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Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im
Reich604
Ferdinand in den nächsten Monaten dem Konzil die erste Priorität zuerkannte
und deshalb für ein halbes Jahr seinen Aufenthalt in Innsbruck nahm, konnte
der erforderliche ungarische Reichstag erst Ende August 1563 stattfinden. Fer-
dinand entschied sich für die Anberaumung erst, nachdem die Gespräche mit
Morone definitiv bestätigt hatten, daß der Papst nicht nach Trient kommen
wollte232. Zu diesem Zeitpunkt waren die strittigen Fragen mit Johann Sigis-
mund Zapolya zwar noch nicht geregelt, doch da der Waffenstillstand im
Frühjahr verlängert worden war, war von seiner Seite keine Störung zu be-
fürchten, und mit dem Sultan lebte man ebenfalls im Frieden233. Mit den ungari-
schen Ständen kam es noch einmal zu Schwierigkeiten, als deren Mehrheit Ma-
ximilian bei seinem Einzug in die Krönungsstadt Preßburg nicht als König be-
grüßen wollte, weil er noch gar nicht König von Ungarn sei. Ferdinand fand
den Ausweg, wegen angeblicher Schonungsbedürftigkeit auf den ihm unbe-
stritten zustehenden Empfang zu verzichten, der statt seiner Person Maximilian
zuteil werden sollte234. Um so deutlicher ließ er in der Proposition den Ständen
das Erbrecht der Habsburger auf die ungarische Krone vortragen235. Es gab
danach längere Debatten unter den Ständen, die erst nach fünf Tagen ihre Zu-
stimmung zur Krönung bekanntgaben. Die Feier fand am folgenden Tag statt.
Damit war Maximilian endlich in allen drei Königreichen, deren Szepter Ferdi-
nand innehatte, als sein Nachfolger bestätigt.
Ferdinand erreicht die päpstliche Anerkennung Maximilians
Erst nach zähen Verhandlungen, die sich über ein Jahr hingezogen haben und
teils in Rom, teils am Kaiserhof geführt worden sind, erreichte Ferdinand im
Februar 1564 die Konfirmation der Wahl Maximilians zum Römischen König
durch Papst Pius IV. Der Standpunkt der Kurie, die Erhebung Maximilians sei
mit Mängeln behaftet, konnte angesichts der Umstände niemanden überra-
schen. Für Ferdinand und seinen Sohn stand indessen im Vordergrund, die
politische und rechtliche Unabhängigkeit des deutschen Königtums und des
Kaisertums, wie man sie im Konflikt mit Paul IV. verteidigt hatte, zu bewahren.
Darum mußten die kurialen Versuche abgewehrt werden, die Anerkennung an
Vorbedingungen zu knüpfen, durch welche ihr Prestige als Kaiser und König
und das Verhältnis zu den protestantischen Kurfürsten beschädigt werden
konnte, ohne die leidlichen Beziehungen zu Pius IV. zu sehr zu belasten. Ge-
genüber dem venezianischen Botschafter hat Maximilian am Ende der Ausein-
andersetzung des Vaters und seine eigene Haltung auf folgenden Nenner ge-
bracht: Der Papst habe mehr von ihm gewollt, als seine Vorgänger getan hätten,
aber sie hätten beide kein die Autorität des Reiches tangierendes Präjudiz zulas-
sen wollen236.
232 Fraknói 4, S. 498ff: F. an Maximilian, 25.5.1563
233 Näheres im Kapitel 10, S. 650
234 VD 3, S. 233ff: Micheli an Dogen, 2.9.1563; Holtzmann, S. 482
235 Firnhaber, Krönung, S. 329f; Habersack, S. 195f
236 L. Contarini an den Dogen, 8.12.1563 (VD 3, S. 246f)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien