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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 610 -
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Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im Reich610 lich überzeugen, wenn er – in Ausführung einer Nachinstruktion267 – die an- geblichen Defekte der Wahl ansprach und behauptete, durch den Besuch in Bologna werde Maximilians Stellung stabilisiert werden268. Ferdinand wehrte den Versuch der Kurie ab, seine Krönung und die Bestäti- gung Maximilians mit den Konzilsproblemen zu verquicken und in ein politi- sches Tauschgeschäft einzubringen. Es dürfte kaum ein Zufall sein, daß am Tage nach Morones Ankunft in Innsbruck, also vor Beginn der Besprechungen, die Vorschläge der Habsburger für die Beilegung der Kontroverse über die Anerkennung Maximilians, darunter eine Eidesformel, nach Rom expediert wurden269. Um zu verdeutlichen, wie sehr die Konfirmation Maximilians wie schon seine Wahl im Interesse der Kirche liege, bediente sich Ferdinand auch einmal einer Mischung von Eventualitäten und Gerüchten, die in Rom bekannt waren, deren geringe Substanz ihm selbst bewußt gewesen sein dürfte; als er Morone die Ehre eines Krankenbesuchs erwies, erzählte er ihm: Die Wahl Ma- ximilians habe er beschleunigt, weil sonst bei seinem Tode die Verwaltung des Reiches den Kurfürsten von Sachsen und von der Pfalz zufalle, und dann be- stünde die Gefahr, daß einer von ihnen oder der König von Schweden „o altera simile“ gewählt würde270. In der schriftlichen Antwort für Morone wurde des- sen These mit dem Hinweis zurückgewiesen, Maximilian müsse den Vater in Ungarn vertreten, wo die Lage trotz des Friedens mit den Türken instabil sei, und könne darum die Reichsgeschäfte nicht verwalten. Ferdinand sprach die Erwartung aus, daß der Approbation keine Schwierigkeiten mehr bereitet wür- den. Die Wendung kehrt in den nächsten Monaten mehrmals wieder und be- weist, daß er die päpstliche Zustimmung eigentlich für eine Selbstverständlich- keit hielt. In dem abschließenden „Summarium“ über die Ergebnisse der Ge- spräche hieß es dann lapidar, dem Kaiser sei die Reise nach Bologna jetzt und in nächster Zeit nicht möglich, doch verspreche er, den löblichen Brauch der Kai- serkrönung nicht geringschätzen zu wollen271. Ferdinand war offenbar zu der Ansicht gekommen, erst einmal abwarten zu können, was die Kurie nun unternehmen werde272. Vargas, der Gesandte Phil- ipps II. in Rom, hatte mit seinem Urteil nicht unrecht, Morone habe in diesem Punkte nichts erreicht273. So reagierte Ferdinand recht gelassen auf die Meldun- gen Arcos, der sich in Rom weiter mit den historischen Argumenten der Kurie zur Begründung ihrer Ansprüche herumschlagen mußte, wobei er die Position konsequent verteidigte, Maximilian werde nur so viel versprechen wie seine habsburgischen Vorgänger seit Albrecht II.274 Das Auftreten des Orators wur- de von Ferdinand uneingeschränkt gebilligt, und er ließ dem Papst sein Befrem- 267 Hinweis darauf NB II 3, S. 277; Morone ist in seinen Berichten nicht darauf eingegangen, wie er die Nachinstruktion ausgeführt hat. 268 Das ergibt sich aus einer Materialsammlung Selds für die Antwort: „Caes. Mtas quoad transla- tionem concilii“ (HHStA Wien, RK RelA 13, fol 115r-116v, undatiert). 269 Sickel, Konzil, S. 484f; J. Schmid, Kaiserwahl, S. 170 270 Aus Morones Bericht v. 2.5.1563 (NB II 3, S. 284) 271 Constant, Légation, S. 128ff, hier S. 132f: „Postremo...“ (dgl. Bucholtz 9, S. 689) 272 F. an Arco, 24.5.1563 (NB II 3, S. 405); F. an Maximilian, 14.6.1563 (Sickel, Konzil, S. 537) 273 Schreiben v. 19.6.1563 bei Döllinger 1, S. 525ff, bes. S. 526 274 Berichte Arcos v. 26.5. und 5.6.1563 (Sickel, Konzil, S. 512f u. 533f); vgl. Rill, Arco, S. 30 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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