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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 632 -
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Kapitel 10: Kaiser Ferdinand I. im europäischen Kräftespiel632 gen an sie in Rückstand geriet107. Nur weil die meisten Kräfte der Osmanen durch einen Krieg gegen Persien gebunden waren, der erst 1555 beendet wur- de108, konnte der im Reich durch den Fürstenaufstand gegen Karl V., danach durch die Vorbereitung des Augsburger Reichstages in Anspruch genommene König Siebenbürgen in diesem und den nächsten Jahren halten. In den 1553 wieder aufgenommenen, jahrelangen Verhandlungen zur Er- neuerung des Friedens, die durch kurzfristige, mehrmals verlängerte Waffenru- hen ermöglicht wurden, wurde die türkische Forderung nach Restitution der Zapolya ein zentraler Punkt. Ferdinand reagierte darauf in zweifacher Weise. Gegenüber der Pforte berief er sich auf die mit ihnen geschlossenen Verträge, außerdem bot er an, auch für Siebenbürgen Zahlungen nach dem Muster des Abkommens von 1547 zu leisten, und glaubte zunächst, mit Erhöhungen seines Angebots zum Ziel zu kommen109. Parallel dazu bemühte er sich, um jener Forderung die Grundlage zu entziehen, die „Königin“ Isabella zur Abgabe einer verbindlichen Erklärung an den Sultan und die Stände Siebenbürgens zu bewegen, daß sie und ihr Sohn nicht dorthin zurückkehren wollten und die Türken ihn (Ferdinand) im friedlichen Besitz des Landes lassen sollten110. Weil er aber nicht willens oder nicht in der Lage war, die von Isabella erhobenen Forderungen nach einer ertragreicheren Abfindung in Schlesien und höherer Dotierung zu erfüllen, drehten sich die Verhandlungen mit ihr im Kreise111. Da Isabella sich mit ihrem Sohn nach Polen abgesetzt hatte, statt im Schloß von Oppeln Wohnung zu nehmen, war nur noch auf dem Weg über den dortigen Königshof an sie heranzukommen. Jedoch veranlaßte König Sigismund August seine Schwester weder zur Annahme der Angebote Ferdinands noch zur Abga- be jener Erklärung, noch unterband er ihre Kontakte nach Konstantinopel und nach Siebenbürgen, wie Ferdinand, der das als Intrigen bewertete, mehrmals von ihm verlangte112. Ob der Habsburger den Einfluß Sigismund Augusts, der im Sommer 1553 zum zweitenmal sein Schwiegersohn geworden war113, auf die Schwester oder aber seinen guten Willen anfangs falsch eingeschätzt hat, sei dahingestellt114. Die dynastische Verbindung brachte in diesem Falle keine po- litischen Zinsen. Im Laufe des Jahres 1555 zeichnete sich bereits ab, daß der Habsburger die Partie um Siebenbürgen verlieren würde. Isabella hatte inzwischen die besseren Karten und wußte das. Schon Ende März waren am polnischen Hof türkische Äußerungen bekannt, man würde nur Johann Sigismund Zapolya als christli- 107 Huber, Verhandlungen, S. 16ff 108 Jorga, S. 122ff 109 Huber, Geschichte 4, S. 178f 110 So – zum wiederholten Male – in seiner Instruktion für Erasmus Haydenreich, seinen Gesand- ten in Polen, Augsburg, 17.1.1555 (HHStA Wien, Polonica 8 Konv. 1, fol 19r-29r). Haydenreich erscheint im Hofstaatsverzeichnis von 1553/54 als Hofrat (Fellner/Kretschmayr 1,2, S. 173). 111 Huber, Verhandlungen, S. 21ff, 29ff, 36ff 112 Mehrere Belege in den einschlägigen Akten im HHStA Wien, Polonica 8 113 Die Initiative zu der Ehe mit Ferdinands Tochter Katharina ist von Sigismund August ausgegan- gen (Zivier, S. 526ff). 114 In den Briefen an Sigismund August und den schriftlichen Werbungen mußte dessen Bereit- schaft zur Vermittlung natürlich als gegeben dargestellt werden. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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