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Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im
Reich602
gegeben wurde, zu den Artikeln – auch den strittigen – Stellung zu nehmen215.
Der von Maximilian vorgelegte Kompromiß war von Ferdinand gebilligt, und
der König machte in dieser Besprechung deutlich, daß sein Vater hier eine
Grenze gezogen hatte, weil die Preisgabe der Kirchenadvokatie für ihn unan-
nehmbar war216. So wurde der Vorbehalt der weltlichen Kurfürsten als beson-
derer Artikel eingefügt217. Bemerkenswert ist ferner die Auflage für den neuen
König, sich nur so weit mit der Regierung und Administration des Reiches zu
befassen, als ihm vom Kaiser „vergönnet und zugelassen wird“, und der „Ho-
heit und Würden des Kayserthums kein Irrung oder Eintrag“ zu tun218. Die
Bestimmung drückte sicher kein Mißtrauen gegen Maximilian aus, war sie doch
auch in der Kapitulation Ferdinands von 1531 enthalten gewesen219, sondern
brachte zum Ausdruck, daß es den Interessen des Reiches zuwiderliefe, wenn
der Römische König versuchen würde, an die Spitze irgendeiner Opposition
gegen den Kaiser zu treten. Beibehalten wurde die Aufforderung, sich im Fall
der Thronerledigung, aber „nicht eher“, um die Kaiserkrone zu bemühen220.
Maximilians Recht auf Teilnahme am eigentlichen Wahlakt war unstrittig, er
erschien dazu in kurfürstlichem Ornat und mit einer Königskrone221. Bei der
Stimmabgabe folgte er dem Vorbild seines Vaters und ließ die eigene Stimme
„ruhen“ mit der Erklärung, er hoffe, das Votum der anderen Kurfürsten werde
„so einmuetig sein, daß es irer Kön.W. votierens nit bedurffte“222. Seine Geste,
die Wahl nicht ohne den Konsens des Kaisers annehmen zu wollen, war zwei-
fellos mit dem Vater abgesprochen223. Ferdinand erschien, nachdem er vom
Ende der Wahl benachrichtigt worden war, in vollem kaiserlichen Ornat im
Kurraum und erteilte sein Placet. Beides war in dieser Art neu. Zwar war bei
seiner eigenen Wahl auch die Zustimmung Kaiser Karls eingeholt und von die-
215 Luttenberger, Kurfürsten, S. 136. Seine Interpretation, die Kurfürsten hätten Maximilian auf
diese Weise von Ferdinand und den kaiserlichen Räten „isolieren“ wollen, überzeugt nicht; der
Intervall von einem Tag dürfte genügt haben, daß die Habsburger erfahren konnten, worum es
gehen würde. Kühne, S. 44, erwähnt, daß Maximilian von zwei österreichischen Herren begleitet
wurde.
216 Luttenberger, Kurfürsten, S. 137
217 Als Artikel 2 (Ziegler, S. 39); vgl. Goetz, Wahl, S. 181. Dotzauer, Ausformung, S. 70, verkennt
mit seiner Bemerkung, Ferdinand habe „in seiner Eigenschaft als böhmischer Kurfürst durch
Hinzutritt zu den geistlichen Kurfürsten“ die konfessionelle Parität nicht „überspielen“ können,
daß in Frankfurt Maximilian als Inhaber der böhmischen Kurwürde auftrat.
218 Artikel 33 (Ziegler, S. 51)
219 HHStA Wien, RK WuKA 2(neu), fol 328v; vgl. Kohler, Antihabsburgische Politik, S. 190. Sie
wurde 1558 als irrelevant gestrichen.
220 Artikel 32 (Ziegler, S. 50f)
221 VD 3, S. 213: „come settimo Elettore, vestito come li altri“; die Krone erwähnt Habersack, S.
156
222 Zitiert nach Kühne, S. 45
223 Eine in den Wiener Akten liegende Aufzeichnung „Was die ko.M. in vorsteendten actibus selbs
zu reden“ (HHStA Wien, RK WuKA 4, fol 274v-276r) legt das Verhalten in den einzelnen Sta-
dien fest: er soll u.a. auf die Ausübung der Kurstimme diesmal verzichten und nach der Wahl
darum bitten, daß erst des Vaters Stellungnahme eingeholt werde. Ob das undatierte Dokument
zur Wahl Maximilians oder aber Rudolfs (1575) gehört, ist nicht klar. In letzterem Fall wäre es
ein Beleg dafür, welche Bedeutung man den beiden Handlungen von 1562 beigelegt hat.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien