Seite - 609 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Ferdinand erreicht die päpstliche Anerkennung Maximilians 609
hielt ihm Arco die mittelalterlichen Herrscher Konrad II. und Konrad III. ent-
gegen263. Ferdinand belobigte seinen Orator für seine Leistung, wählte indessen
eine andere Weise, dem kurialen Pfeil die Spitze abzubrechen: Er instruierte
Arco, nach der Maxime zu antworten: „Der Kaiser hätte die Krone gern schon
empfangen und begehrt sie auch jetzt, sobald es möglich ist“264. Es sei nicht
einzusehen, warum deswegen in der Frage der Anerkennung Schwierigkeiten
gemacht würden, denn es habe ja nicht am Willen, sondern an den allzu großen
Hindernissen gelegen, daß er noch nicht dazu gekommen sei.
Auf die schon früher von Pius IV. gesprächsweise vorgebrachte Anregung
eines „Gipfeltreffens“ in Bologna, wo man dann auch die Kaiserkrönung vor-
nehmen könne, ging Ferdinand nicht ein. Stattdessen drängte er den Papst An-
fang März in die Defensive mit seinem öffentlichen Appell, der Heilige Vater
möge sich gemeinsam mit ihm der ganz vordringlichen Aufgabe persönlich
annehmen, das stagnierende Konzil zu einem glücklichen Ergebnis zu steuern,
mit der Konkretisierung, Papst und Kaiser sollten sich alsbald nach Trient be-
geben. Die konzilspolitischen Aspekte im engeren Sinne, die Ferdinand zu sei-
nem Vorstoß bewogen haben, sind an anderer Stelle erörtert worden. Bedeut-
sam ist aber auch in diesem Zusammenhang die selbstbewußte Hervorhebung
der eigenen vollwertigen Kaiserposition durch Ferdinand: Er hält sich in Inns-
bruck auf aus Fürsorge für die Kirche, „quae nobis ut imperatori Romanorum
et supremo ecclesiae advocato et protectori incumbit, salutem et utilitatem ipsi-
us promovendi“; er ist der erstgeborene und gehorsamste Sohn der Kirche; aus
der Geschichte kann man lernen, daß die gemeinsame Anwesenheit von Papst
und Kaiser bei Konzilien für Kirche und die christliche Gesellschaft von aller-
größtem Nutzen gewesen ist265. Die Gleichrangigkeit des Kaisers neben dem
Papst wurde nachdrücklich in Erinnerung gebracht. Wer so auftrat, durfte die
Krönung als nicht dringlich zurückstellen.
Durch den kaiserlichen Schachzug sah sich die Kurie zu direkten Verhand-
lungen mit Ferdinand genötigt, mit denen Morone, der soeben zum präsidie-
renden Legaten des Konzils ernannt worden war, betraut wurde. Zu Morones
Aufträgen gehörte auch, dem Kaiser die Vorteile eines Treffens mit dem Papst
in Bologna darzulegen. Unter anderem führte er dazu aus, Ferdinand könne das
Reich jetzt doch leichter verlassen, da er seinen zum Römischen König ge-
wählten Sohn dort wisse266. Nach dieser Bemerkung konnte es später schwer-
263 Rill, Arco, S. 27 (in Anm. 39 die Verifizierung der Beispiele)
264 „Cesar libenter accepisset coronam, et adhuc cupit quando potest“. Die Notiz im Protokoll des
Geheimen Rates zum 19.2.1563 (zitiert NB II 3, S. 241) möchte man für Ferdinands persönli-
chen Kommentar halten. Die danach konzipierte Weisung an Arco v. 22.2.1563 bei Sickel, Kon-
zil, S. 440f
265 F. an Pius IV., Innsbruck, 3.3.1563 (Gedruckt bei Raynaldus 34, S. 331–334 und bei Le Plat 5, S.
690–694); vgl. auch Kap. 7, S. 457f
266 NB II 3, S. 270ff: Morones Summarium vom 23.4.1563 über seine Ausführungen vor dem Kai-
ser; hier bes. S. 276. Wie schwach Ferdinand dieses Argument fand, zeigt seine Bemerkung
„...todo esto no me parecia que seria bastante ni buen provision...“ (CDI 9, S. 350: F. an Philipp
II., 2.8.1563).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien