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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 613 -
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Ferdinand erreicht die päpstliche Anerkennung Maximilians 613 nen, wenn er in den strittigen Konzilsfragen die Hindernisse beseitige291. Ferdi- nand seinerseits, der sich nicht auf Delfinos Berichterstattung verlassen mochte, ließ Morone wissen, er habe sein letztes, von Vernunft und Billigkeit diktiertes Wort in der Sache gesprochen, und fügte bekräftigend hinzu, eine Erpressung Maximilians werde er nicht zulassen, es sei vergebens, ihn umstimmen zu wol- len292. Arco wurde angewiesen, darauf zu achten, ob der Papst korrekt infor- miert werde, und es sonst selbst auf der Basis der bereits aus Innsbruck zuge- gangenen Richtlinien zu tun293; damit hatte er alle neuen Ansprüche und Bedin- gungen der Kurie abzulehnen. Nahezu gleichzeitig erhielt Morone für sein Ansinnen, der Kaiser möge einer raschen Schließung des Konzils und der An- heimstellung aller Reformanträge an den Papst zustimmen, eine negative Ant- wort294. Der in Innsbruck von dem Kardinal anscheinend erreichte Konsens zwischen Kaiser und Papst löste sich auf. Den Weg aus dieser doppelten Sackgasse fand Delfino. Er erbot sich nicht nur, seinem Auftraggeber die habsburgische Position als besser begründet dar- zulegen, was er in einer Weise tat, die Steinherz als Parteinahme für die Habs- burger bewertet hat295, sondern er entwickelte auch die Idee, den Habsburgern das vollständige Einlenken Roms bei den Konditionen für die Anerkennung Maximilians anzubieten, um im Gegenzug vom Kaiser die Zustimmung zur umgehenden Beendigung des Konzils zu erhalten. Sein Bemühen in einer Serie von Schreiben, die habsburgische Auffassung zu rechtfertigen, sollte dem Papst die Konzession als unausweichlich und insofern vernünftig nahebringen296. Morone unterstützte Delfinos Vorschlag und ergänzte, der Kaiser werde zwei- fellos nicht nachgeben und könne es aus Rücksicht auf die Fürsten des Reiches auch gar nicht297. Ein solcher Hinweis des profunden Kenners der Verhältnisse im Reich mußte in Rom beachtet werden298. Den Schlußstein fügte Arco ein, der, als er sich vom Papst hingehalten glaubte, dem Kardinalnepoten die Wei- sung mit Ferdinands „letztem Wort“ zeigte, um so jeden Zweifel an der Ent- schlossenheit seines Herrn auszuräumen299. Pius IV., der seit Monaten das Ziel verfolgte, das Konzil möglichst bald los- zuwerden, ging nach einigem Zögern auf den Vorschlag Delfinos ein, verzich- tete auf die so lange geforderten Vorleistungen Maximilians und akzeptierte die 291 NB II 3, S. 389ff: Borromeo an Delfino, 14.8.1563 292 F. an Morone, 18.8.1563 (Constant, Légation, S. 227f); Reimann, Königswahl, S. 14 293 F. an Arco, 14.8.1563 (Sickel, S. 580f); vgl. den NB II 3, S. 407 zitierten Beschluß des Geheimen Rates v. 5.8.1563; J. Schmid, Kaiserwahl, S. 178 294 Näheres in Kapitel 7, S. 485 295 NB II 3, S. 393ff; Steinherz’ Wertung ebda, S. 408 296 Vier Schreiben Delfinos an Borromeo (NB II 3, S. 394ff, 410ff, 412ff, 414ff) sowie eines an Morone (ebda, S. 416f) 297 Morone an Borromeo, 28.8.1563 (Constant, Légation, S. 245ff, bes. S. 246) 298 Wie wenig Papst Pius IV. die durch die Reformation im Reich eingetretenen Veränderungen, auf die die Habsburger Rücksicht zu nehmen hatten, begriffen hatte, belegt sein – zweifellos als Ausgleich für die Maximilian abverlangte Zumutung gemeintes – Angebot, ihn mit dem ge- weihten Schwert auszuzeichnen, das er trotz ausweichender oder ablehnender Antworten des Königs wie des Kaisers mehrmals wiederholt hat (erstmals Ende Juli 1563, vgl. Sickel, Konzil, S. 582). 299 NB II 3, S. 435 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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