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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 605 -
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Ferdinand erreicht die päpstliche Anerkennung Maximilians 605 Die Verhandlungen sind von Samuel Steinherz insofern einseitig dargestellt worden237, als er gar nicht auf den Gedanken gekommen zu sein scheint, Ferdi- nand in dieser Frage eine Konzeption zuzutrauen, die seine Schritte mitbe- stimmt hätte, sondern nur das Interesse der päpstlichen Politik herausarbeitete, die Approbation Maximilians von der Zustimmung des Kaisers zur raschen Beendigung des Konzils abhängig zu machen. Durch den Nachweis, wie kon- sequent der kaiserliche Gesandte in Rom, Prospero Arco, den kurialen Ansprü- chen von Anfang an entgegengetreten ist, hat Gerhard Rill das von Steinherz gezeichnete Bild bereits teilweise revidiert238. Arco orientierte sich dabei selbst- verständlich an den Richtlinien des Kaisers. Die Überlegungen des Kaiserhofes sind hier noch genauer zu verfolgen. Der Gedanke, die Bestätigung Maximilians für ein politisches Geschäft zu verwenden, war in Rom etliche Monate vor dem Kurfürstentag aufgetaucht, und Andeutungen des Papstes waren von Arco dem Kaiser berichtet worden239. Darum muß die Sorgfalt registriert werden, mit der Ferdinand bei der Wahl und Krönung darauf geachtet hat, daß keine elementaren Interessen der katholi- schen Kirche tangiert wurden240. Dazu gehörte die dissimulierende Lösung, den Vorbehalt der protestantischen Kurfürsten in die Wahlkapitulation einzurücken und dadurch die traditionellen Schutzversprechen des Königs für den päpstli- chen Stuhl stehen lassen zu können. Sofort nach der Wahl wurde beschlossen, dem Heiligen Vater offiziell Mitteilung zu machen241. Delfino wurde verstän- digt und eingeladen, der Krönungsfeier beizuwohnen – für den Nuntius eine delikate Offerte, da er strikte Anweisung hatte, nichts zu tun, was der Stellung- nahme Roms in irgendeiner Weise präjudizieren könne242. Man registrierte am Kaiserhof mit Genugtuung, daß Delfino weder Protest gegen die Krönung ein- legte – etwa mit der Begründung, es könne doch nicht gleichzeitig zwei Römi- sche Könige geben243 – noch mit diesem Argument bei den geistlichen Kurfür- sten vorstellig geworden war244. Für die Unterlassung der Kommunion wäh- rend der Krönung hatte man den päpstlichen Dispens. An dem Katalog der Fragen des Koronators an den König war nichts geändert worden, und Maxi- milian beantwortete die für protestantische Ohren ärgerliche Frage, ob er dem Papst und der römischen Kirche die gebührende Ergebenheit erweisen wolle, vernehmlich mit „volo“. Ein ihrem Vorbehalt entsprechender Protest der Kur- 237 Vgl. seine Einleitung zu NBII 3, bes. S. XLII-LVIII. Ausgewogener J. Schmid, Kaiserwahl, S. 167ff 238 Rill, Arco, S. 26–33 239 Sickel, Konzil, S. 375: Arco an F., 9.9.1562 240 In Berichten, die darüber an Empfänger im Umfeld Philipps II. gingen, wurde das besonders herausgestrichen; dazu CDI 98, S. 379 (F. an Luna); Weiss 6, S. 626 (s. Anm. 244); vgl. Walter, S. 65, Maurenbrecher, HZ 32, S. 294. 241 HHStA Wien, RHRP 20b: Eintrag zum 24.11.1562 (zitiert NB II 3, S. 149) 242 Ebda, S. 148 (Bericht Delfinos v. 25.11.1562); S. 120 (Weisung v. 19.9.1562), wiederholt am 10.10.(S. 127). 243 Das Argument ist in kurialen Äußerungen im nächsten Jahr mehrmals zu finden. 244 Weiss 6, S. 626: Relation de l’election et couronnement de l’archiduc Maximilian (vgl. dazu Heine, S. 27f, der Seld als Autor vermutete). In Rom gab es Stimmen, die die Unterlassung als Fehler kritisiert haben (Sickel, Konzil, S. 409; auch Goetz, Wahl, S. 197 Anm. 2). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
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