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Ferdinand erreicht die päpstliche Anerkennung Maximilians 615
logisch, wenn er nun dafür eintrat, die Kirchenversammlung preiszugeben, um
den Gewinn aus dem Ringen um die Approbation einstreichen zu können. Sein
negatives Urteil wurde mittlerweile von Vielen geteilt309. Dennoch kostete es
den König anscheinend einige Mühe, den Vater so weit zu bringen310. Das Re-
sultat war, daß auch Ferdinand einer weiteren Entspannung der Beziehungen
zur Kurie die Priorität zuerkannte, nachdem er in den letzten beiden Monaten
seine Hoffnungen, das Konzil werde die Weichen für eine durchgreifende Re-
form der Kirche stellen, endgültig hatte begraben müssen.
Zumindest die ersten Reaktionen des Papstes bestätigten das Kalkül der bei-
den Habsburger. Pius IV. bekräftigte gegenüber Arco abermals seine Aufge-
schlossenheit für die Anliegen des Kaisers und rühmte vor den Kardinälen Ma-
ximilian als ebenso gut katholischen Fürsten, wie es seine Vorfahren gewesen311.
In der Rede anläßlich der Audienz für den habsburgischen Sondergesandten
Helfenstein rechnete der Papst es Maximilian positiv an, den Vater überzeugt
zu haben312. Daß sich der Erfolg im diplomatischen Streit mit Rom auch noch
anders verwerten ließ, demonstriert ein Brief Zasius’ an den Landgrafen Wil-
helm von Hessen, in dem der kaiserliche Rat behauptete, dank der Standhaftig-
keit vor allem Maximilians erhalte der Papst weniger, als je geleistet worden
sei313.
Ende Oktober wurden am Kaiserhof die Richtlinien für den Grafen Helfen-
stein festgelegt, der diesmal die nach wie vor delikate Aufgabe als Sonderge-
sandter übernehmen sollte. Das Kredenzschreiben beschränkte seine Vollmacht
auf die Formel, im Namen Maximilians alles zu versprechen, was dessen Vor-
gänger Maximilian I., Karl und Ferdinand dem Heiligen Stuhl zugesagt hat-
ten314. Den Text seiner öffentlichen Ansprache durfte Helfenstein dem Papst
zwar vorher zeigen, aber nichts daran ändern315, und er hat sich strikt daran
gehalten. Denn auch diesmal unternahm der Papst den Versuch, durch eine
Überrumpelung des Gesandten der kurialen Rechtsauffassung im letzten Mo-
ment zum Erfolg zu verhelfen. Er konnte von den Vertretern Ferdinands und
Maximilians nicht gehindert werden, im Konsistorium, das zwei Tage vor der
feierlichen Audienz für Helfenstein stattfand, nochmals drei gewichtige Mängel
zu betonen, welche der Wahl Maximilians anhafteten, und vor der Konfirmati-
on eine Dispenserteilung kraft apostolischer Autorität zu erklären316. Aber die
Ergänzungen zu der Ansprache, die er während der Vorbesprechung mit den
309 Vgl. NB II 3, S. 448 Anm. 1: Seld an Luna, 1.10.1563
310 Dazu Maximilian an Arco, 5.10.1563 (NB II 3, S. 454)
311 NB II 3, S. 466; dazu das Dankbreve Pius’ IV. an Maximilian v. 22.10.1563 (ebda, S. 467f)
312 Döllinger 1, S. 548; Constant, Légation, S. LV Anm. 2
313 Auszug bei Hopfen, S. 204f
314 NB II 3, S. 499f; Holtzmann, S. 500
315 HHStA Wien, RHRP 20b, Eintrag zum 27.10.1563: „oratio fiat iuxte prescriptam formulam, nec
in ea quicquam mutetur.“ (Zitiert NB ebda, S. 500)
316 Raynaldus 34, S. 475f; Döllinger 1, S. 547ff. Die Päpste haben diesen Akt noch über 200 Jahre
beibehalten (Feine, S. 44 Anm. 3). Ob Pius IV. auch im öffentlichen Konsistorium die Mängel
suppliert hat, ist unklar, da in der Kopie, die seine Rede überliefert, die Worte zwar vorkommen,
aber durchgestrichen sind (NB II 4, S. 20 Anm. 1).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien