Seite - 606 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Bild der Seite - 606 -
Text der Seite - 606 -
Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im
Reich606
fürsten von Sachsen und der Pfalz war – sofern er wirklich beabsichtigt gewesen
ist – mit Hilfe Joachims II. verhindert worden245.
Was Juan de Manrique als Sondergesandter Maximilians im Dezember nach
Rom brachte, war nicht mehr als eine schlichte Wahlanzeige246. Nach Ansicht
der Ferdinand beratenden Juristen besaß der Papst ja keinerlei Ansprüche auf
Überprüfung der deutschen Königswahl, solange die Kaiserkrönung nicht an-
stand247. Doch spätestens zu Beginn des Jahres 1563 wußte man am Kaiserhof,
daß sich die Kurie nicht so einfach abspeisen zu lassen gedachte. Pius IV. refe-
rierte in der Audienz für Manrique ihm angeblich zugetragene Zweifel, ob die
Wahl wegen der Teilnahme dazu nicht Berechtigter überhaupt gültig sei, erbot
sich aber, sämtliche Mängel kraft päpstlicher Autorität zu heilen. Arco gab
darauf die den Anschauungen des Kaiserhofes gemäße Antwort, die vom Papst
gemeinten Kurfürsten seien, da sie noch nicht zu notorischen Ketzern erklärt
wären, keineswegs zur Wahl unfähig, doch selbst wenn sie es wären, genüge die
gültige Stimme eines einzigen. Pius widersprach nicht, wiederholte aber seine
Bereitschaft, Defekte zu beheben248.
In einer weiteren Besprechung erfuhr Arco, daß der Papst einen offiziellen
Antrag auf Anerkennung (riconoscenza) erwartete, dessen Formulierung man
seitens der Kurie vorzuschreiben beabsichtigte249. Gegen die von Pius IV. vor-
gebrachte Begründung, wegen gewisser Anschuldigungen aus der Zeit Pauls IV.
gegen Maximilian müsse er über dessen treue katholische Gesinnung absolute
Sicherheit haben, obwohl er persönlich keine Zweifel daran hege, bezog Arco
sofort die Position, welche Ferdinand und Maximilian bis zum Abschluß der
Angelegenheit eingenommen haben: Der Römische König sei bereit zu verspre-
chen, was seine Vorgänger dem Heiligen Stuhl gelobt hätten, aber nicht mehr.
Arco betrat damit eine Ebene der Argumentation, die in den nächsten Monaten
reichlich Stoff für Diskussionen bieten sollte, denn keine Seite wußte genau,
was „die Vorgänger“ versprochen hatten. Eine besondere Erklärung Maximili-
ans über seine Haltung zu Kirche und Papsttum lehnte Arco als unvereinbar
mit der Würde des Königs ab. Pius IV. hingegen bemühte sich, die Meinungs-
verschiedenheit herunterzuspielen und hinter angeblich gemeinsamen Interes-
sen zurücktreten zu lassen. Er regte ein persönliches Treffen mit Ferdinand in
Bologna an, der dort wie seinerzeit sein Bruder Karl zum Kaiser gekrönt wer-
den könne, bot Unterstützung an, falls die Habsburger den häretischen Herzog
von Württemberg aus seinem Land vertreiben wollten, stellte Dispense für
erwogene eheliche Verbindungen zwischen habsburgischen Verwandten in
Aussicht sowie Förderung der Eheprojekte mit etlichen italienischen Dynastien
245 NB II 3, S. 152f: Bericht Delfinos v. 5.12.1562. Delfino gibt darin den Wortlaut der Frage des
Koronators korrekt wieder (vgl. Dotzauer, Ausformung, S. 77).
246 So die Feststellung Borromeos (NB II 3, S. 166).
247 s. Kapitel 4, S. 274 (Seld) und S. 284 (Vierergutachten)
248 Sickel, Konzil, S. 408f: Arco an F., 16.12.1562
249 Arco an F., 23.12.1562 (Sickel, Konzil, S. 413); Delfino erhielt diese Mitteilung ebenfalls (NB II
3, S. 165f).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien