45v. Leicht abweichender Druck bei J.W.
Hoffmann 2, S. 327f.
203 Goetz, Wahl, S. 175ff; Neuhaus, Königswahl, S. 16f, läßt die „Vorgaben“ in den kaiserlichen
Erklärungen unberücksichtigt.
204 J. W. Hoffmann 2, S. 339f
205 Trusen, Kurmainz, S. 144; Goetz, Wahl, S. 177ff
206 Goetz, Wahl, S. 178
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien